Rituale und Trinken. Ein globales Genussmuster.

Kultur 18.8.2013 1 Kommentar

Rituale sind ein fester Bestandteil unseres Lebens und geben uns, ob im Alltag oder zu besonderen Anlässen eine Orientierung und Struktur. Ein  Begleiter ist dabei besonders oft anzutreffen: der Alkohol. Was macht ihn durch so viele Kulturen hinweg zu einem unentbehrlichen Bestandteil der Rituale?

Langsam tropft das Wasser auf den Zuckerwürfel der auf einem mit Lochmustern verziertem Löffel ruht. Bei der Berührung mit der klaren Flüssigkeit löst sich der Zucker nach und nach auf und läuft verdünnt in das mit grüner Flüssigkeit gefüllte Glas. Bei der Berührung mit dem Zuckerwasser, verwandelt sich das leuchtend klare Grün in eine milchig grüne Flüssigkeit. Seinen Ruf als das Getränk der Künstler, Boheme und all derjenigen die es sein wollten, verdankt Absinth Mitte des 19.Jahrhunderst auch seinen zahlreichen Ritualen die mit seinem Genuss einhergehen. In Frankreich standen zahlreiche Wasserbehälter mit mehreren Hähnen bereit, um die Durstigen und Genussfreudigen zur „Heure Verte“, der grünen Stunde, mit dem nötigen Wasser für das französische Absinth Trinkritual zu versorgen, das neben dem tschechischen zu den beliebtesten Trinkritualen zählt.

Jedes Getränk hat eine Bedeutung

Genauso wie die Grüne Fee, sind auch die wenigsten anderen alkoholhaltigen Getränke gesellschaftlich gesehen „neutral“. Jedes einzelne ist mit bestimmten symbolischen Bedeutungen, Ritualen und Assoziationen verknüpft.

Seit der ersten Stunde von alkoholhaltigen Getränken, wurden  verschiedenste Gründe für das Trinken gefunden und damit fest in Kulturen rund um den Globus verankert. Im antiken Griechenland zum Beispiel hörten die Götter dem Volk nur dann zu, wenn sich dieses dem Weingenuss hingab. Das Anstoßen vor dem Trinken geht ebenfalls auf die Griechen zurück die Angst vor vergifteten Getränken hatten, die ihnen jemand ins Glas hätte schütten können. Beim aneinander schlagen der Gläser schwappte etwas Wein vom einen Becher in den anderen und die Wahrscheinlichkeit, dass eine Einzelperson gezielt vergiftet werden könnte, war damit ausgeschlossen.

Kreation des sozialen Rahmens

Besonders bei Anlässen die von sogenannten „Übergangsriten“ begleitet werden, durch deren Ausführung der Übergang von einem sozialen, physischen oder ökonomischen Lebensabschnitt zur nächsten erleichtert und strukturiert wird, sind edle Tropfen in den meisten kulturellen Kreisen immer vorhanden oder sogar zentraler Bestandteil der Feierlichkeiten. Dabei stellt sich die Frage, warum gerade der Genuss von Alkohol solch einen Stellenwert in verschiedenen Kulturen einnimmt und ein konstanter Wegbegleiter bei Ritualen ist.

Rituale schaffen eine Orientierung im Leben und im Umgang miteinander. Sie erleichtern uns den Alltag sowie das Verhalten bei besonderen Anlässen und kreieren einen sozialen Rahmen, in dem wir uns wohl und sicher fühlen.

Durch die Strukturierung bestimmter Ereignisse wie Hochzeiten, Einstände und Geburtstage können Trinkrituale eine besondere Festlichkeit und Stimmung entstehen lassen. Es schafft eine Abgrenzung zum strikt rationalen Alltag und erlaubt uns den Genuss für ein paar Stunden zum Mittelpunkt zu machen. Bei feierlichen Anlässen wie einer Hochzeit wird dazu an bestimmten Stellen angestoßen, bei einem guten 3-Gänge Menü werden der Aperitif und Digestiv nur zu bestimmten Menügängen serviert und unterteilen damit den Ablauf in bestimmte Sequenzen. Rituale geben dem Beisammensein und Trinken einen Rhythmus.

Zudem zeigt die Wahl des Getränks die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Generation, Gruppe, Nationalität und Kultur auf und die damit einhergehenden Werte und Einstellungen. Laut Sozialwissenschaftlerin Mary Douglas, „Constructive Drinking: Perspectives on Drink from Anthropology“, werden Trinkrituale insbesondere aus dem Grund praktiziert, um eine ideale Welt zu kreieren und nicht nur zu vermitteln wer wir sind, sondern auch wer wir sein wollen. Dem sozialen Charakter von Getränken und dem Trinken an sich, wird somit oft mit Hilfe von Ritualen Ausdruck verliehen.

In Kulturkreisen in denen mehr als eine Art von alkoholischen Getränken verfügbar ist, werden diese vor allem nach ihren gesellschaftlichen Bedeutungen unterschieden. Nirgendwo sieht man das so gut wie bei Nationalgetränken und den mit ihnen verknüpften Trinkritualen. Das Guinness gehört zu Irland, wie der Tequila zu Mexiko, Whisky zu Schottland und der Ouzo zu Griechenland. Das gemeinsame Trinken des Nationalgetränks verbindet und bringt die nationale Identität zum Ausdruck. Somit wundert es nicht, dass gerade Nationalgetränke fast schon einen romantischen, patriotischen Charakter haben der die damit verbundene Kultur und deren Werte idealisiert. Trinkrituale fördern die Gruppenidentität aber auch bei anderen Arten von Gruppen, sei es im Beruf, in Vereinen oder im Sport. Für Schotten beispielsweise, steht der Whisky für Gleichheit, Großzügigkeit und Kraft. Einen Schluck des „Lebenswassers“ wie er sich vom Schottisch-Gällischem ableitet zu verneinen käme für einem Schotten fast schon wie eine Ablehnung dieser Werte vor. Ritual und Trinkrituale insbesondere, drücken eine Gefühl der Solidarität und Zugehörigkeit aus.

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