Es wird immer bitterer. Gran Classico Bitterlikör in der Verkostung.

Liköre 24.7.2013

Bereits vor zwei Wochen haben wir uns dem Bitterlikör Suze aus Frankreich gewidmet der dank des „PDT Cocktail Book“ eine kleine Renaissance erlebt. Nun sind Suze und Campari aber nicht die einzigen Liköre, die als bittere Basis eines Negroni denkbar wären. Der Schweizer Likör Gran Classico kann ebenso punkten.

Dem Etikett nach handelt es sich bei Gran Classico um ein originales Rezept für einen Turiner Bitter aus dem Jahre 1864. Neben Wasser, Alkohol und Zucker besteht er aus einer Kräuterinfusion. Hierbei spielen Wermut und wiederum Enzian eine entscheidende Rolle neben fruchtigen Komponenten, wie Bitterorangen oder Rhabarber.

Alle aromatisierenden Zutaten werden in hochprozentigem Alkohol infusioniert und laut Hersteller ohne Zugabe von Farbstoffen oder künstlichen Aromen, nur mit Zucker und Wasser auf Trinkstärke gebracht. Die fehlende Zugabe farbgebender Elemente merkt man deutlich. Es ist kein tiefes Rot wie man es vom berühmtesten aller Bitterliköre, dem Campari, gewohnt ist. Eher bronzefarben oder leicht bräunlich.

Schweizer Authentizität
Produziert wird Gran Classico in der Erlebnisbrennerei Kallnach in der Schweiz von Oliver Matter. Die Erweckungsgeschichte liest sich jeweils etwas anders, je nachdem ob man den Produzenten glaubt, die das Produkt auf der Grundlage alter Rezepte in Zusammenarbeit mit ihrem amerikanischen Importeur „Tempus Fugit“ entwickelt haben wollen, oder ob man sich an die Geschichte eben jener Importeure hält, die den Likör vielleicht bei einem Aufenthalt in der Schweiz entdecke haben. Bis dahin wurde angeblich nur in kleinen Mengen für einen lokalen Markt produziert, dies allerdings seit mehr als 100 Jahren. Wie wir bereits voriges Jahr im Gespräch mit Produzent Matter erfahren haben, entstammt die Rezeptur einem alten Familienrezeptbuch.

Aber egal welche Geschichte stimmt, das Produkt wurde 2010 während der Tales of the Cocktails in New Orleans einer breiteren Öffentlichkeit präsentiert und seitdem sind Connaisseurs und Bartender voll des Lobes. Endlich eine Alternative zum allgegenwärtigen Campari, oder wie es Jörg Meyer in seinem Blog beschreibt, ein Upgrade um wissenden Gästen einmal etwas Neues und Spezielles zu servieren.

Wie schmeckt Gran Classico
Aber bevor wir uns zu sehr mit der Geschichte dieses Likörs beschäftigen, wollen wir ihn doch lieber probieren. Die Farbe wurde schon erwähnt. Sie wirkt sehr natürlich, aber ist nicht so auffällig und vermittelt nicht das Gefühl von etwas Bekanntem. Im Glas wirkt Gran Classico sehr dickflüssig, beinahe sirupartig, was auf eine gesunde Menge Zucker schließen lässt. Die Nase wird dominiert von einem süßlichen Schatten, der sich sehr angenehm über die verschiedenen Kräuteraromen legt, die den Likör ausmachen. Neben dem dominanten Duft von Enzian erkennt man sofort Zitrusfrüchte und man vermutet eine leichte Schärfe, ähnlich der von Ingwer. Insgesamt darf man aber von einer Aromabombe ausgehen, die viele Liebhaber in der Barwelt finden wird.

Der erste Eindruck auf der Zunge gibt der Nase teilweise recht. Die Süße ist eher auf der dominanten Seite, wird aber durch die bitteren und kräuterigen Aromen dezent in Schach gehalten. Behält man die Flüssigkeit ein wenig im Mund, machen sich schnell die bitteren Töne angenehm bemerkbar. Gepaart mit komplex fruchtigen Aromen, ergibt sich ein toller Aperitif

Bei Zimmertemperatur dominiert die Süße etwas zu stark, leicht gekühlt oder auf einem Eiswürfel entfaltet der Likör jedoch sein bestes Aroma und das Bartenderherz denkt sofort an die Verwendung in einem Negroni.

Mit Gin und süßem Wermut zu jeweils gleichen Teilen gemixt, entwickeln sich ungeahnte Aromenkomplexe. Das unaufdringlich Bittere weiß sofort zu überzeugen und harmoniert großartig mit Gin und Wermut. Aber nicht nur im Negroni, auch als Mixer mit Soda weiss der Likör zu gefallen. Einzig der Empfehlung, das Produkt in französischer Marnier mit einem Bier zu mischen und zu kosten kostet etwas Überwindung. Aufgefüllt mit etwas Soda ergibt sich ein leichter, sehr leckerer Sommerdrink und wiederum das Etikett empfiehlt auch die Variante eines Sprizz.

Einziger Kritikpunkt, auch wenn man ihn nicht zählen lassen möchte, wenn man sich Gedanken über die Produktion macht, ist der Preis. Für beinahe 30 Euro ist das Produkt im einzelnen Fach- und Großhandel deutlich teurer als Campari Für einen Likör sicherlich nicht ganz billig, aber wie es Jörg Meyer sinngemäß schon so schön formulierte, Gran Classico ist kein Produkt, welches ein anderes ersetzt und überflüssig macht, sondern bietet lediglich die Möglichkeit, seinen Gästen eine besondere Spirituose und ein besonderes Erlebnis in einem Cocktail zu vermitteln.

Und dies ist durchaus sehr gut gelungen. Wer unter seinen Gästen einige Negroni-Trinker hat, macht diesen sicherlich eine Freude, wenn ihnen Abwechslung und neue Aromen präsentiert werden.

Gran Classico Bitter

Preis: ca. 29,00 €

Vertrieb: absinthe.de

Herkunft: Schweiz

Füllmenge: 0,75 l

Alkoholgehalt: 28 Vol. %

Internet: www.granclassico.com

 

Bildquelle: aboutpixel.deMajestic Wildstrubel © Perreten

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