Bittere Alternative. Suze Bitterlikör in der Nahaufnahme.

Liköre 3.7.2013 1 Kommentar

Bereits vor deutlich mehr als einem Jahr fragte sich Kollege Steffen Hubert, ob es denn immer Campari im Negroni sein müsse. Zeitgleich erschien das Cocktailbuch von Jim Meehan „The PDT Cocktail Book“ und lieferte mit der weiteren Verbreitung des White Negroni von Wayne Collins die Antwort. Es darf auch Suze sein.

Der französische Likör Suze basiert auf den Auszügen der gelben Enzianwurzel. Der Enzian soll vor der Verwendung einmal geblüht haben, was im Durchschnitt zehn Jahre benötigt, da die Pflanze sich nur sehr langsam entwickelt. Dann werden sie in den Bergregionen der Auvergne und des Jura geerntet und mit einer geheimen Mischung aus Kräutern und Gewürzpflanzen eingemaischt. Der Anteil an Enzian in der Maische beträgt dabei genau die Hälfte. Durch die Destillation dieser Maische entsteht die bittere Alkoholbasis, die dann mit weiteren Kräuterauszügen, Zucker und Wasser zum endgültigen Likör weiterverarbeitet wird.

Historienwirrwarr ohne Marketinggedanken

Die Geschichte des Likörs ist ein wenig undurchsichtig. Einmal wird die Erfindung dem Schweizer Hans Kappeler zugesprochen, der das Produkt unter anderem Namen in seiner Region verkaufte, allerdings versäumte er angeblich die Registrierung und musste das Rezept aus finanziellen Gründen verkaufen.

Die zweite Geschichte behauptet, dass der Likör bereits 1885 in Frankreich von einem gewissen Fernand Moureaux erfunden wurde. Nach mäßig erfolgreichem Verkauf unter einem anderen Namen benannte er den Likör 1898 angeblich in Suze um, inspiriert von seiner Schwägerin Susanne Jaspert, die dem Likör verfallen war. Ihr Spitzname war angeblich Suze.

Mittlerweile liegen die Rechte am Likör bei der Pernod-Ricard-Gruppe und hier wird die Geschichte des Likörs sehr interessant angegangen. Beides stimmt und wird einfach zu einer Geschichte vermischt. Kappeler wird in dieser Geschichte nicht namentlich erwähnt aber Moureaux wird zugeschrieben zur Umsetzung seines Wunsches nach einem Enzian Aperitif bereits 1885 ein Rezept aus der Schweiz erworben zu haben, welches er fortan genutzt hat.

Eine besondere Verbindung hat Suze seit jeher zu verschiedenen großen Künstlern. So begann Picasso mit einer Collage die eine Suzeflasche zeigt bereits 1912. Seit 2001 durften sich zudem verschiedene namhafte Künstler an ihrer eigenen Interpretation einer Flasche üben. Aber genug zu Flasche und Geschichte, wie schmeckt denn nun dieser Suze?

Die Verkostung

Im Glas verwirrt er im ersten Moment aufgrund seiner ungewöhnlich kräftigen Farbe. Beinahe fluoreszierend schimmert der Likör in einem Gelb mit leichtem Grünstich. Nicht unnatürlich, bestimmt aber ungewöhnlich.

In der Nase ist der Suze angenehm frisch, beinahe fruchtig. Eine zu erwartende Enziannote, die sich übertrieben in den Vordergrund schieben will, bleibt aus. Eher ist man an frische und herbe Kräuter erinnert. Zitronenmelisse und Kamille zum Beispiel, dazu die Düfte von Orangen- und Zitronenschalen und ein süßer Ton, der an Vanille erinnert.

Am Gaumen bestätigen sich diese Eindrücke. Eine sehr dezente Süße transportiert die verschiedenen Aromen von Kräutern und Zitrusfrüchten und verbreitet einen angenehmen, herben Geschmack im Mundraum. Im Abgang kommt dann das Bittere des Enzians und beschließt den überzeugenden Gesamteindruck des Likörs. Keine Aromen sind zu dominant oder übertrieben betont, sondern harmonieren insgesamt sehr gut und ergeben diesen runden Likör, den man durchaus auch pur genießen kann.

Dort liegt vielleicht auch die einzige Schwäche. Dadurch, dass er pur so leicht zugänglich ist, hat man bei der Kreation von Cocktails das Problem, dass Suze zu wenig Dominanz in einen Drink bringt. Gepaart mit anderen prägnanten Aromen wird Suze schnell in den Hintergrund gedrängt und büßt seine speziellen Aromen ein. Gepaart mit Tonic eine leckere Erfrischung, die auch den aktuellen Trend der eher bitteren Longdrinks bedient.

Aber spannen wir den Bogen zurück zum Ausgangspunkt. Gibt es Alternativen zum klassischen Bitterlikör im Negroni? Bereits im Winter haben wir uns dem Rezept von Wayne Collins, welches im „PDT – Das geheime Cocktailbuch“ von Jim Meehan zu finden ist, gewidmet und können sagen: Ja, es gibt die Alternative. Auch wenn man ein wenig nachhelfen muss. In der richtigen Dosierung kann Suze auch einem Klassiker neue Aspekte abringen und eine Neuinterpretation hervorbringen.

Leider wird Suze derzeit nicht von Pernod-Ricard in Deutschland vertrieben. In einigen Onlineshops wird man aber fündig und der Bezug von Suze in Deutschland ist kein Problem. Die Variante für den französischen Markt, welche auch Grundlage für diese Verkostung war, hat dabei 15 % Vol.  Alkohol, während die Abfüllung für die Schweiz auf 20 % Vol.  Alkohol kommt.

 

Suze – Enzianlikör

Preis: 12,50 € – 13,50 €

Vertrieb: Pernod-Ricard (Besitzer)

Herkunft: Paris, Frankreich

Füllmenge: 1,0 l

Alkoholgehalt: 15 Vol. % (20 Vol. % in der Schweiz)

Internet: Suze bei Pernod Ricard

 

Bildquelle: aboutpixel.de / Enzian © kemai

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