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Fassbrause. Wie die Privatbrauerei Gaffel den Großen die Richtung weist.

Limonaden 21.2.2012 1 Kommentar

In Zeiten von teeinfusionierten Cocktails, Drinks, die zum Parfum des Gastes passen und molekularen Zaubereien gerät die Tradition schnell in Vergessenheit. Die Kölner Brauerei Gaffel hingegen hat sich bereits im Jahr 2010 dem Erbe der Fassbrause angenommen. Mit ungeahntem Erfolg.

Die Bierbranche sprudelt und ist trotzdem von einer schönen Schaumkrone weit entfernt. Denn das Sprudeln kommt keineswegs, von überaus guten Umsätzen, im Gegenteil. In den vergangenen Jahren sind die Absatzzahlen bei fast allen großen Herstellern zurückgegangen. Der Biermarkt ist schal und sehnt sich nach Wachstum. Und ausgerechnet eine Kölschbrauerei macht den Großen vor, wie es geht.

Den Wunsch nach Wachstum erreichte mit der Einführung von Fassbrause im Frühjahr 2012 die Privatbrauerei Gaffel. Zehn Prozent des Umsatzes werden dort am Rhein inzwischen mit der Limonade erwirtschaftet. Zahlen, die auch andere Hersteller aus der Brauwirtschaft aufhorchen lassen.

Während die Fassbrause, im Jahr 1908 vom Berliner Ludwig Scholvien als alkoholfreies Bieräquivalent für seinen Sohn erfunden wurde und zunächst als modernes Getränk galt, ist sie seit längerer Zeit ein Produkt, dem niemand mehr richtig Aufmerksamkeit geschenkt hat. Irgendwo in einer Nische zwischen Bier und Limonade, aber doch kein Radler, hat sie zwar ihren Platz gefunden, geriet aber nach dem Hype in den Goldenen Zwanzigern zunehmend in Vergessenheit. In Berlin liebevoll als „Sportmolle“ bezeichnet, war die Fassbrause unterschwellig immer präsent, doch erlebt sie erst seit Kurzem, begleitet von Retrocharme und einem Schwung Nostalgie, ein richtiges Revival.

De Kölsche Jung‘ von Gaffel führen nun die Geschichte der Fassbrause mit vor Farbe triefender Feder fort. Ein brauchtechnischer Geniestreich, wie sich herausstellte. Das traditionsreiche Gebräu ist seit April 2010 aus dem Sudkessel der Kölner erhältlich und schwemmte mit einem Ausstoß von 50.000 Hektolitern im vergangenen Kalenderjahr auf den Markt. Kein Wunder also, dass auch die großen Brauereien auf den Geschmack gekommen sind.

Bittburger, Veltins und Carlsberg stehen in den Startlöchern, um den Markt mit Fassbrause zu sättigen. Da alle einen Schluck aus dem Fass abbekommen wollen, gab es postwendend Klagen gegen Gaffel, die die Nutzung des Namens „Fassbrause“ untersagen sollten. Einspruch, abgelehnt. Denn Fassbrause bleibt als Gattungsbegriff in Allgemeinbesitz. Somit ist die klare Fassbrause von Gaffel Vorreiter. Doch wofür?

Die Brausebrauer

Bitburger plant schon länger die Einführung der eigenen Fassbrause. Die in der Eifel produzierte Limonade soll noch dieses Frühjahr kommen. Anschließend will Veltins mit Brausen in Holunder- und Zitronengeschmack nachziehen und auch Carlsberg plant eine Holsten Fassbrause, um im Sudkessel mitzurühren.

Was in Berlin und dem Osten der Republik schon länger in die Gläser wandert, ist auf dem Weg ganz Deutschland am Gaumen zu kitzeln. Rixdorfer, Gaffel und Zille’s bekommen Konkurrenz. Zudem reiht sich die fruchtig herbe Erfrischung mit leichter Malzsüße perfekt in die von der Bundesregierung beschlossene und von der Brauindustrie gern angenommene Alkoholpolitik ein. Präventionsmaßnahmen sind schließlich nur nötig, wenn Alkohol im Spiel ist.

Bereits jetzt gilt die Wiederentdeckung der Fassbrause als Nonplusultra des Sommers. Was von diesen hoch lobenden Tönen auch wirklich beim Verbraucher hängen bleibt, ist die andere Seite der Medaille. Eine frisch prickelnde Alternative zur Bionade steht in jedem Fall im Regal.

 

 

Bildquelle: aboutpixel.de / frisch gebügelt © Rainer Sturm

 

Ein Kommentar

  1. Nick

    Warum erklärt ihr nicht, wieso es zu der Klage kam? Bei all den “Fassbrausen” handelt es sich lediglich um alkoholfreies Bier gemischt mit Limonade. Wie sich das dann von einem Radler (” Irgendwo in einer Nische zwischen Bier und Limonade, aber doch kein Radler”) unterscheidet, ist mir schleierhaft!
    Schmecken tun sie dennoch, zumindest die Veltins. Sonst noch keine anderen gefunden hier in Hamburg, und auch die von Veltins nur sehr selten.

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