Kvass geht ab? Kvass Russian Soda, flüssiges Brot als Durstlöscher.

Limonaden 27.2.2013 4 comments

Der deutsche Markt für Ethno-Limonaden ist wieder um ein Produkt reicher. Mit seinem „Kvass Russian Soda“ will ein junges Start-up aus Bad Homburg den Geschmack des russischen Sommers an die Gaumen experimentierfreudiger Bar- und Clubgänger bringen.

Das Etikett auf der schlichten Glasflasche „Kvass Russian Soda“ weckt Erinnerungen. Sowjetsterne, stilisierte Weizenähren, erdige Farben und ein lustiger Kosakentänzer – das folkloristische Branding mit optimistischer Symbolik wäre wohl ganz nach dem Geschmack der ausgebufftesten sowjetischen Kulturrevolutionäre gewesen.

Obwohl latent aus der Zeit gefallen, erfüllt das Design seine Aufgabe. Ostalgie und Naturbelassenheit sind in und werden so auf den ersten Blick kommuniziert. „So erfrischend wie Brot!“ verspricht der Slogan. Ironie? Kompletter Quatsch? Wohl durchdacht? Die ungewöhnliche Assoziation lässt aufhorchen.

Die Zutatenliste der bernsteinfarbenen Limonade kommt komplett ohne künstliche Zusätze aus. Fünf verschiedene Malzsorten, Wasser, Milchsäure und Zucker – wahrlich erfrischend, wenn auch der Verbraucher ohne Vorkenntnisse verstehen kann, was er da zu sich nimmt. „Back to Basics “: Georg Fichtenau von der KBAC-GmbH fasst die Ausrichtung des Produkts zusammen und schließt den Kreis zum Claim. „Brot ist ein einfaches und köstliches Grundnahrungsmittel – und die Hauptzutat von Kvass.“

In  Russland und der Ukraine hat der Brottrunk eine über tausendjährige Tradition. „Kvass“ bedeutet „saurer Trank“ oder „Gegorenes“. Ursprünglich als Weiterverwertung von trockenem Brot ersonnen gehört Kvass heute neben Vodka, Kaviar und Balalaika-Schnulze zu den essenziellen, heiß geliebten Kulturprodukten der Region. Für ein paar Rubel kann man im Sommer ein kühles Glas Kvass an jeder Straßenecke bekommen. Aus den typischen gelben Zisternenwagen frisch gezapft und in der Regel privat nach Familienrezept gebraut ist Kvass ein bekömmlicher Durstlöscher für Jung und Alt.

Fertigvarianten in Plastikflaschen sind geschmacklich gefälliger, aber meist langweilig.  Auch Coca Cola hat schon Wind von der anhaltenden Popularität der goldenen Brause bekommen. Der Limo-Gigant, zu Zeiten des Kalten Krieges Inbegriff des Feindbildes vom verdorbenen Westen, hat in Russland Milliarden in eigene Brauereien investiert, will aber bislang nicht in großem Stil exportieren.

Der erste Kvassianer

Christian Dörner, Geschäftsführer der GmbH, entdeckte Kvass bei einer Wanderung durch die ukrainischen Karpaten.  Ausgelaugt und durstig an einer entlegenen Gaststätte angekommen, kostete er das malzige Gebräu nur aus Mangel an antialkoholischen Alternativen. Und es schmeckte ihm. Zurück in Deutschland wunderte er sich, dass Kvass hierzulande fast gänzlich unbekannt war. Mit seiner Idee, den ersten deutschen Kvass zu brauen rannte er bei Dr. Martin Zarnkow von der Brau-Universität Weihenstephan offene Türen ein.  Drei Chargen hat es gebraucht, bis der richtige Geschmack gefunden war. Den ultimativen Authentizitätstest, das Abnicken durch waschechte Russen, hat „Kvass Russian Soda“ schon bestanden.

Gesund, naturbelassen, traditionsumwoben – aber wie schmeckt Kvass Russian Soda? Erfrischend malzig und leicht sauer. Weniger süß als  Malzbier, mit mehr geschmacklicher Tiefe als Fassbrause. „Viele setzen beim ersten Schluck erst mal eine komische Miene auf“, erzählt Georg. „Aber schon beim dritten sind die meisten Kvassianer!“  Nach und nach entfaltet sich hinter der herb-malzigen Grundnote auch eine feine Süße. Ein fruchtiger Geschmack, der an Aprikose erinnert. Eine ungewöhnlich weiche Textur hat der deutsche Kvass und er fühlt sich angenehm leicht auf der Zunge an. Den gärungsbedingten Alkohol von 1,2 % Vol.  schmeckt man kaum.

Auch als Filler ist „Kvass Russian Soda“ laut Aussage der KBAC-GmbH interessant. Vodka-, Absinth-, oder Bitterlikör-basierten Drinks kann er neuen Schwung geben.

Für die nahe Zukunft planen die Hersteller eine alkoholfreie Geschmacksrichtung sowie ein offizielles Bio-Siegel.

Das MIXOLOGY ONLINE-Fazit: Mit seiner natürlichen Zusammensetzung kann „Kvass Russian Soda“ punkten. Malzige, saure und süße Aromen sind stimmig gegeneinander abgeschmeckt, wenn auch das Geschmacksbild sich noch auf „westlichen“ Zungen entfalten und durchsetzen muss. Das Branding hält was es verspricht, obwohl Folklore nicht jedermanns Sache ist.

 

// Kvass Russian Soda kaufen: In Hamburg, Berlin, Münster und Köln ist Kvass schon in ausgewählten Läden, Bars und Clubs erhältlich. Ungeduldige in anderen Städten können über www.kvass-russian-soda.de bestellen (12 x 0,33 l für ca. 14 €).

Bildquelle Flasche: KBAC GmbH Artikelbild:  aboutpixel.de / Zarentraum © reitgasse

4 comments

  1. Michael

    Super,
    Erfrischend…
    wenn auch leicht
    Gewöhnungsbedütftig.

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  2. Experimentator

    Auf der suche nach originellem Lebensgefühl, dass sich von der Masse abzuheben versucht bin ich immer wieder auf der Suche nach dem Neuen. Und dabei lege ich besonderen Wert auf das Detail auf die Kleinigkeiten die im Alltag oft nicht beachtet werden. Aber gerade der Stil im Alltag zeigt unsere besondere Note aus. Wer im Alltag kein Gefühl für die Ästhetik entwickelt, hat keinen Geschmack. Und genau hier sind wir am Punkt angekommen. Geschmack im doppelten Sinn des Wortes stellt sich bei erfrischendem Konsum dieses feinen Produkts ein, dass ich hier eigentlich nicht weiter zu loben bereit bin, weil es gerade eine stille Abmachung gibt die mich mit dem Gesöff verbindet – werde nie zum Massenartikel und somit der Geschmacklosigkeit anheimgestellt.

  3. minimal

    Gerade im Laden entdeckt, mit Freunden ausgetrunken, danach Motorrad gefahren, weil alkoholfrei draufsteht. Später finde ich heraus, dass ich mich damit unwissentlich strafbar gemacht habe (bin noch in der Probezeit). Man kann nicht einfach alkoholfrei draufschreiben und gleichzeitig 1,2 Volumenprozent Alkohol enthalten lassen. Na klar, wäre ich erwischt worden, wäre es mein Fehler gewesen, aber muss das sein?

    • Redaktion

      Lieber/liebe Minimal,

      da hast Du prinzipiell Recht, das ist schon irreführend. Der gesetzliche Grenzwert für die Erlaubnis des Labels „alkoholfrei“ liegt in Deutschland meines Wissens bei 0,5% Vol – eine Menge, die viele alkoholfreie Biere enthalten. Hintergrund ist der Umstand, dass der Organismus bei einem solchen Anteil den Alkohol – so mein Laienkenntnisstand als Nicht-Mediziner wohlgemerkt! – jenen schneller abbaut als man ihn weiter zuführen kann.
      Bei einer Menge von mehr als einem Volumenprozent sieht die Sache aber sicher anders aus. Hier müsstest Du Dich allerdings, wenn Du eine Änderung herbeiführen willst, an den Hersteller wenden, nicht an uns.
      Falls es vor der Polizei „hart auf hart“ kommen würde, wärst Du allerdings, so fürchte ich, trotzdem der/die Schuldige – denn auch wenn das Label „alkoholfrei“ sagt, hättest Du natürlich als mündiger Konsument auch das Kleingedruckte lesen müssen. Jaja, die Rechtslage…

      Liebe Grüße und vielen Dank für den Hinweis
      // Nils Wrage für die Redaktion

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