Cola im Test. Platzhirschjagd.

Limonaden 11.4.2011 3 comments

»Mach den Pepsi-Test!« hieß es in den 70er- und 80er- Jahren. Es war das erste Mal, dass ein Getränkekonzern in großem Stil Blindverkostungen zur Bewerbung seiner Brause einsetzte. Mixology lud nun fünf Bartender ein, um das gegenwärtige Cola-Angebot auf Herz und Nieren testen zu lassen.

Verkostung und Bewertung

Alle Colas wurden bei unter 5° Celsius blind in identischen Verkostungsbechern serviert. Sofern im deutschen Markt verfügbar, wurde bei der Beurteilung von Verpackung, Marke und Image das Gastrogebinde der jeweiligen Cola-Marke präsentiert. Die Kategorienbewertungen und die Gesamtbewertung orientieren sich an der Mixology 100-Punkte-Skala. In die Gesamtbewertung floß die Purverkostung zu 75% und die Markenbewertung zu 25% ein.

Die Verkoster

Verkoster des Mixology-Cola-Tastings waren Konrad Friedemann (Riva Bar, Berlin), Corinna Ludwig (Marlene Bar im Intercontinental, Berlin), Dominik Galander (Galander Bar, Berlin), Goncalo de Sousa Monteiro und Holger Groll (beide Buck & Breck Bar, Berlin).

Wikipedia trinkt nicht gerne Cola

Zumindest die deutsche Version der offenen Netzenzyklopädie. Gegen Ende letzten Jahres machten übereifrige Administratoren diversen Einträgen zur schwarzen Limonade den Garaus. Zum Ärger und Entsetzen vieler eingefleischter Fans von schwarz perlendem Zitrus und

Koffein. Ein Beitrag in der Enzyklopädie beschrieb beispielsweise das »Open Cola«-Projekt, das ein paar Kanadier Anfang des letzten Jahrzehnts gestartet hatten. Durch Veröffentlichung ihrer Kolarezeptur wollten sie, ähnlich wie bei offener Software, an der weltumspannend viele Entwickler mitarbeiten, mit Konsumenten ein reales, physisches Produkt kreieren.

Am »Open Cola«-Projekt war besonders erfrischend, dass man an Stelle von Markenbotschaften, die einen bestimmten Lebensstil thematisieren, zum ersten Mal einer breiten Öffentlichkeit deutlich machte, was eine Cola tatsächlich ist: eine Limonade aus Zitrus- und Kräuteressenzen, die mit Koffein versetzt und mit Zuckercouleur eingefärbt wird. Die Blindverkostung, die wir für diese Ausgabe organisierten, hatte ebenfalls den Auftrag, das wirkliche Produkt von der Markenbotschaft zu entkoppeln.

 

Die erfahrenen Gaumen der Bartender förderten Erstaunliches zu Tage. Die in Werberkreisen viel geschmähte Red Bull Cola wurde mit 74 aus 100 Punkten als einziges Produkt mit »sehr gut« bewertet. Das Underdog-Produkt Premium Cola aus Hamburg, übrigens ebenfalls ein Opfer der eingangs geschilderten Wikipedia-Hysterie, gelangte mit 62 Punkten und der Bewertung »gut« auf den zweiten Platz. Völlig abgestraft wurde von den Bartendern der Platzhirsch Coca-Cola, der noch hinter dem Discounter-Produkt Ja! Cola auf dem letzten Platz landete. 30 Punkte und »nicht ausgereift« lautete das vernichtende Urteil der Bartender.

Nach der Pur- und Blindverkostung bekamen die Bartender die einzelnen Marken präsentiert, um nun ebenfalls ein Urteil zu Verpackung, Markenauftritt und zur Verwendbarkeit in der Spitzengastronomie abzugeben. Hierbei schnitt ein deutsches Produkt, Afri Cola, mit 88 aus 100 Punkten und der Note »ausgezeichnet« am besten ab.

Auf dem zweiten Platz landete die Hamburger Fritz-Kola mit 75 Punkten. Die Einführung eines eigenen Gastrogebindes scheint sich gelohnt zu haben. Sinalco Cola kam an dritter Stelle mit 71 Punkten, dicht gefolgt von Coca-Cola mit 70. Die Werbemillionen scheinen doch nicht ganz umsonst gewesen zu sein.

Und wie schnitt der Erfinder des »Pepsi-Tests« ab? Er wurde wie sein Multi-Bruder Coca Cola gehörig abgestraft. Während Pepsi sich in der Purverkostung mit 55 aus 100 Punkten im soliden Mittelfeld bewegte, landete die Marke in der Kategorie »Marke & Image« mit 30 Punkten abgeschlagen auf dem vorletzten Platz.

Nichts zu lachen für den Konzern, der in den Relaunch seines neuen Logos, das verschiedene Formen von »Lächeln« symbolisieren soll, angeblich 950 Millionen Dollar steckte.

Photo credit: Antje Plewinski

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