Der Jetlag hat mich heute pünktlich um 6 Uhr aus den Federn getrieben. Was mich nicht weiter stört, da wir gerade die nächste Ausgabe von Mixology fertig stellen und ich dafür ohnehin noch ein paar Dinge erledigen muss. Und da fertige ich doch gleich auch den ersten Blogeintrag aus dem Big Easy an.
Zuerst einmal ist es großartig hier zu sein. Es herrscht hier ein sehr entspannte Stimmung. Ganz anders als bei den sonstigen Messen, haben alle eine Freude ins Gesicht geschrieben und wirken kein bisschen gestresst. Mal sehen, ob sich das heute, am ersten Tag der Tales fortsetzt. ;-) Stilistisch macht die Stadt und ihr Klima auf jeden Fall sehr entspannte Vorgaben: die Temperaturen machen das Tragen eines Anzugs schlicht unmöglich, es sei denn man bleibt den ganzen Tag im klimatisierten Hotel.
Von New Orleans sollte man sich keine zu romantisierenden Vorstellungen machen. Fährt man vom Flughafen in die Stadt, bietet sich einem eine typische zu schnell gewachsene amerikanische Stadt dar, mit hässlichen Flachbauten und Hotelklötzen, die hastig in die Landschaft gesetzt wurden. Die Innenstadt dagegen ist hübsch und herausgeputzt mit ihren alten Häusern. Viel Neon leuchtet von diesen Nachts, wenn die Touristen die Bourbon Street hinunterpilgern und Mardi Gras nachstellen, indem sie Beads (Perlenhalsketten) von den Balkonen werfen.
Die Cocktailqualität ist sehr mittelmässig. Es gibt fast überall das "Schnell Schnell" mit Plastikbecher und Soda Gun. Um einen einigermassen akzeptablen Drink zu bekommen, muss man weg von der Bourbon Street oder in eine Hotel Bar. Das Bild oben zeigt die Bar French 75, in die uns Simon Difford verschleppte. Seine Lieblingsbar serviert tatsächlich akzeptable French 75s. Bei den Sazeracs nahm der Bartender vor den Augen der versammelten Londoner Barelite allerdings unbekümmert einen Abkürzer. Einen Tumbler aus dem Gefrierfach, Cognac hinein (einen normalen VS), Pastis, Peychaud (reichlich), Zuckersirup, Zeste drübergezogen – fertig. Nicht einmal gerührt, soweit ich das gesehen habe. Es muss eben alles sehr schnell gehen hier. Mehr Drinks bedeutet mehr Tip. Keine Zeit für philantropische Betrachtungen. Ansonsten ist man hier derzeit dem Absinth verfallen. Man macht das Ding mit dem Löffel und dem Zucker und nimmt das Ganze sehr, sehr ernst. Der Hype ist größer als er vor Jahren bei uns war. Absinth…..naja.
Ansonsten ist es ein großer Networking Event und dafür bin ich auch hier. Gestern lernte ich Tobin Ellis kennen, einen Bartender der legendären TGI Fridays-Generation, der bei der Gründung der FBA federführend war. Er erzählte uns, wie er mit einer Entourage vor einiger Zeit im Pegu Club war und – nachdem sie die Karte rauf und runter getrunken hatten – das Personal in Verlegenheit brachte, indem er nach der üblichen Klassiker-Show eine Runde Woo Woo-Shots bestellte. Nach einer halben Stunde kam dieses dann verlegen an den Tisch und beichtete, dass man überall nachgesehen habe, aber den Drink leider nicht kenne. Woo Woo war einer der Bestseller in meiner Zeit in Teatro in London.
Ein einfacher, schneller Drink. Gut für den Umsatz. Was mich wundert ist, weshalb der Bartender oder Kellner des Pegu nicht einfach offen ist und den Tisch fragt, was denn reinkommt in den Drink. So habe ichs immer gemacht, wenn ich das Gefühl hatte, da sitzt jetzt ein Journalist oder Kollege, der mich prüfen will. Alles kann kein Mensch wissen. Das ist ehrlich und entwaffnend und im besten Fall entwickelt sich daraus noch ein lustiges, fachliches Gespräch. Von der Klugsch…ei gibt es ja wahrlich genug in der Branche. Da muss man nicht noch etwas auf den Haufen draufwerfen. ;-)
So, jetzt werde ich mich noch an den englischen Beitrag machen. Grüße Richtung alter Kontinent. Ich trinke einen Sazerac auf Euch später!
P.S. Passend zu meinem Beitrag: CocktailDB gibts demnächst für das Iphone: http://cocktails.cocktaildb.com/movies/demo.mov
bra tender (3 years ago)
1st outing: was ist woowoo???
kann man dafür bullenschluck gebrauchen???
kid-holger (3 years ago)
vodka, peach schnaps, cranberry
ToofastTolive (3 years ago)
deine beiträge sind einmalig, auch hier nimmst du uns mit auf die reise.
authentisch, fachlich mit ‘ne gewöhnlichen prise entertainment.
weiter so…
Too Fast To Live
Too Young To Die
Helmut Adam (3 years ago)
@ ToofastTolive Freut mich, dass man New Oleans fühlen kann.
@ bra tender: Wegen Woo Woo: einfach den Textlinks folgen, wenn ich welche einbaue. Der Bullenschluck ist natürlich einmalig und sehr vielseitig als Zutat, in diesem Fall aber könnte der Bullentritt nach hinten losgehen. Ein Krautinger wäre da schon eher angebracht.
Woo Woo ist ein Drink der Disco-Ära, wenn man so will die Reduktion eines Sex on the Beach. In einem Barkonzept in Wien, das ich um 2000 herum 3 Monate lange aufbaute, wurde er der Hauscocktail und löste Vodka Red Bull ab. Die Betreiber der Bar kamen aus dem Club-Bereich…. ;-)