Als ich letztes Jahr auf der Veranstaltung Tales of the Cocktail weilte, begann ich zum ersten Mal den tieferen Sinn von Twitter zu verstehen. Aus reiner Neugier hatte ich mich ein paar Monate vorher bei diesem Dienst registriert. Auf dem Weg nach New Orleans konnte ich via Twitter verfolgen, wer alles auf dem Weg in die Cocktail-Metropole war und verabredete mich prompt auch mit John Gakuru auf einen ersten Drink an der berühmt-berüchtigten Carousel Bar im Hotel Monteleone, das bisher jedes Jahr die Tales beherbergt hat. Was machte Twitter nun so einfach und funktionell, um mit den anderen Besuchern Kontakt zu halten?
Der normale Weg wäre gewesen, die anderen Anreisenden anzurufen oder per SMS zu kontaktieren. Wer öfter in die USA oder einen anderen Kontinent reist, hat aber sicher bereits die Erfahrung gemacht, dass Mobiltelefone, und vor allem Smartphones, dort nicht dieselbe zuverlässige Leistung erbringen. SMS brauchen z.B. mitunter Tage bis zur Zustellung oder kommen gar nicht erst an. Mein Blackberry gehört zu dieser Sorte Zicken-Telefon und ich werde aus diesem Grund wahrscheinlich auf ein Iphone umsteigen demnächst. Das soll zwar auch zicken, aber wenigstens gibt es da neben einer besseren Usability eine Menge Foren und User-Groups, in denen man sich Tips und Lösungen holen kann.
Wie dem auch sei: über Twitter konnte ich mit einer Nachricht zig andere Tales-Besucher erreichen, anstatt viele teure Anrufe zu tätigen oder zig SMS zu verschicken. Und Twitter wurde für mich und für viele andere bei den Tales das Kommunikationswerkzeug Nummer Eins, mit dem wir Kontakt hielten und uns über das Geschehen auf dem Laufenden hielten. Wie funktioniert nun Twitter?
Twitter einfachst erklärt
Twitter ist ein sogenannter Mikroblogging-Dienst, bei dem man sich gratis registrieren kann. Der Dienst ist bisher in der englischen Version werbefrei. Man erstellt dort einen Account und ein knappes Profil und kann sofort loslegen. Man stellt kurze Textnachrichten mit maximal 140 Zeichen in seinen Twitter-Pfad. In diesen Texten berichtet man, was man gerade macht, wo man gerade einen spannenden Text entdeckt hat oder teilt der Welt bahnbrechende Neuigkeiten mit. ;) Andere Twitter-User können die Nachrichten abonnieren, indem sie unter unserem Profil oder dem anderer mehr oder weniger bekannten Persönlichkeiten auf ‘Follow’ klicken.
Alle Nachrichten-Pfade, die so abonniert werden, erscheinen dann im Pfad des eigenen Accounts. Aktuell interessieren mich die ‘Tweets’ genannten Nachrichten von 64 anderen Twitterern und 185 andere Twitter-User haben meine Nachrichten abonniert. Die Twitterer, denen ich folge, sind zum Teil Bartender, Cocktailblogger, Kollegen aus der Medienbranche oder IT-Fachleute. Wenn mir die Nachrichten eines Twitterers zu viel werden oder mir seine Eintrags-Frequenz auf die Nerven geht, dann klicke ich einfach auf ‘Unfollow’ und schon kehrt ein bisschen mehr Ruhe ein. Das Schöne an Twitter ist: Alles kann und nichts muss! Wenn man meint, zu müssen, und mehrere tausend Pfade abonniert, wird man in einem großen weißen und stressigen Rauschen abenden.
Seit Twitter surfe ich viel weniger Seiten ab (nachdem ich RSS Reader schon seit Monaten nicht mehr nutze), denn die Blogger, die mich interessieren, wie zum Beispiel Jeffrey Morgenthaler oder Jay Hepburn, weisen auf Twitter auf ihre neuen Beiträge hin. Twitter hat das Netz, entgegen vielfach geäußerter Meinungen, einfacher gemacht, und nicht komplizierter. Tweets haben übrigens große Ähnlichkeit mit den Status-Angaben auf Facebook, weshalb man beide Dienste auch zusammenschalten kann. Meine Tweets erscheinen automatisch auch als Statusangabe auf Facebook. Das erspart Arbeit.
Dienste rund um Twitter
Um Twitter herum sind eine Menge praktische Dienste entstanden, die den ‘Zwitscherer’ ergänzen. Da man nur 140 Zeichen zur Verfügung hat, haben findige Köpfe einen Weg gefunden, lange Domains in kurze verschlüsselte Domains zu verwandeln. Dadurch spart man Platz und kann leichter auf interessante Fundstücke im Netz hinweisen. Zu diesen Diensten zählen Tinyurl, Snurl und Cli.gs.
Cli.gs habe ich erst vor ein paar Tagen entdeckt und bin sofort zu diesem Dienst gewechselt. Der Grund ist, dass Cli.gs eine statistische Auswertung der verwendeten Links anbietet. Damit kann man sehen, wie viele andere User der Link tatsächlich interessiert hat. Für uns als Medium ist es interessant, welche Art von Nachrichten die Leute fesseln. Das ist schließlich unser Geschäft.
Ein anderer praktischer Dienst ist Twhirl. Thwirl ist ein Programm, dass auf dem Desktop aufsetzt und mehrere Dienste wie Twitter, Friendfeed und Seesmic bündeln kann. Es läuft neben der normalen Netz- oder Rechnernutzung her und informiert einen, ähnlich wie verschiedene bekannte Mailprogramme, mit einem aufpoppenden Fenster und einem Ton über neue Nachrichten, d.h. neue Tweets von Zwitscherern, denen man folgt. Ich habe noch nicht alle Funktionen von Twhirl zum Laufen gebracht, aber bei der Arbeit ist dieser Dienst für mich bereits sehr praktisch.
Ein anderes Twitter-Werkzeug ist Twittercounter, ein Zähler, der einem anzeigt, wie viele andere Twitterer den eigenen Tweets folgen und darüberhinaus aufgrund des bisherigen Wachstums eine Prognose erstellt, wieviele ‘Folger’ man in z.B. 30 Tagen haben wird.
Weshalb es Zeit für Twitter wird
Um abschließend auf die Überschrift dieses Blogeintrags zurück zu kommen, möchte ich nun erklären, weshalb ich Mixology-Lesern empfehle, sich mit Twitter zu beschäftigen. Jeder neue Dienst im Internet, so wie etwa Facebook oder auch unser schlichte Portal mixology.eu braucht eine gewisse Zeit, bis sich die Nutzer damit angefreundet haben und ihm Akzeptanz entgegenbringen. Bei Twitter habe ich verfolgt, wie dieser Dienst zuerst die amerikanische und dann die europäische Tech- und IT-Bloggerszene erfasste. Nach diesen Early Adopters sprangen User aus den Medien auf den Dienst auf und Blogger jedweder Couleur begannen ebenfalls zu ‘zwitschern’.
Als ich mich bei Twitter registrierte, war der Dienst noch primär auf die englischsprachige Hemisphäre begrenzt. Ein Großteil meiner Follower ist entsprechend aus den USA. Dort ist man einfach schneller und aufgeschlossener in der Nutzung neuer Techniken und natürlich ist der Markt auch viel größer. Meine Tweets sind demnach, wie auch in unserer täglichen Kommunikation, zum Teil auf Englisch und zum Teil auf Deutsch. Je nachdem auf welche Inhalte bei uns oder im Netz sie verweisen.
In den letzten Wochen und Monaten aber bemerkte ich, dass sowohl in der Berichterstattung in deutschsprachigen Medien, wie auch in der Nutzung des Dienstes durch deutschsprachige User aus den unterschiedlichsten Branchen und vor allem auch aus der Gastronomie, eine exponentielle Steigerung zu verspüren war. Twitter kommt langsam im Mainstream an. Und auch Gastro-Blog-Guru Gerhard Schoolmann ist schon mit von der Partie. Hier ein Beispiel von Tweets und Konversationen, wie sie auf Twitter ablaufen:
Einer unserer Leser, Cem Basman aus Hamburg, veranstaltete kürzlich in Hamburg die erste Microblogging Conference weltweit. Ein weiteres Zeichen, dass Twitter hier im deutschsprachigen Raum an Fahrt aufnimmt. Neben Twitter gibt es bereits auch andere große Dienste wie Laconi.ca, die sich dem Open Source-Gedanken verpflichtet fühlen. Quasi ein WordPress für Mikroblogger.
Twitter wird das neue SMS
Bis letzten Sommer war hier in Zentraleuropa ein Feature von Twitter verfügbar, das inzwischen vom amerikanischen Managment der Firma aus Kostengründen eingestellt wurde. In den USA, Kanada und Indien ist es nach wie vor verfügbar. Und zwar konnte man sich Twitter-Updates als SMS aufs Handy schicken lassen. Da aber immer mehr Menschen Smartphones wie Blackberry, Iphone oder G1 benutzen, ist es nur eine Frage der Zeit, bis auf diesen mobilen Geräten Mikroblogging-Dienste die SMS-Funktion komplett ersetzen werden. Applikationen machen dies heute im Grunde genommen schon möglich und werden mit dem Anwachsen der Nutzerschaft sicher noch optimiert werden.
Wer sich dafür interessiert, wie es zu den 140 Zeichen kam, findet auf dem Blog 140 Characters die Geschichte von einem erzählt, der von Anfang an dabei war. Amüsantes Detail am Rande: die Idee zum Twitter-Buch, an dem die Betreiber des Blogs arbeiten, entstand über Margaritas in Julio Bermejos Restaurant Tommy’s in San Francisco.
Mixology auf Twitter:
http://twitter.com/Mixology
Links rund um Twitter:
http://de.wikipedia.org/wiki/Twitter
http://www.140characters.com/2009/01/30/how-twitter-was-born
http://webworkblogger.de/index.php/2007/03/27/das-deutsche-twitter-handbuch
http://karrierebibel.de/zwitscherliste-%E2%80%93-uber-100-twitter-tipps-und-tools
drinkmix.de (3 years ago)
Stimme dir zu Helmut, schöner Artikel über den Kosmos des Microbloggens…
btw: http://www.twitter.com/drinkmix