Rausch PR macht auf Hegemann

Von Helmut Adam | April 20, 2010 um 20:23 | 3 Kommentare | Blog | Tags:

Es gibt gute PR und es gibt schlechte PR. Ein Fall von schlechter PR ist es, einem Magazin eine Pressemitteilung zuzustellen, in der ohne vorherige Rückfrage eine komplette Passage aus einem Text des Magazins verwendet wird. 

Als die Menschen schreiben gelernt hatten, bürgerte sich irgendwann auch die Unterschrift ein. Die Unterschrift sollte sicherstellen, dass Werte eindeutig einer Person zugeordnet werden konnten. Denn die Handschrift eines Menschen ist so individuell wie sein Fingerabdruck. Man unterschreibt heute etwa den Kaufvertrag für ein Handy, ein Haus oder auf seiner Kreditkarte.

Die Unterschrift

Eine Unterschrift kann nur schwer gefälscht werden, deshalb ist es auch das Ziel jeder Spirituosenmarke, ihre Unterschrift in den Bars dieser Welt zu hinterlassen. Ihren sogenannten "Signature Drink". Eine PR-Agentur, die nun beauftragt ist, diesen Signature Drink in die Welt hinauszutragen, wird ebenfalls um eine originelle oder zumindest "originale" Sprache bemüht sein. So sollte man meinen. Nicht so die Agentur "Rausch PR", die sich einfach schamlos in einem unserer Online-Beiträge bedient hat.

Hier der angebliche "Signature":

"Ein Signature Drink ist die sogenannte "sichtbare Unterschrift", die eine Spirituose oder ein anderes Getränk in der Bar hinterlässt. Eine Kombination mit anderen Zutaten und Aromen, die die Eigenschaften und Markenaussage des Produktes am intensivsten unterstützt und ins Auge des Betrachters rückt. Gleichzeitig bedeutet ein guter Signature Drink für eine Spirituose mehr Präsenz in den Bars. Ein viel gefragter Signature Drink ist fester Bestandteil der Getränke- und Cocktailkarten. Wichtiges Merkmal eines Signature Drinks: Um Breitenwirkung zu entwickeln, muss er einfach umzusetzen sein und hat in der Regel nur wenige Zutaten – so wie Angel’s Best von Angel d`Or." 

(Auszug aus Pressmitteilung von Rausch PR, veröffentlicht am 14.4.2010. Zu finden unter anderem hier, hier und hier.)

Hier befindet sich das Original:

"Ein Signature Drink ist die sogenannte "sichtbare Unterschrift", die eine Spirituose oder ein anderes Getränk in der Bar hinterläßt. Eine Kombination mit anderen Zutaten und Aromen, die die Eigenschaften und Markenaussage des Produktes am meisten unterstützt und ins Auge des Betrachters rückt. Gleichzeitig bedeutet ein guter Signature Drink oder Signature Cocktail für eine Spirituose oder Limonade einen Schlüssel zu Präsenz und Umsatz. Ein viel gefragter Signature wandert in die Cocktailkarten und trägt dazu bei, dass die Flaschen keinen Staub ansetzen. Wichtiges Merkmal eines Signature Drinks: Um Breitenwirkung zu entwickeln, muss er einfach umzusetzen sein und hat in der Regel nur wenige Zutaten!"

(Auszug aus Beitrag "Was ist ein Signature Drink? Was ist ein Signature Cocktail?" vom 26.6.2009 auf mixology.eu.) 

Man wandelt bei Rausch PR offenbar auf den Spuren von Helene Hegemann, die mit Copy & Paste einen Bestseller landen konnte. Ich persönlich bezweifle allerdings, dass dieser Agentur Ähnliches gelingen wird. Wie heißt es so schön im Abspann vieler Pressemitteilungen? Abdruck honorarfrei. Bei Rausch PR scheint das Ziel zum Motto verkommen zu sein.

Update 21.4.2010 | 11:20 Uhr:

1) Herr Conrad Rausch hat heute morgen auf Facebook einen Kommentar hinterlassen, in dem er auf die Vorwürfe folgendermassen eingeht: "sorry; ist tatsächlich ziemlich ähnlich. Müssen wir intern klären. Das nächste Mal fragen wir Euch an, ob wir Mixology zitieren dürfen…."

Es handelt sich nur leider im vorliegenden Fall nicht um ein Zitat. Die Textstelle wurde ohne Quellenangabe übernommen.  

2) Die Angelengenheit wurde im "W & V Newsletter" von heute morgen aufgegriffen:

"Copy & Paste. Der Agentur Rausch PR wird vorgeworfen, Passagen aus einem Online-Magazin für eine Pressemitteilung geklaut zu haben. Mixology.eu" 

Update 21.4.2010 | 15:30 Uhr:

Conrad Rausch hat sich inzwischen per Mail bei uns für die Verwendung entschuldigt.

Update 22.4.2010 | 16:50 Uhr:

Auf Aufforderung von unserer Seite wurde laut Agentur Rausch die betreffende Passage "so weit es ging" aus allen auf Presseportalen liegenden Texten herausgenommen. Rausch scheint außerdem bereit, Mixology für die widerrechtliche Verwendung zu kompensieren.

Update 23.4.2010 | 12:30 Uhr:

Zwischen Rausch PR und Mixology Magazin wurde eine Übereinkunft ueber die Verwendung des Textes erzielt. Damit ist die Angelegenheit aus unserer Sicht nun richtiggestellt und erledigt.  

Der Autor

Helmut Adam

Helmut Adam ist Herausgeber von Mixology, Magazin für Barkultur, trinkt gerne Negronis, Tequila und den einen oder anderen Gin & Tonic. Bevor er sich zum Bar Manager an der Mixology Bar aufschwang, arbeitete er als Bartender in Zürich, Wien, Berlin und London.

3 Kommentare

  1. drinkmix.de (2 years ago)

    Kopisten werden von mir nicht unterstützt. Es werden auf drinkmix zukünftig keine Pressemeldungen von RauschPR veröffentlicht.

    Danke für den Hinweis.

  2. Helmut Adam (2 years ago)

    @drinkmix

    Rausch PR für diese Pressemitteilung unter Generalverdacht zu stellen, sehe ich ehrlich gesagt nicht als sinnvoll an. Ich danke Dir auf jeden Fall für die Geste, die wohl als Unterstützung für Mixology gedacht war, empfehle aber, die Mitteilungen in Zukunft wieder wie die aller anderen Firmen zu handhaben. Da hat eine Person in einem Team von vielen einen Fehler gemacht. Das passiert.

Kommentare

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