london dry gin

Bartender’s Choice: London Dry Gin

Drinks 17.10.2017 2 comments

Auf welchen London Dry Gin schwören die Profis? Diese Frage beantworten wir mit einer neuen Ausgabe von Bartender’s Choice. Für unsere Umfrage haben wir wieder einmal 50 Bartender nach ihren Lieblingen gefragt. Und festgestellt: Trotz einer Gin-Flut gibt es eindeutige Favoriten. 

Gin ist nicht nur einfach ein Trend, manifestierte kürzlich erst der großartige Jared Brown in seinem Plädoyer für das Wachholder-Destillat. Gin ist eine die Industrie verändernde Welle gigantischen Ausmaßes, das träfe es schon eher.

Bartender’s Choice: Nach uns die Ginflut

Doch diese Welle hat mittlerweile – mit dem Gin & Tonic als zeitlose Ausgeburt – gigantische Züge angenommen. Auf den Wachholder-Zug springen unzählige Nachahmer, selbsternannte regionale Bio-Destilller, große, auf der Welle reitende Industrie-Profis und, und, und…

Die Liste ist lang, die Wahl des richtigen Gins für den Konsumenten mittlerweile keine einfach zu treffende Entscheidung mehr. Floral, blumig oder doch wachholderlastig? Klassisch-einfach oder regional-angehaucht? Würzig-kräftig oder eher kräuterlich-mild? Die Auswahl ist groß, die Zeit häufig knapp, wenn man seine kostbare Freizeit mit solch marternden Fragen zerschlagen muss.

Gut also, dass es da draußen noch all die Bartender und ihre fachkompetente Expertise gibt, nach der man sich richten kann. Hier und heute also stellen die 50 einflussreichsten Bartender und Barexperten des Landes ihre Top 5 der Kategorie klassischer London Dry Gin vor. Vorhang auf zur nächsten Ausgabe von Bartender’s Choice.

Platz 5: Broker’s Gin

In einer über 200 Jahre alten Destille südlich von London entsteht der Broker’s Gin beruhend auf einer ähnlich alten Rezeptur. Destilliert wird er vierfach und gebrannt in einem alten Kupferkessel. Die Basis des Gins bildet ursprünglicher, englischer Weizen. Dieser wird nach dem ersten Brennvorgang um zehn regionale und landestypische Botanicals – d.h. Kräuter und Gewürze – ergänzt, die sich unter anderem aus Wachholder, Koriander-Samen aus Bulgarien, Orangen- und Zitronenschalen, Angelikawurzel und Zimt zusammensetzen. Diese Melange aus sorgfältig ausgewählten Zutaten spiegelt sich im Geschmack wider, den unsere Experten als „leicht, aromenintensiv und zitruslastig“ beschrieben. In zwei Abfüllungen mit 40 und 47% Vol. auf dem Markt, kann man diesen London Dry Gin für einen fairen Preis zwischen 12 und 17 Euro in der 0,7l-Flasche erwerben.

Platz 4: Fifty Pounds

Als Wilhelm von Oranien 1688 als König William der III. den englischen Thron bestieg, ordnete er den Import von Genever aus seiner Heimat, den Niederlanden, an. Kurze Zeit später ­– Gin hatte sich mittlerweile auch im Vereinigten Königreich etabliert – nahm die Produktion schnell Überhand. Gin wurde exzessiv schwarz gebrannt, der Mitte des 18 Jahrhunderts erlassene Gin Act diente dazu, diese Entwicklung einzudämmen. Jeder, der fortan Gin brennen wollte, hatte eine Steuer von 50 Pfund zu entrichten.

Zwei Destillen hielten sich an diese Auflage. Die Thames Distillery nimmt diese anekdotische Geschichte auf und stellt heute den auf dieser Anekdote beruhenden „Fifty Pounds Gin“ her. Auch dieser wird vierfach destilliert. Die in ihm vorkommenden Botanicals werden zunächst im Getreide-Alkoholgemisch zwei Tage lang eingelegt, bevor sie der Destillation unterzogen werden und ca. drei Wochen lagern dürfen. Zitrusnoten und blumige Frische sind die ersten Eindrücke, die der Gin bei unseren Experten hinterlassen konnte. Es folgen Süßholz, Paradieskörner und Angelikawurzel. Mild im Geschmack und dennoch mit einem ausgeprägten Nachklang aufwartend, ist der königliche London Dry Gin zu einem Preis von 25 Euro und 43% Vol. in ikonischer 0,7l-Flasche erhältlich.

Bartender’s Choice London Dry Gin: Das Siegertreppchen

Platz 3: London No.3

Es ist schon ziemlich ironisch, dass gerade der „London No.3“ in unserer Platzierung den Bronze-Platz auf dem Treppchen, also Platz drei, für sich einnehmen kann. Der nach der im Herzen Londons liegenden Spirituosen-Manufaktur „Berry Bros. & Rudd“ in der No.3/St. James Street benannten Spirituose werden nämlich – anders als bei den meisten Gin-Destillaten – nur sechs Botanicals hinzugefügt: drei Gewürze und drei Früchte. Angelikawurzel, Kardamom, Koriander auf der einen Seite, Wachholder, Orangenschalen und Grapefruit auf der anderen Seite.

Destilliert wird er zwar in den Niederlanden unter Leitung David Cluttons, dennoch ist er globaler Kämpfer für die Kategorie des London Dry Gin im Kampf gegen die New Western Generation. Für den Berliner Bartender Damien Guichard etwa ist der Gin eine wahre „Wachholder-Explosion“. „So sollte ein Gin sein. Einfach, kraftvoll, reich an Wachholder. Ob in einem klassischen Martini, einem Cocktail oder dem Gin & Tonic, der No.3 funktioniert immer.“ Dem gibt es nichts hinzuzufügen. Doch: Zu haben gibt es den London No.3 für knapp 30 Euro in der 0,7l-Flasche bei 46% Vol.

Platz 2: Sipsmith

Als Bartender’s Liebling bekannt, ist es fast eine kleine Überraschung, dass der recht junge Sipsmith Gin nur die Silber-Medaille einheimsen konnte. Sei es drum, er ist und bleibt ein tolles Produkt. Ist es vielleicht die Geschichte, die diesen Gin in die Herzen der Barleute katapultierte?

2009 gegründet, fanden sich ehemalige Manager aus der Spirituosen-Industrie zusammen. Ihr Vorhaben: In einer Garage einen waschechten London Dry Gin kreieren. Ihr Problem: Seit mehr als 100 Jahren hatte in London niemand mehr die gewerbliche Lizenz zur Destillation gestellt. Die britischen Behörden waren überfordert, das Bürokratie-Chaos perfekt und die Herstellung lange Zeit ungewiss. Schlussendlich hat es geklappt. Der von keinem geringeren als Cocktail-Historiker Jared Brown destillierte „Sipsmith“ entsteht in einem aufwendigen Verfahren. Der Vodka als Grundlage wird von den Gründern selbst hergestellt, die Form der Destille erinnert an einen Schwanenhals, der auch das Logo des beliebten Gins ziert. Thomas Lang aus dem The Kinly etwa ist sich sicher: „Sipsmith ist bei dem für mich entscheidenden Drink dieser Kategorie eine Macht: dem Dry Martini. Crisp, perfekt balanciert, funktioniert auch gut ohne Wermut.“  Knapp 30 Euro kostet der 41,6% Vol.-starke London Dry Gin in der 0,7l-Flasche. Eine sich lohnende Investition, wie unsere Bartender attestierten.

Platz 1: Tanqueray

Sprechen wir über ikonisches Flaschendesign, so mag der Gin-Trinker auf die saphirblaue Flasche des Bombay Sapphire verweisen. Und doch ist der Sieger von Bartender’s Choice ein ganz anderer Gin: Tanqueray.

In einer stilecht-klassischen Neo-Art Déco-Flasche gefüllt, begeistert er die Mehrheit unserer Bartender. Während des zuvor bereits erwähnten „Gin Craze“ – der London heimsuchenden Gin-Welle – entschied sich Charles Tanqueray 1830 für einen Richtungswechsel. Man müsse sich abgrenzen, dachte der im Londoner Stadtteil Bloomsbury in seiner Destillerie werkelnde Tanqueray, als er sich dazu entschied, nur vier Botanicals in seinem Gin zu verwenden.

Die Radikalkur führte dazu, dass nur Wachholder, Koriander-Samen, Süßholz und Angelikawurzel Einzug fanden. Diese Konzentration hin auf das Wesentliche macht sich auch geschmacklich bemerkbar. Schon in der Nase kitzeln die Wachholder-Noten, es gesellt sich Pfeffer hinzu. Leichte Zitrusnoten setzen ein und werden um einen beerigen Odeur im Nachklang ergänzt. Spannend. Bambergs feschester Export Sven Goller etwa preist „die hohe Mixability“. „Die kräftigen Wachholder-Noten und die 47,3% Vol. Alkoholgehalt machen Tanqueray für mich zum perfekten London Dry Gin in der Bar.“ Konrad Friedemann fügt hinzu: „Mein Preis-Leistungs-Sieger of all times“. Den Tanqueray gibt es in der 1l-Flasche bereits zu einem unglaublichen Preis ab 18 Euro. Ein nicht nur geschmacklich überzeugender Sieger mit absolut fairem Preis, ein London Dry Gin mit Geschichte.

Nun haben Ihnen unsere Kollegen vielleicht bei der Wahl nach dem richtigen London Dry Gin geholfen. Sie mögen sich jetzt jedoch fragend an uns wenden und konstatieren, dass Sie auch bei der Wahl nach dem richtigen Tonic ein paar Ratschläge und Inspirationen gut gebrauchen könnten? Machen wir! In der nächsten Ausgabe von Bartender’s Choice.

2 comments

  1. Fabian

    Mich würden ja auch die weiteren Plätze interessieren, gern auch nur als Liste…

  2. Joachim

    Stimme ich zu.
    Das ganze riecht ansonsten für mich zu sehr nach ADAC!

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