Beruf Markenbotschafter Klubescheidt

Von Beruf Markenbotschafter: Schein, Sein & ein Leitfaden

News 8.2.2018

Wie und warum wird man eigentlich Markenbotschafter? Über die Vor- und Nachteile des immer populärer werdenden Berufs reflektiert Axel Klubescheidt in einem Gastbeitrag. Der erfahrene Brand Ambassador und „Markenbotschafter des Jahres 2018“ weiß schließlich wie kaum ein Zweiter, ob an dem Job wirklich so viel schöner Schein ist, wie einige gerne behaupten.

Vor kurzer Zeit habe ich einen Bartender in Dublin getroffen, der gerne seinen Job wechseln würde. Oder wie es heutzutage so schön heißt: Der eine neue Herausforderung sucht. Er sagte mir zwischen drei Gin & Tonics, dass er gerne auf die andere Seite des Tresens wechseln wollen würde. Und zwar als Brand Ambassador, um für eine Marke die Barwelt unsicher machen. Er bat mich um Rat, wie er das am besten anstellt. Wie man ein guter Markenbotschafter wird. Nun ja …

Brand Ambassador zwischen Sein und Schein

Da ich ja nun auf eine fast siebenjährige Erfahrung in dieser Berufsgattung mit einer (aus Bartendersicht nicht ganz so dankbaren) Marke wie Absolut Vodka oder dem Wechsel von einer Weltmarke zu einer kleinen Marke (Monkey 47) zurückblicken kann, wage ich es mal, einen kleinen Ratgeber für alle „neuen“ oder „alten“ Markenbotschafter in unserer Branche aufzustellen.

Der Beruf bzw. die berufliche Tätigkeit als Markenbotschafter ist ja in den vergangenen Jahren verstärkt von zahlreichen Firmen ins Leben gerufen worden. Als ich anfing, hatten nur wenige, meist sehr große Brands einen Markenbotschafter, leisteten sich nur finanziell sehr schlagkräftige Marken diesen Luxus. Das hat sich geändert – auch, weil immer mehr Markenbotschafter für kleine Marken in Teilzeit arbeiten. Deswegen ist es – meiner Meinung nach – Zeit für einen kleinen Rundumschlag. Das Ganze soll absolut nicht altklug klingen, aber nach einer gewissen Zeit darf man sich ja als Experte auch mal mitteilen. Außerdem bin ich ja von der Bar-Community bei den MIXOLOGY BAR AWARDS zum „Markenbotschafter des Jahres 2018“ gewählt worden. Das heißt dann wohl, dass ich ein paar Sachen richtig gemacht habe in den vergangenen Jahren.

Beruf Markenbotschafter: Leidenschaft für die Marke hilft

Das Allerallerwichtigste überhaupt für die Arbeit als Markenbotschafter: Man sollte Feuer und Flamme sein für die zu vertretende Marke und von ihr überzeugt sein; oder zumindest zu mindestens 85 Prozent. Die restlichen 15 Prozent der Identifikation mit der Marke kommen nach den ersten zwei, drei Monaten: Wenn man mal vor Ort bei der Produktion war und die Personen dahinter kennenlernt. Also bitte nicht auf „Teufel-komm-raus“ die nächstbeste Stelle annehmen, nur weil man gerade aus einer Laune heraus was ändern will an seinem Lebenslauf. Das wird nicht lange halten und beide Seiten frustrieren.

Im nächsten Step sollte man den vorgelegten Arbeitsvertrag genau durcharbeiten, um sich vor bösen Überraschungen zu schützen. Themen wie Volumenziele (ja, die gibt es!), Dienstwagenverträge, Arbeitszeiten oder auch Bonuszahlungen sollte man Beachtung schenken. Niemals sollte man sich scheuen, Dritte – ggf. einen Juristen – drüber schauen zu lassen.

Zum Thema Gehalt: Wenn man den Beruf unbedingt will, so sollte man erwägen, etwas tiefer einzusteigen. Ich weiß: Jeder hat seinen Stolz. Und von einem guten Barjob samt Trinkgeld die Seiten zu wechseln wird (ja, auch das ist eine Wahrheit) in vielen Fällen bedeuten, dass man tatsächlich weniger verdient als zuvor. Aber man denke mal daran, dass man (im besten Falle) ein Spesenkonto, ein Auto, eine Tankkarte, ein auch privat nutzbares Handy und freien Internetzugang bekommt. Und man sieht die große, weite Welt und darf dabei auch noch trinken (in Maßen natürlich). Diese Punkte sollte man immer „draufrechnen“ und nicht zu stolz sein, zumindest am Anfang eventuell etwas weniger zu verdienen als vorher. Geld ist nicht alles!

Ein paar einfache Regeln helfen im Beruf

So wenig man aufs Geld achten sollte, so wichtig ist es, sich im Kopf nicht zu sehr davon zu verabschieden, was und wer man vorher war: Auch, wenn die frühen Urväter des Berufsbildes manchmal ein solches Bild erahnen lassen oder ließen: Markenbotschafter zu sein, bedeutet nicht, dass man plötzlich der teuer gekleidete Rockstar-Lebemann mit der Freiware ist oder der Bartender-Animateur mit dem Spesenkonto.

Man ist eigentlich – genauso wie vorher als Bartender – noch immer Gastgeber, Verkäufer, Repräsentant und im besten Fall auch Mixologe. Somit geht es auch als Markenbotschafter um grundlegende Hospitality-Eigenschaften wie Höflichkeit, Bescheidenheit und Bodenständigkeit. Ein paar allgemeine Verhaltensregeln, die jeder Bartender eigentlich draufhaben sollte:

  • Sei immer professionell, loyal und dankbar im Umgang mit Bars und anderen Marken bzw. Firmen. Letztlich wollen alle anderen Firmen genau das Gleich wie Du. Und Du weißt niemals, was die Zukunft bringt! Man trifft sich immer zweimal.
  • Rede niemals schlecht über ein anderes Produkt. Stelle lieber die positiven Merkmale Deiner Marke in den Vordergrund, nach dem Motto: „Die Marke XY macht es so, Wir machen es aber anders, und zwar so: …“
  • Egal, welche Marke man vertritt oder wo man mal gearbeitet hat: bitte keine Arroganz! Diese Charaktereigenschaft hat in unserer Zunft nichts zu suchen. Egal ob vor oder hinter dem Tresen.
  • Behandle vertrauliche Informationen genau so: vertraulich.
  • Pünktlichkeit hilft enorm. Pünktlich zu sein ist eine zentrale Bekundung des Respektes. Wer sich verspätet, gibt rechtzeitig Bescheid. Nicht erst, wenn man schon zehn Minuten zu spät ist und noch nicht mal im Taxi sitzt.
  • Wenn es mal schlecht läuft, nicht direkt alles hinwerfen, sondern durchbeißen und weitermachen (wie der HSV).

Dazu kommen die Verlockungen, die ein solcher Beruf mit viel Reisen, vielen Drinks und vielen, vielen Bartendern als Gesellschaft mit sich bringt. Denn Markenbotschafter zu sein macht Spaß. Es gibt aber den Punkt, an dem es „zu viel Spaß“ sein kann. Daher es ist wichtig, ein wenig auf sich selbst und das eigene Umfeld Acht zu geben. Ein paar Trips & Tricks, die vielleicht auf Reisen oder im täglichen BA-Leben hilfreich sein könnten:

  • Setze Dir selbst (und Deinem Chef) Grenzen: Reise/übernachte nicht an mehr als 4 Tagen pro Woche, habe ein ausgewogenes Privatleben (das ist leicht gesagt, ich weiß). Plane mindestens ein Wochenende pro Monat ein, das Du komplett mit Deiner Familie oder engen Freunden verbringst. Ohne den Job. Diesen Punkt finde ich persönlich sehr wichtig. Ich weiß, wie schnell man sich in Bars und auf Events wiederfindet und dabei vergisst, dass man auch ein Privatleben hat. Weil das Business ja auch so schön gesellig und vernetzt ist … Stichwort Burnout: Leider schon zu oft gesehen!
  • Buche Deine Hotels und Reisen so früh wie möglich und mit Stornierungsoption. Dein Controller wird es Dir danken und Du hast letztlich weniger Stress.
  • Versuche, an einen halben freien Tag die jeweilige Stadt, in der Du gerade bist, zu erkunden. Bevor es dunkel wird. Außerhalb von Bars und Restaurants. Und führe eine Liste mit Attraktionen, den besten Bars und den Top-Restaurants. Du wirst diese Liste oft brauchen!
  • Sei bei Incentives/Brand-Trips niemals der erste, der ins Bett geht. Der Letzte zu sein ist durchaus in Ordnung (Du musst aber nicht immer der Letzte sein). Dann musst Du allerdings morgens wieder als Erster auf der Matte stehen. Eine Bloody Mary wird es schon richten!
  • Es lässt sich nicht leugnen: Nicht nur Alkohol an sich gehört zu Deinem täglichen Berufsleben, sondern auch, Alkohol zu trinken. Halte Maß. Bei zahlreichen Events sehen die Menschen Dich als Gastgeber. Das heißt, dass Du mittrinken musst – dabei ist Vorsicht geboten. Richte Dir regelmäßige alkoholfreie Zeitfenster im Privaten ein. Und halte Dich daran.
  • Mache Deine Gastschichten ausschließlich bei Bekannten bzw. Freunden und in deren Bars. Dort weißt Du, was Dich erwartet und was Du machen kannst (und sein lassen solltest). Schicke vorab am besten nicht die kompliziertesten Drinks ein. Versuche alle Zahlungen/Rechnungswünsche an diesem Abend an den Kollegen weiterzugeben. Am besten nimmst Du kein Bargeld in Deine Hände. Denn Du bleibst der Gast-Bartender. Und bei der Trinkgeldverteilung nach der Schicht sagst Du selbstverständlich „nein”!
  • Tausche Dich immer und überall mit anderen Markenbotschaftern oder Außendienstlern aus. Ich weiß, da gibt es eine ganze Reihe Vorschriften, intern wie extern. Aber: Du wirst lernen, worüber man spricht und worüber nicht. Austausch ist (fast) immer sehr hilfreich.

Der Beruf Markenbotschafter und The Limits of Control

Natürlich habe auch ich diese ganzen Tips nicht immer befolgt. Wäre ja auch extrem langweilig dann. Deswegen muss man als Markenbotschafter die eine oder andere Grenze manchmal überschreiten. Und in der richtigen Situation richtig reagieren und die korrekten Worte finden, um Deine Marke und Dein Unternehmen richtig zu repräsentieren.

All diese Dinge habe ich dem jungen Mann in Dublin auch erzählt. Denn das ist unser Beruf. Als Markenbotschafter.

Offenlegung: Der Autor, Axel Klubescheidt, arbeitet für das Unternehmen Pernod Ricard/die Marke Monkey 47 als Markenbotschafter. Der vorliegende Text ist allerdings auf Initiative von MIXOLOGY zustande gekommen und nicht im Rahmen einer Medienpartnerschaft entwickelt worden. Weder Pernod Ricard noch Monkey 47 bzw. Black Forest Distillers hat inhaltlichen Einfluss auf den vorliegenden Artikel genommen. Er gibt die persönliche Meinung und Auffassung des Autors wieder und ist redaktionell entstanden.

Photo credit: Shutterstock

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