orca brau

BIER, BARS & BRAUER #28

Drinks 16.2.2017

Messen, Konferenzen & Preisverleihungen in dieser Ausgabe von Bier, Bars & Brauer: Bekannte Biersommeliers kosten sich beim NDR durch Massenbiere und bei Doemens zum deutschen Meistertitel. Die Beviale Moskau führt zudem einen Bierpreis analog zum European Beer Star ein und in Griechenland gibt es neben der International Beer Conference auch die BeerBartender Awards. Hat da noch jemand Zeit für ein neues Lieblingsbier?

Denn solches möchte ein ehemaliger Bierblogger im Fränkischen brauen. Felix vom Endt steht damit stellvertretend für die allmählich spürbare Bewegung von Craft Beer fort von den urbanen Hotspots, wanderte er doch selbst von Berlin nach Nürnberg ab. Nun ist Nürnberg keine kleine Stadt, aber sie ist auch keine der „Großen Drei”. Ob Mainz oder Aschaffenburg, Hannover, Cottbus oder Bremen – auch hier piksen mutige Brauer und Unternehmer die lokale Bier- und Barlandschaft an, um zu sehen, ob es für ihre Biere einen Markt gibt.

Lieblingsbier von Orca Brau

Einen Namen machte sich Felix vom Endt in der Bierwelt als einer der ersten Blogger zum Thema Craft Beer. Online berichtete er über Entdeckungen und Neuigkeiten und ließ dabei stets seine Begeisterung für das Thema spüren. Dann zog es ihn in die Ferne, in Kanada machte er bei Parallel49 in Vancouver erste Brauerfahrungen. Zurück in Deutschland arbeitete er zunächst in der Berlin Beer Academy, dann lernte er bei Heidenpeters in den Kellern der Markthalle 9 in Kreuzberg, und als man dort die Brauanlage ersetzte, sah der Junge vom Starnberger See seine Chance gekommen:
Er kaperte kurzerhand das ausgemusterte Modell und entführte es in eine Lagerhalle im Norden Nürnbergs und in die Selbstständigkeit. Nun braut vom Endt sein eigenes Lieblingsbier: Orca Brau heißt das Projekt, die ersten Biere sind inzwischen in auf Facebook  angekündigten Lagerverkäufen erhältlich. Die Namen setzen auf Simplizität: „normal” heißt das Helle, „einfach” das Citra Ale, „anders!” das IPA (oder das hopfengestopfte Double Pale Ale, wie es der Brauer selbst bezeichnet). Von jemandem, der stets die Ideale der Craft-Bewegung hoch gehalten hat, erwarten wir natürlich kompromisslos gutes und kreatives Bier. Nürnberger, aufgepasst!

Beviale Moskau führt Bierpreisverleihung „Rosglavpivo“ ein

Die Beviale Moscow (28.2.-2.3.2017) ist eine Tochterveranstaltung der Brau Beviale und findet 2017 zum zweiten Mal statt. Analog zur Nürnberger Messe richtet sich die Veranstaltung vor allem an Fachpublikum und möchte mit in diesem Jahr 135 Ausstellern die gesamte Bandbreite der Getränketechnologie abdecken, gleichwohl die Beviale Moscow natürlich noch in den Kinderschuhen steckt und sich noch nicht in den Dimensionen der Brau bewegt.

Das Konzept der Craft Beer Corner, einem Spezialbereich für Verkostungen entsprechender Produkte, wird in diesem Jahr aus Nürnberg aufgegriffen, und auch ein Bierpreis wird analog zum European Beer Star verliehen: Rosglavpivo (in etwa: „russisches Hauptbier”). Die Entscheidungen der 30 internationalen Juroren stehen dabei bereits fest, bewertet wurden die Biere zu Jahresbeginn. Zur Premiere wurden in 23 Kategorien (sprich: Bierstilen) Sieger gekürt. Durch Craft Beer Corner, neuem Bierpreis und einem „Seminar for Brewers”, ausgerichtet von der Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei Berlin,  trägt man der wachsenden Bedeutung von Craft Beer und Kleinbrauereien in Russland und im gesamten osteuropäischen Raum Rechnung.

Kopp & Kopp beim NDR-Biertest

Sylvia Kopp (Berlin), ihres Zeichens Bierbotschafterin der Brewers Association of America, und Matthias Kopp (Hamburg) von Bier-Faktur.de, führten unlängst für den Norddeutschen Rundfunk eine Verkostung von craft-artigen Bieren großer Brauereien durch. Das Urteil der beiden Biersommeliers war dabei keineswegs durchweg vernichtend, wie mancher vielleicht vermuten mag, sondern durchaus positiv durchsetzt. Was kritisiert wurde war nicht vordergründig der Geschmack, sondern vor allem mangelnder Mut und irreführende Angaben. So wurde etwa das Köstritzer Kellerbier mit Hopfenextrakt (eine Entwicklung der 1960er-Jahre) mit einer Brautradition seit 1802 ausgelobt, oder beim Grevensteiner von Veltins die Formulierung „erntefrisch verarbeiteter Hopfen” verwendet, wobei mit der Verarbeitung nicht etwa das Brauen (was ein Grünhopfenbier hervorbringen würde), sondern das Trocknen gemeint ist -–also etwas, das mit Hopfen einfach geschehen muss, so man ihn nicht tatsächlich feldfrisch verbraut.

Die zunehmende Vielfalt im Bierregal, zu denen auch die Bemühungen der Großbrauereien beitragen würden, begrüßten die Verkoster hingegen.

Griechischer Rundumschlag in Sachen Bier

Keine halben Sachen machen, das scheint das Motto der Organisatoren des griechischen BeerBartender Awards , und so fügte man der vierten Ausgabe der Preisverleihung gleich noch die 1. International Beer Conference bei, zudem werden die Greek Beer Awards verliehen. Während letztere sich an internationalen Vorbildern wie den World Beer Awards orientieren und Biere von Fachjuroren bewerten lassen und entsprechend prämieren, werden bei den BeerBartender Awards auch Importeure, Bierfachgeschäfte, Online Shops, Etikettendesign und Brauereien ausgezeichnet. Zudem gibt es auch einen Konsumentenpreis zu gewinnen, über den bis zum 1. März online abgestimmt werden darf. Die International Beer Conference hingegen richtet sich klar an Fachpublikum und soll als nationales und internationales Forum dienen, wo Schwergewichte der Branche deren Zukunft beleuchten. Tatkräftige Unterstützung liefern u.a. der Hellenische Brauerbund, die griechischen Ministerien für Landwirtschaft und Tourismus sowie die British Guild of Beer Writers. Die Veranstaltungen finden im Marousi Plaza statt, welches sich im suburbanen Athener Stadtteil Marousi befindet, und erstrecken sich vom 6. bis 8. März.

DOEMENS KÜRT DEUTSCHEN MEISTER DER BIERSOMMELIERS

Inzwischen gibt es ja Biersommeliers wie Sand am Meer, insofern lohnt es sich auch, eine innerdeutsche Meisterschaft zu veranstalten. Das tut seit 2013 die Doemens-Akademie, die als Hauptausbildungsstätte für das Zertifikat auch hauptverantwortlich für die 56 Teilnehmer des Wettbewerbs ist. Gewonnen hat Frank Lucas, seines Zeichens Braumeister bei der Rügener Insel-Brauerei, die sich ja über einen Mangel an Auszeichnungen nicht beklagen kann und ihre Zielstellung, ausschließlich flaschenvergorene Bierspezialitäten mit hohem, sensorischen Anspruch zu brauen, weiterhin untermauern kann.
Jene Sommeliers, die sich die oberen Ränge ergattern konnten, werden im Vorfeld der drinctec in München an der Weltmeisterschaft der Biersommeliers teilnehmen. Die nächste Chance, sich die nationale Meisterschaft zu sichern, wird es 2019 geben.

Photo credit: Foto via Tim Klöcker.

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