Castle Pub Mitte

Bier, Bars, & Brauer #31

News 30.3.2017

Bier, Bars & Brauer startet in den Frühling, die Biergartensaison beginnt, unter anderem mit dem Castle Pub Mitte. Doch so ganz wollen wir die wärmenden Starkbiere noch nicht aufgeben, weswegen sie reichlich vertreten sind. HansCraft kooperiert mit Jameson und Bitburger Craftwerk mit der Brennerei Ziegler und Hamburg trauert seiner Hansezeit nach und ein neues Projekt braut Bier für den Frieden.

Eigentlich ist die Zeit der ganz schweren Biere vorbei, dennoch entscheiden sich erstaunlich viele Brauer, im Frühjahr fassgereifte Editionen auf den Markt zu bringen – allein drei in dieser Ausgabe. Passend zur Saison sind es eher helle als dunkle Biere. Da diese aber auch schneller die Balance verlieren als die röstig-schwarzen Malzmonstren, dürfen Bierfreunde gespannt sein. Bisher hat fassgereiftes Bier aus Deutschland einen sehr gemischten Ruf, zu oft hatte der geneigte Trinker bereits schales, unbalanciertes oder gar gekipptes Bier im Glas. Zeit, das zu ändern?

Jameson & HansCraft – Aschaffenburger Craft Beer in irischen Whiskey-Fässern

Christian Hans Müller ist als Weltenbummler bekannt. Er lebt das Ideal der Kollaboration und braut neben dem heimischen Aschaffenburg mit Brauern auf dem gesamten Globus. Für seine neueste Zusammenarbeit holte er sich den Whiskey-Riesen Jameson ins Boot, der ja bereits mit seiner Caskmates-Edition sein Interesse an der Verbindung von Craft Beer und Whiskey verdeutlicht hatte. Die Iren aus Cork zeigten dem Enkel eines Weinbrenners nicht nur das Fassbinderhandwerk aus den erfahrenen Händen von Jamesons Head Cooper Ger Buckley, sondern versorgten ihn auch mit Fässern für seinen hellen Doppelbock.

Taithí Nua heißt das Gemeinschaftswerk und hat nichts mit südpazifischen Inseln zu tun, sondern heißt “neue Erfahrung” im Irisch-Gälischen. Das Bier hat stolze 7,7 Volumenprozente und wurde unter Verwendung von Karamellmalzen gebraut, um die honigsüßen und röstigen Noten der Whiskeyfässer zu spiegeln. Hopfentechnisch hielt der 41-jährige sich an die Klassiker, braute mit Magnum, Hallertauer Mittelfrüh und Tradition.

Mit € 4,99 UVP liegt das Taithí Nua für ein fassgereiftes Starkbier im verträglichen Bereich und dürfte so den Einstieg in das Thema für Unbedarfte erleichtern.

Castle Pub Mitte

Craft Beer im Berliner Bezirk Wedding, das ist immer noch ein schwieriges Thema. Zwar haben sich mit der Vagabund Brauerei, dem auf fränkische Biere spezialisierten Ladengeschäft Hopfen & Malz oder dem Castle Pub einige Hochburgen etabliert, doch darüber hinaus herrscht oft opportunistische Billigbiermentalität.

Eine Expansion innerhalb des Bezirks dürfte sich also für Ben Fisher und seinen Kollegen Gekko schwierig gestalten. Was soll’s, seit der Bezirkszusammenlegung gehört Wedding ja zu Mitte, also füllt man einfach die Lücke, die unlängst The Pier hinterlassen hat, mit dem Castle Pub Mitte. Es vorsichtig angehen lassen, davon wollen die beiden bei ihrem Schritt in eine gänzlich andere Gastronomieumgebung jedoch nichts wissen: Das neue Objekt für das Castle Pub Mitte liegt direkt am Nordbahnhof und einem kleinen Park, etwa auf halber Strecke zwischen BrewDog und vormals The Pier an der Invalidenstraße.

Wie auch der Castle Pub bietet das Castle Pub Mitte ordentlich Platz auf 400m², einen Biergarten samt Springbrunnen und hat dank der Ferienwohnungen darüber sowie dem lärmdämmenden Schulgebäude im Hof hoffentlich nicht allzu genervte Nachbarn. Das Konzept vom Castle Pub Mitte umfasst nun endlich auch das Café, welches Fisher und Gekko eigentlich schon für ihre F-Bar geplant hatten, ansonsten wird es wiederum eine Vielzahl an Hähnen sowohl mit großen Pubmarken als auch Craft Beer geben, dazu ein modernes Spirituosenangebot. Die Umgebung Torstraße erhält also eine neue Adresse für Craft Beer Pub Crawls, denn das neue “The Castle”, BrewDog, Mikkeller, Kaschk und Herman Bar sind alle fußläufig voneinander zu erreichen. Noch ist das Objekt eine Baustelle, die Betreiber sind allerdings fest entschlossen, die diesjährige Sommersaison mitzunehmen und im Mai zu eröffnen.

Hamburg: Wiedererwachen einer Biermetropole

Untertitel: Die Guten sind zu leise!
Ein finsteres Bild entwirft Kollege Uwe Ebbinghaus in seinem Artikel in der FAZ von der Hamburger Bierwelt: Verlorene Hanse-Glorie, zwei lokale Großbrauereien in der Hand gesichtsloser Konzerne gegenüber einst 500 Brauereien, das deutlich bessere Konzept des Hanse-Konkurrenten Störtebeker aus Stralsund, nur drei Hamburger Crafties auf der Internorga und einer davon Ratsherrn, die ja wie Störtebeker zu Nordmann gehören…
Einziger Lichtblick ist Oliver Wesseloh mit seiner Kehrwieder Brauerei, die mit dem überNormalNull einen Meilenstein im Bereich der alkoholfreien Biere produziert.

Dabei ist es alles gar nicht so schlimm, denn Wesseloh ist einfach nur der beste Selbstinszenierer unter den begabten Hamburger Brauern. Während man bei Ratsherrn natürlich andere Ressourcen zur Verfügung hat und diese nutzt, brauen die anderen Hamburger heimlich, still und leise ebenfalls hervorragende Biere. Da wäre Simon Siemsglüß von Buddelship, der nicht nur IPAs braut, sondern auch deutsche und vor allem Hamburger Klassiker gekonnt neu auflegt. Hopper Bräu hat erst kürzlich auf 30 Hektoliter erweitert und ist mit der Anlage, die woanders als Versuchsbrauerei betrieben werden würde, nun die drittgrößte Brauerei der Stadt, nach Holsten und Ratsherrn. Ex-Kehrwieder-Mitstreiter Friedrich Matthies braut zwar ein Stück die Elbe hoch in Bleckede, aber sein Wildwuchs Brauwerk ist dennoch durch und durch hamburgisch. Dann gäbe es da den Brewcifer Jochen Mader sowie Natalie Warneke und Martin Schupeta mit ihrem Projekt Von Freude, allesamt Kuckucksbrauer, deren Hauptmarkt Hamburg ist. Ganz so düster ist es um die Hamburger Kreativbierwelt also nicht bestellt.

Drinks for Peace bringt friedensstiftendes Craft Beer

Saufen für den Regenwald war gestern! Genießen für die Völkerverständigung ist an der Reihe: Martin Duchowski, Dr. Samir Kadunic und ihr Team möchten mit Bier Brücken bauen. Dazu haben sie unter dem Label drinksforpeace eine UG (EnjoyAndHelp) und einen Verein (recipeforpeace) gegründet. Die Idee ist, Brauer aus Konfliktregionen zu gemeinsamen Suden zu bewegen. Diese werden dann möglichst vor Ort gebraut, zehn Cent je verkaufter Flasche fließen zurück in den Verein, der damit gemeinnützige Projekte in der Region unterstützt. Der erste Streich ist das YU.P.A., also ein jugoslawisches Pale Ale, für das sich ein Serbe, ein Kroate und ein Bosnier am Braukessel zusammenfanden. Der Release des Bieres steht unmittelbar bevor, zunächst am 31. März in der Bierothek Stuttgart, dann am 8. April 2017 in der Berlin Beer Academy. Danach geht es womöglich nach Korea. An zur Wahl stehenden Konfliktzonen mangelt es ja leider nicht.

Fassreifung aus Bitburg: Craftwerk legt zwei Sorten auf Holz

Mit Fassreifung hatten die Craftwerker um Stefan Hanke ja bereits bei ihrem Tripel, dem  Holy Cowl, experimentiert. Dafür hatten sie Rotweinfässer aus der Umgebung akquiriert. Diesmal wagen sie sich in Zusammenarbeit mit der Edelobstbrennerei Ziegler an gleich zwei Sondereditionen aus dem Holzfass: Während sie für die Whisky-Edition das Dark Season Sweet Stout auf imperiale 9,4% Vol. verstärkten (vormals 5,6% Vol.) und sich damit im Bereich der erprobten Paarung Imperial Stout – Whisk(e)yfass bewegen, klingt das in Zwetschgenbrandfässern gelagerte Hop Head IPA⁷ nach einem mutigen Experiment. Bekanntermaßen sind gerade die ätherischen Öle aus dem Hopfenstopfen flüchtig, und eine sechsmonatige Lagerzeit ist daher suboptimal für die Aromatik eines modernen India Pale Ales. Auftritt Zwetschge, deren fruchtige Aromen dem Schwund entgegenwirken sollen; holzig-trockene Bitterkeit im Abgang garantiert. Auch bei diesem Bier liegt der Alkoholgehalt mit 9,5% Vol. deutlich über dem Basisbier.

Beide Editionen sind auf 1.000 Flaschen limitiert und über den Online-Shop für 5,00 Euro erhältlich.

Photo credit: Foto via Tim Klöcker.

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