libaris ipa

Bier, Bars & Brauer #36

News 8.6.2017

Krombacher dreht an der Preisschraube, Riegele bringt das alkoholfreie Libaris IPA und italienische Mönche verkaufen Erdbeben-Bier, um Erdbebenschäden zu beheben. Außerdem arbeiten RateBeer.com und die AB-InBev-Tochter ZX Ventures ab sofort zusammen. Bier, Bars & Brauer meldet sich zurück!

 Nebenbei Glückwunsch zu zwei kleinen Jubiläen. Der erste geht nach Salzburg, wo Stiegl den 525. Geburtstag seiner ersten, urkundlichen Erwähnung (damals natürlich noch nicht als Stiegl-Marke) feiert. Der zweite Glückwunsch geht nach Franken zu PAX Bräu. Auf Jahrhunderte kann Andreas Seufert noch nicht zurückblicken, doch sein einstiges Ein-Mann-Unternehmen hat sich in der Zeit seines zehnjährigen Bestehens mit ungewöhnlichen Bieren und ungewöhnlichem Auftreten einen Namen gemacht und ist auf einem guten Weg. Gratulation!

Kehrwieder bekommt Konkurrenz – Riegele bringt alkoholfreies Libaris IPA

Oliver Wesseloh und seiner Kehrwieder Kreativbrauerei ist mit dem üNN (über Normal Null) schon ein echter Coup gelungen. Im alkoholfreien Sektor sah es hopfentechnisch zuvor eher dünn aus: Neben Sportsdrink-Weißbiervarianten, cornflakesartigen Pilsenern und megasüßen Malzbieren stand allein das Kehrwieder Alkoholfreie für kräftiges Hopfenaroma, wollte man sich nicht mit Importen behelfen.

Nun zieht das Augsburger Brauhaus Riegele mit dem Libaris IPA nach. Seit Sebastian Riegele anno 1884 die bereits seit 1386 bestehende Brauerei “Zum Goldenen Roß” erwarb, steht der Name für konstant hochwertige Klassiker wie das Commerzienrat Riegele Privat. Doch auch die in ungewöhnlichen 0,66l-Flaschen abgefüllte Sonderserie, mit welcher Riegele seit ein paar Jahren den Spezialitäten- und Craft Beer-Bereich bespielt, hat einige Hochkaräter zu bieten, von den holzfassgereiften Editionen ganz zu schweigen.

In diesem bunten Reigen tanzt nun auch das Riegele Libaris IPA 2+3 mit. Der Name rührt dabei einerseits von zwei speziellen Hefestämmen her, die wiederum möglichst viel Biercharakter bewahren sollen, andererseits von den drei verwendeten Hopfensorten Amarillo, Mandarina Bavaria und Simcoe. Man darf sich also auf ein tropen- und steinfruchtiges Erlebnis freuen.

Erscheinen wird das Libaris IPA in der Serie der Brauspezialitäten, allerdings in dem seit 2016 erhältlichen 0,33l-Gebinde. Die Preisempfehlung liegt bei 2,49€.

Erdbeben-Bier von italienischen Benediktinermönchen

Nein, entgegen der Saison geht es tatsächlich um Erdbeben, nicht Erdbeerenbier. Denn die im August 2016 von der Erdbebenserie in Mittelitalien arg in Mitleidenschaft gezogene Stadt Norcia ist auch die Heimat eines nun ziemlich zerstörten Benediktinerklosters.

Ziemlich zerstört, aber nicht vollständig. Gute Metallverarbeitung, stabiles Mauerwerk und sicherlich eine Portion Glück sorgten dafür, dass die Gärbehälter der Klosterbrauerei halbwegs intakt blieben – und mit ihnen auch das Bier in deren Inneren. Zwei Sorten, Bionda und Extra, gärten so in den Tanks vor sich hin. Sicherlich etwas länger als ursprünglich geplant, musste man doch warten, bis die Tanks wieder zugänglich waren, bevor man das Bier abfüllen konnte. Dies ist mittlerweile geschehen, und 5.000 Flaschen wurden als limitierte Erdbebenversion auf den Markt gebracht. Stolze vier Euronen kostet das sogenannte Nursia, ein Teil der Einnahmen geht aber natürlich in den Wiederaufbau des Klosters.

RateBeer.com verkauft Anteile an AB-InBev-Tochterfirma ZX Ventures

Nein, nicht nur Craft-Brauereien können von Bierriesen geschluckt werden. Auch Bierbewertungsplattformen sind nicht gefeit vor dem Reiz des Goldes. Die weltweit erfolgreichste Plattform dieser Art ist mit Sicherheit RateBeer.com. ZX Ventures, ein vollständig im Besitz von Anheuser Bush-InBev befindliches Risikokapital- und Inkubatorunternehmen, erwarb nun Teile der erfolgreichen Bier-Community, wie am 2. Juni bekannt wurde.

Nach der Fusion mit SAB Miller zu einem Biermonopol, wie es die Welt noch nicht gesehen hat, sind größere Brauereiaufkäufe vorerst nicht zu erwarten. Ein Versuch, das nun zur Nummer 2 aufgestiegene Heineken zu schlucken, dürfte z.B. Sturmläufe sämtlicher Kartellämter der Welt zur Folge haben (tatsächlich ist man bei AB-InBev aus diesem Grund auch einem Verkauf des ostdeutschen Marktführers Hasseröder nicht abgeneigt). Daher ist es für AB-InBev ein logischer Schritt, in anderen Sektoren zu akquirieren, die mit Bier in Zusammenhang stehen.

Doch was aus firmen- und finanzpolitischer Sicht Sinn hat, kommt bei Benutzern der Plattform sowie Craft-Brauern natürlich erwartungsgemäß schlecht an. Sam Calagione, Gründer der erfolgreichen Craft-Brauerei Dogfish Head, nannte die Akquise einen “eklatanten Interessenskonflikt” und verlangte, dass sämtliche Biere seiner Brauerei umgehend von der Online-Plattform entfernt werden. Denn wie, so fragen nun viele Benutzer von RateBeer.com in den Foren, soll der Einfluss eines offensichtlich nach der Festigung seiner weltweiten Vormachtstellung strebenden Biergiganten vereinbar sein mit einer unabhängigen, neutralen Bewertungsplattform?

Seitengründer Joe Tucker begründet seine Zustimmung zu dem Verkauf mit dem dauerhaft steigenden Arbeitspensum, welches RateBeer.com von ihm als einzigem Vollzeitmitarbeiter verlange, und mit fehlgeschlagenen Monetarisierungen anderer Art. Durch das Geschäft mit ZX Ventures, so Tucker, käme lang ersehnte Stabilität und Sicherheit. Einerseits müssen die Benutzer sich also auch ein Stück weit an die eigene Nase fassen, zumindest sofern sie zur Sparte “alles werbefrei, verkaufsfrei, kostenlos” gehören. Andererseits stellt sich die Frage, wieso eine Seite mit der Bedeutung von RateBeer.com, deren Bewertungen in Online Shops eingebunden sind und deren Scores weltweit als Verkaufsargument dienen, keine anderen Möglichkeiten zu Monetarisierung sah.

Man kann jedenfalls davon ausgehen, dass AB-InBev/ZX Ventures nicht aus purem Idealismus in diesem Bereich tätig geworden ist, sondern sich einen konkreten Wettbewerbsvorteil verspricht.

Ein Kasten Krombacher wird einen Euro teurer

Die meistverkaufte Pilsener-Marke Deutschlands wird teurer. Die Kreuztaler erhöhen ab dem 1. Oktober die Preise und damit auch die unverbindliche Preisempfehlung pro Kasten, welche dann um einen Euro über dem bisherigen Preis liegt. Dies begründet man bei Krombacher mit allgemein gestiegenen Kosten für Rohstoffe, Personal und Energie. Interessanterweise betrifft diese Erhöhung nur die Flaschengebinde, die Dose soll preisstabil bleiben. Gemeinsam mit der steigenden Beliebtheit von Dosenbier deutet sich hier also ein Trend an, der Billigkäufer wieder in Richtung Metallbehälter lenkt.

Allgemein steht zu hoffen, dass andere Großbrauereien dem Pilsmarktführer nachziehen und sich der Preiskrieg beim deutschen Pilsener etwas entspannt. Denn mittlerweile werden fast 70% der Flaschenbiere über Angebotskäufe abgesetzt. Irgendeine Supermarktkette hat immer irgendeine Großbrauereimarke im Angebot. Diese Schnäppchenmentalität schädigt den Biermarkt seit Jahrzehnten, denn dass steigende Kosten und Dauerrabatt kein gesundes Wirtschaften erlauben, sollte auch Nicht-BWLern einleuchten. Niedrige Löhne, Knebelverträge für Kneipen und Kompromisse bei der Qualität sind, auch wenn es keine Brauerei offen zugeben wird, die unweigerliche Folge. Chemische Klärmittel, Färbebier und Hopfenextrakt aus hochgezüchteten Bitterhopfensorten, auf deren Aroma niemand groß wert legt, sind letztlich Konsequenzen dieses Effizienzdenkens. Oder warum ist die Brauerei, deren Bier am meisten diffamiert wird (Oettinger), mit 9,3 Mio. Hektolitern gleichzeitig eines der größten Brauunternehmen Deutschlands?

Die konstanten Rabattaktionen der “Premium”-Marken sind letztlich nichts anderes als der Versuch, mit den Billigpreisen mitzuhalten, die der Kunde offenbar möchte. Besseres Bier sollte man demnach auch nicht erwarten. Das ist wie mit Lasagne und Pferdefleisch, man kann sich schon glücklich schätzen, dass überhaupt Fleisch drin war.

 

Nachtrag: Bier, Bars & Brauer gibt es mittlerweile als eigenes Magazin mit vier Print-Ausgaben pro Jahr und tagesaktueller Berichterstattung Online

Photo credit: Foto via Tim Klöcker.

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