grüne woche

Bier, Bars & Brauer #16

News 18.8.2016 1 Kommentar

In dieser Ausgabe von Bier, Bars & Brauer wird sich eingenistet – eine Mainzer Craft-Brauerei in einem alten Industrielager und ein Berliner Craftie im Supermarkt, Keime im Fassbier und craftiges Bier im Münchener Flughafen. Sesshaftigkeit und Aufbruch sind also stets eng verbunden. Willkommen zurück bei Bier, Bars & Brauer!

Vor Jahren trug mir eine Freundin, angewidert von dem Zustand, in dem manche Biere den unbescholtenen Gast erreichten, eine Idee nahe: Wie wäre es mit einer Firma, die auf Auftragsbasis durch Gastronomien reist und die dortigen Bierzapfanlagen wartet und reinigt? Der Ruf nach solchen Unternehmen dürfte mit dem Aufschwung von Craft Beer nun noch deutlicher vernehmbar sein. Konstanter Wechsel von Personal wie auch von Biersorten stellt althergebrachte Systeme auf den Kopf, und wie man in dieser Ausgabe lesen kann – selbst in der Welt von hell, dunkel und Weizen ist nicht alles astrein. Doch zunächst zu Erfreulichem aus Rheinland-Pfalz:

KKR statt KUZ – Kuehn Kunz Rosen zieht ins Alte Rohrlager in Mainz

Die Mainzer Craft Beer-Schmiede Kuehn Kunz Rosen operierte bisher nach dem Kuckucksbrauverfahren, mietete sich also in anderen Brauereien ein, um ihre vielfältige Produktpalette vom leicht aromagehopften Hellen bis zum Curry-Wit herzustellen.

Nun soll mit dem Wanderleben Schluss sein, denn ab dem Frühjahr 2017 beginnen die Bauarbeiten an der eigenen Brauerei im Alten Rohrlager Mainz. In dem bisher brachliegenden, altstadtnahen Industrielager/Gaswerk sollte sich auch das Ende 2015 geschlossene Mainzer Kulturzentrum KUZ, eine lokale Institution, übergangsweise ansiedeln. Die entsprechenden Gespräche scheiterten jedoch an den zu harschen Brandschutzbestimmungen vor Ort. Bleibt zu hoffen, dass diese die kühnen Konstruktionspläne von KKR nicht beeinflussen. Zumindest an genügend Flüssigkeit sollte es in der zukünftigen Brauerei ja zu keiner Zeit mangeln.
Laut Wendelin Quadt, Gründer von Kuehn Kunz Rosen, wird ein 15-Hektoliter-Sudhaus installiert, auch einen Brauerei-Direktausschank in Form einer kleinen Gastronomie soll es geben. Die Finanzierung steht, allein der Bauantrag hängt noch in den langsam malenden Mühlen der Ämter. Quadt rechnet mit einer Bauphase von ca. sechs Monaten.

Kaiser’s statt Kleinvieh – Berliner Berg im Supermarkt

Die in diesem Jahr stark anziehende Präsenz von Craft Beer in Supermärkten verfolgen wir in Bier, Bars & Brauer ja nun schon seit einer Weile. Das neueste Mitglied der Supermarkt-Crafties sind die Neuköllner von Berliner Berg.

Bereits im Mai gab es einen limitierten Verkauf in einer Kaiser’s-Filiale im Bergmannkiez, inzwischen sind weitere dazu gekommen. Was die hohe Trinkbarkeit der Berliner Berg-Biere im Ansatz vermuten ließ, bestätigt sich nun also, entsprechend sind es zunächst die Standardsorten Lager und Pale Ale, die ihren Weg in die Supermärkte finden, ersteres zum Verkaufspreis von 1,49 Euro, letzteres für 1,75 Euro.

Für Freunde intensiverer Genüsse ist seit kurzer Zeit das California Wheat Ale verfügbar (nicht bei Kaiser’s), ein Weizen-IPA mit klassisch-fruchtiger Westküsten-Hopfung. Und wer auf seine Hopfendosis keinesfalls bis zu Hause warten kann oder Standardpils für die Betriebsfeier zu langweilig findet, der kann Berliner Berg nun über Service Partner One und Easygetränke fürs Büro liefern lassen, inklusive 10%-Rabatt beim Kauf von zwei oder mehr Kisten.

KONZERN STATT KEIME? HYGIENE BEI FASSBIER LÄSST ZU WÜNSCHEN ÜBRIG

Wie eine Serie von 120 Stichproben in Niedersachsen ergab, fanden sich in zehn Prozent der Proben auffällige Keimgehalte. Zwar seien diese laut dem Verbraucherschutzbericht des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in keinem der Fälle gesundheitsgefährdend, sie weisen jedoch auf mangelhafte Wartung der Zapfanlagen hin. Denn – das sei zur Verteidigung der Brauereien klargestellt – die gelieferten Fässer und das enthaltene Bier entsprächen absolut den hygienischen Standards. Die Kontaminierung findet also meist in den Leitungen innerhalb der Kneipen statt, oft ist mangelhafte Reinigung der Anlagen das Problem.

Diese Problematik ist insbesondere für nicht brauereigebundene Gastronomien eine Herausforderung, betrifft also gerade auch Craft Beer-Kneipen. Denn wer sich einer Brauerei verpflichtet, schränkt sich spürbar ein, oftmals gehört die professionelle Wartung der Zapfanlagen jedoch zum Service, was eine große Erleichterung bedeutet. Ansonsten führen mangelnde Schulung von Mitarbeitern (Welche Sommeraushilfe weiß schon, dass man ein Pils nicht ohne sehr gründliche Desinfektion hinter ein Sauerbier klemmen kann?), laxe Standards oder ungenügende Investition in die Reinigungsmittel schnell zu obigen Ergebnissen.

AirCraft statt Aircraft – Neues Bier der einzigen Flughafenbrauerei Europas

Als solche bezeichnet sich zumindest Airbräu am Münchener Flughafen. Nachdem Craft Beer ja mit Brlo und Air Berlin bereits in den deutschen Luftraum aufgestiegen ist, kommen nun auch (noch) Bodenverbundene in den Genuss von “AirCraft”, dem neuesten Mitglied der Airbräu-Familie, die sich aus klassischen, deutschen Lagerstilen und Weißbieren aus der Hand von Diplom-Braumeister René Jacobsen zusammensetzt.

Auch das AirCraft erfindet hier das Rad nicht neu, sondern ist ein helles Lager bei 4,9%-Vol., kräftig gehopft mit Hallertauer Perle, einem traditionellen, deutschen Aromahopfen. Soweit, so Pils. Was also macht dieses Bier “air-crafty”? Eigentlich nichts, eine gewisse Fruchtigkeit weißt jedoch auf eine späte Hopfengabe hin, die ein paar Fruchtnoten aus der Perle befreit. Dennoch liegt die Vermutung nahe, dass hier der Klang von “craft” und das Wortspiel mit dem Flugzeug den Verkauf beflügeln sollen, ist doch das AirCraft das erste Bier der Brauerei, das es auch in Flasche als Sechser in die Verkaufsregale des Flughafens geschafft hat.

Photo credit: Flaschen via Shutterstock.

Ein Kommentar

  1. Chris

    Zum Thema Airbräu.

    Wer sich auch nur im Ansatz mal mit Craft Beer beschäftigt hat weiß, dass Craft nicht automatisch stark- oder gar kaltgehopft bedeutet. Und nachdem das Airbräu eine klassische Gasthaus Brauerei ist kann man das meiner Meinung nach durchaus als Craft bezeichnen.
    Und ein gut gebrautes Helles ist eher „craft“ als die 100ste schlecht gemachte Hopfenbombe bei der Handwerksfehler und Fehlgeschmack durch übertriebene Hopfengabe ausgeglichen werden.

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