Auftritt Bier.

News 24.10.2013

Brew Berlin bringt Craft Beer auf die Bühne des Bar Convent Berlin. Ein voller Erfolg? Dirk Hoplitschek berichtet vom Aufeinandertreffen von Gastronomen und fordernden Bieren.

“Ich trinke eigentlich kein Bier.” Diese Worte hörten ich und meine Kollegen vom Bier-Index mehr als einmal, während wir hinter dem Tresen der Craft Beer Bar von Brew Berlin die Flaschen rotieren ließen. Meist kamen sie aus dem Munde von Gästen, die in Begleitung bereits bekehrter Aficionados auf den Bar Convent und an unseren Stand gekommen waren.

Doch von solchen Aussagen lassen sich leidenschaftliche Bierbotschafter und -missionare im Bestreben, die besten Biere der Welt an die deutschen Gaumen zu bringen, keineswegs entmutigen. Ein kurzes “Dann habe ich da genau das richtige für den Einstieg!”, die Verkostungsbecherchen auf dem Thresen platziert, ein Griff in die Kühlschränke nach einem Prototyp von der Kreativbrauerei Kehrwieder, einem BrauKunstKeller Pale Ale, einem Camba Bavaria…und warten.

Warten worauf? Auf den Moment, in dem sich die Augen des Versuchsopfers plötzlich vor Verwunderung weiten, wenn unerwartete Aromen die Geschmacksrezeptoren auf eine Achterbahnfahrt schicken und unweigerlich die Frage provozieren: “Ist das noch Bier?”

Diese Augenblicke gehören zu den schönsten bei einer Bierverkostung, und auf dem Bar Convent durften wir sie zuhauf erleben. Natürlich ist das Publikum auf einer etablierten Barmesse sehr aufgeschlossen und dankbar. Wer die geschmacklichen Kapriolen der Mixologen kennt, der verkraftet auch die Kombination aus Fruchtbombe und Bitterkeule, die ein Hardcore India Pale Ale zu bieten hat.

Die Popstars der Bierwelt

Doch nicht nur den Freuden des Silenos wurde gefröhnt, auch die Stimulation der Hirnzellen kam nicht zu kurz. In zwei Podiumsdiskussionen stellte Peter Eichhorn, Autor und Kenner der Gastronomie- und Bierwelt, nationale und internationale Gäste vor, die in anderen Ländern fast schon Popstars sind: James Watt, Mitbegründer des schottischen Craft-Beer-Überfliegers BrewDog, Mikkel Borg Bjergsø, der wohl bekannteste Gipsy Brewer der Welt, Eric Ottaway, Braumeister der Brooklyn Brewery oder Ian Pyle, vormals Samuel Adams, nun Ratsherrn. Hinzu kamen Vertreter der sich neu erfindenden, deutschen Bierwelt: Georg Schneider von Schneider Weisse, Timm Schnigula von Crew Republic und ein Spontanauftritt des frisch gekürten Weltmeisters der Biersommeliers, Olli Wesseloh, der seinen “Prototyp” dem gut gefüllten Saal präsentierte.

Die Themen waren verschieden, der Konsens einheitlich: Bier ist momentan eines der heißesten Eisen in der Getränkebranche, und der deutsche Markt hat hier ein ebenso großes Potential wie Nachholbedarf. Konsumenten lieben die geschmackliche Vielfalt und das coole Image, Händler die höheren Margen, Brauer die Möglichkeit, abseits per Knopfdruck initiierter Einheitssude Braukunst nach ihren Wünschen zu leben. Besonders erfreulich war, dass sich neben Brauern und Bierfreunden auch Hoteliers, Gastronomen unterschiedlichster Couleur, Getränkehändler und Journalisten verschiedener Medien einfanden, was das gestiegene Interesse unterstreicht. In jedem dieser Bereiche scheint man mehr und mehr zu begreifen, dass sich was tut in der Bierwelt.

Berlin muss dabei eine zentrale Rolle spielen, und nimmt diese zunehmend an. Biertechnisch bisher langweilige Bars haben plötzlich ausgefallene Sorten im Angebot, machen sich Gedanken über eine Bierkarte. Brewpubs eröffnen und immer wieder machen Gerüchte die Runde, diese oder jene große Craft Brewery wolle sich hier niederlassen.

Daher erschien es nur passend, dass wir einem der ersten dieser Brewpubs nach amerikanischem Vorbild für unsere BCB Aftershow/BrewBerlin Launchparty einen Besuch abstatteten – das Konzept der Vagabund Brauerei in der Antwerpener Straße im Wedding, geführt von drei Exilamerikanern, wirkte offenbar derart einladend, dass wir an der Pforte noch Leute abschütteln mussten, die uns vom Bus her nachgelaufen waren.

Mischtechnik vor Zapftechnik

Natürlich lief bei der Premiere nicht alles optimal. Vom ganz normalen Stress und dem organisierten Chaos eines Aufbautages einmal abgesehen merkte man den Barleuten an, dass sie beim Thema Zapfanlagen und CO2 den Zapfhahn (genau wie wir) lieber in der Hand der Brauersleut lassen. Leider hatte dies unrühmliche Folgen, denn jene Probleme führten am ersten Messetag zu einer verfrühten Abreise der Rollberger Brauerei, am zweiten dazu, dass Johannes Heidenpeter sein Rauchmalz-Porter erst sehr verspätet an den Hahn und unter das durstige Volk bringen konnte.

Doch unterm Strich war die Resonanz überwältigend positiv. In einem Moment der Ruhe den Blick schweifen zu lassen, und neue Gesichter der Barwelt im gemütlichen Bierplausch mit den ihnen unbekannten Berühmtheiten der Bierszene stehen zu sehen, machte unsere zwei Hauptziele für den Bar Convent greifbar: Die Geselligkeit, die Bier und insbesondere Craft Beer mit sich bringt, nach außen zu transportieren, und die Szene aus der Kinderstube des Braukellers zu holen und gutes Bier einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

War es eine Revolution der Barwelt? Nein. War es ein Siegeszug mit Pauken und Trompeten? Sicher nicht. Aber es war ein wichtiger und vor allem genussvoller Schritt dahin, die Neugierde an einem langweilig gewordenen Konsumgut wieder zu wecken.

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