Chloé Merz

„Sei authentisch!“

News 31.3.2018

Mit einem sagenhaft aromatischen Cocktail gewann Chloé Merz-Salyer die Made in GSA Competition 2017. Im Interview spricht sie über die Idee hinter ihrem „The Travelling TombstoneAußerdem verrät die Schweizerin mit dem ansteckenden Lachen, wie man es vielleicht schafft, die kleinen Extrapunkte zu sammeln, die am Ende den Sieg ausmachen.

Der Sieg von Chloé Merz-Salyer bei der Made in GSA Competition 2017 in Wien war gleich in mehrfacher Hinsicht eine Premiere: Die sympathische Bartenderin aus Basel gewann den Wettbewerb nicht nur als erste Frau, sondern ebenfalls ging der Sieg erstmals in die Schweiz. Überdies konnte sie die Jury mit einem kantig-aromatischen, schnörkellosen Whisky-Cocktail begeistern, der in dieser Form selten zu Gast bei der Made in GSA Competition ist.

Im Interview verrät sie uns, warum auch ein Grabstein ein schlüssiger Name für einen Cocktail sein kann, wie sich Idee, Form und Inhalt gegenseitig beeinflussen – und warum letztlich Aufrichtigkeit, Herzlichkeit und Freude an der Sache das Allerwichtigste sind.

Wie ist die Rezeptur Deines Drinks entstanden? Bist Du von einer Basisspirituose ausgegangen und hast dann nach passenden Begleitern gesucht? Oder stand von vornherein ein klares Aromenprofil im Raum, das Du umsetzen wolltest?

Chloé Merz-Salyer: Ich wollte unbedingt einen Cocktail mit einem rauchigen Whisky kreieren. Nachdem ich mir die Sponsorenliste angesehen hatte, war mir auch klar, dass ich mit Bergamotte von Faude Feine Brände arbeiten wollte. Die nächste Frage war dann, wie man die Zutaten zueinander in Harmonie bringen kann. Es waren also eher die spezifischen Zutaten, die mich gereizt haben, ich habe also grundsätzlich mit zwei Geschmacksprofilen begonnen und eine Kombination sozusagen zu erzwingen versucht.

     »Ich wollte unbedingt einen Drink mit einem rauchigen Whisky entwickeln.«

Der Name Deines Drinks beinhaltet den Begriff „Tombstone“, also „Grabstein“. Das mag auf den ersten Eindruck bei manchen Leuten etwas irritierend wirken, da man solch eine Assoziation nicht unbedingt mit einem Drink in Verbindung setzt. Wie kam es dazu? Steckt da eine Programmatik hinter?

Chloé Merz-Salyer: Der Name „ The Travelling Tombstone“ kam mir in den Sinn, weil der verwendete Whisky von Ziegler ja „Aureum 1865 Grave Digger Edition“ heißt – also den Totengräber im Namen trägt. Der ursprüngliche Gedanke war: Was gräbt ein Totengräber so? Ist klar. Und ganz oben auf dem Grab liegt dann eben der Grabstein.

Welchen Stellenwert hatte die Story hinter dem Drink? Was war zuerst da? Hat die Story den Namen ebenfalls beeinflusst?

Chloé Merz-Salyer: Definitiv! Die Geschichte hinter meinem Drink sollte die Verbindung zwischen den drei verschiedenen Bereichen zeigen, aus denen der Whisky, der Wermut und Bergamotte stammen – daher der Begriff „Travelling“, es geht um Dynamik und Verbindungen. Der Name des Cocktails wurde also auf jeden Fall auch von der Geschichte hinter dem Cocktail beeinflusst.

    »Mit dem Namen wollte ich zeigen, dass verschiedene Bereiche zum Drink beigetragen haben.«

Was war Deine generelle Motivation, an der Made in GSA Competition teilzunehmen?

Chloé Merz-Salyer: Meine Motivation, am GSA-Wettbewerb teilzunehmen, war ganz klar die Idee, lokale Produkte zu verwenden und zu inszenieren. Schon bei meiner täglichen Arbeit im Conto 4056 [der damalige Arbeitsplatz von Chloé Merz-Salyer, d. Red] war es sehr wichtig für mich, saisonale und lokale Zutaten zu verarbeiten. Und es ist einfach eine großartige Chance für alle Beteiligten, an einem Wettbewerb teilzunehmen, bei dem die Produkte wirklich in den GSA-Ländern hergestellt werden.

Du hast beim Finale in Wien ganz bewusst auf Schwyzerdütsch präsentiert. Welche Rolle spielt regionale Identifikation für Dich beim daily work an der Bar? Die Bar ist ja zunächst mal ein sehr „unregionaler“ Ort.

Chloé Merz-Salyer: Ich wollte Schwyzerdütsch sprechen, weil ich mich immer noch relativ unbehaglich fühle, wenn ich versuche, vor vielen Menschen Hochdeutsch zu sprechen. Ich glaube auch, dass es ja gerade bei diesem Wettbewerb darum geht, Deutschland, die Schweiz und Österreich zu repräsentieren. Jedes Land, jede Region hat ja einen eigenen Dialekt. Bei der Arbeit spreche ich ebenfalls meistens Schwyzerdütsch und Englisch, und solange die Leute mich verstehen, ziehe ich es vor, in meinem Dialekt zu sprechen – anstatt verfälscht zu sprechen und zu versuchen, jemand zu sein, der ich nicht bin.

Welchen Ratschlag würdest Du den Finalisten für das Jahr 2018 geben? Gibt es etwas, bei dem Du glaubst, dass es Dir bei Deinem Sieg im letzten Jahr geholfen hat?

Chloé Merz-Salyer: Der wichtigste Ratschlag an die Finalisten lautet wohl wie fast immer: üben, üben, üben! Außerdem würde ich jedem mit auf den Weg geben: Sei authentisch und so bequem wie möglich auf der Bühne. Sprich während der Präsentation! Manche stehen ja dort und machen schweigend ihren Drink. Wie soll man so die Aufmerksamkeit der Jury behalten? Und am allerallerwichtigsten: Have fun!

Chloé, wir danken Dir ganz herzlich für das Interview!

Photo credit: Constantin Falk

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