FÜNF! Beobachtungen beim Bar Convent Berlin 2016

News 16.10.2016

Der Bar Convent 2016 ist passé. Also fast. Denn wir resümieren kurz die letzten Tage in Berlin, haben aufgeschrieben, woran wir uns erinnern konnten und teilen fünf Beobachtungen rund um die bedeutendste Bar-Fachmesse in Europa.

Alle Jahre wieder: Die deutsche Hauptstadt ruft, und tausende Bar-Jünger folgen. Neugierig, durstig und am zweiten Tag der Fachmesse Bar Convent Berlin beinahe obligatorisch müde und verkatert. Uns sind vor allem FÜNF! Dinge der zehnten Auflage des BCB aufgefallen.

DIE WOCHE IST LANG

Das der Bar Convent nur zwei Tage dauert, ist ein Märchen. Denn die Berliner Barwoche 2016 begann früh. Die ersten Nachtschwärmer, Cocktailnerds und internationalen Speaker reisten bereits am Freitag vor der Messe an. „T minus vier“, also. Viel Zeit, um das Wochenende in Berlin zu nutzen und den Körper an kommende Strapazen zu gewöhnen. Dafür nehmen sich immer öfter auch treue Bartender Urlaub, schließen in einigen Fällen sogar die eigene Bar für ein paar Tage und bevölkern die Tresen der Kollegen.

Neben den flüssigen Schätzen der Hauptstadt, der Entdeckung neuer Restaurants und Stelldicheins auf den ersten Events, steht für die meisten Early Birds vor allem der Montag vor der Messe fest im Kalender: Verleihung der MIXOLOGY BAR AWARDS. In festlichem Rahmen bildet die schillernde Nacht mit den Größen der Barwelt traditionell den Auftakt und ehrt jene Bartender und Entrepreneurs, die besondere Eindrücke in der Community hinterlassen haben.

Zudem wurde am Montag vor dem BCB, noch vor Sonnenuntergang, über die Entwicklung der ganzen Branche beim Global Drinks Forum diskutiert. Im Berliner Hotel Ellington kamen Referenten wie Mark de Witte, Simon Ford und Alex Kratena zusammen, um über Innovationen und Trends der Bar-Zukunft zu sprechen, über zeitgemäßes Trade-Marketing, die Herausforderung, Milennials zufriedenzustellen, und die Chancen und Risiken für kleine Firmen sowie große Konzerne auszuloten.

BIER, CHAMPAGNER, MEZCAL & BRÄNDE

Einen guten Eindruck und Überblick, dieser Trends lieferte dann der Bar Convent Berlin an sich. In diesem Jahr wieder einmal größer als zuvor. Mehr als 900 Marken, 317 Aussteller, 11.064 Besucher, sechs Hallen. Und dabei ganz besonders schön: Von dem wirklich guten Stoff gab es ebenfalls mehr als sonst! Bier, Champagner und Mezcal waren in diesem Jahr so präsent wie nie. Gleich hinter dem Eingang wartete der nochmals gewachsene Bier-Bereich mit einer Allee der Zapfhähne und Longnecks. Nebenan, in Halle 4, die geballte Wucht der Agavendestillate – und wie schöne Perlen zwischendrin präsentierten sich insgesamt sieben Champagnerhäuser. Unzählige Stände hatten zudem die eine oder andere Flasche für Freunde in der Kühlung und auch bei der MIXOLOGY-Lounge konnte man den drei besten Bruts des Taste Forums beim Moussieren zuschauen, und natürlich probieren. Wer in diesem Jahr also kein Glas Schaumwein abbekam, hat definitiv etwas falsch gemacht…

…Oder war bloß den Obstbränden mehr zugetan. Destillateure aus dem gesamten GSA-Raum konnten sich ebenfalls über besonders großes Interesse freuen. Dass die Brände dabei längst nicht mehr nur zum Pur-Konsum angedacht sind, untermauerte beispielsweise auch die Schwarzwälder Brennerei Schladerer. Am Stand wanderten die neuen Spezialitäten Piemonteser Pflaume und echter(!) Haselnussgeist in überaus potente Drinks!

NOVIZEN UND VETERANEN

Neben allen Neuheiten sind vielleicht auch BCB-Badges am Revers des einen oder anderen Messegasts aufgefallen: „Veteran“ stand darauf. Für all jene, die eben wissen, wie der Hase läuft. Doch es sind die viel subtileren Zeichen und Verhaltensweisen, die einen Novizen von langjährigen BCB’lern unterscheidbar machen. Während der Veteran schließlich hin und wieder und trotz traditionellem Berliner Herbstwetter im Inneren der Hallen vorsorglich Sonnenbrille trägt, um die noch immer trüben und lichtempfindlichen Sehnerven zu gewöhnen, trägt der Neuling meist nur eines: tiefe Augenringe.

Enttarnen ließ sich der BCB-Anfänger auch anhand des Schuhwerks. Wer schließlich ernsthaft in hohen Absatzschuhen oder unbequemen Business-Tretern über die Fläche spaziert, ist entweder wirklich wichtig in der Branche oder noch nie kilometerweit über die Messe gelaufen. Apropos Laufen. Oder eher Torkeln. Denn wer, wie einige Besucher in diesem Jahr, bereits um 15 Uhr nicht mehr geradeaus laufen, geschweige denn gucken kann, ist ganz offensichtlich fehl am Platz. Tagsüber, dass weiß der erfahrene Gast, gilt es nur zu probieren und dank der Wassersponsoren Acqua Morelli, Vöslauer und Gerolsteiner wohlhydriert zu bleiben. Um den Rausch kümmert man sich erst nach Sonnenuntergang während der unzähligen Partys.

FETTE PARTYS MIT FETTEM LINE UP

Stichwort Rausch. Denn wer möchte, muss während seiner Zeit in der Hauptstadt weder nüchtern sein noch schlafen. Das ist eigentlich immer so. Aber zu BCB-Zeiten noch leichter. Im Grunde lädt jeder größere Hersteller ein und stellt die durstigen Barflys vor die Qual der Wahl. Diageo-Party? Pernod-Ricard? Jägermeister? Alle! Und die Taxifahrer freut es.

Dass es dieses Jahr dann irgendwie doch noch einmal herausragender war, zeigt dann ein Blick auf die Liste der Gastbartender. Unter anderem Naren Young, Nick Strangeway und Phillip Bischoff gaben sich die Shaker in die Hand. Dazu stand ebenfalls erstmals das Borco-Brand-Ambassador-Allstar-Team am Brett und feierte alle und sich selbst. Wer Lust hatte, griff spontan zum Rührlöffel. Oder – es scheint gerade en Vogue zu sein – an die Regler an den Turntables. Denn spätestens seit diesem Jahr ist eine Vielzahl von namenhaften Bartendern eben nicht mehr nur Bartender, sondern ebenfalls DJ.

Ganz egal, wo man dann tatsächlich war, welchen Freund man in der Berliner Nacht verloren hat und in welchem Bett man aufgewacht ist – am nächsten Tag gab es ein Wiedersehen. An dem BCB-Stand, der kalten Tomatensaft hat. Um wieder auf die Beine zu kommen (das gilt seit zehn Bar Convent-Jahren) gibt es schließlich wenig besseres als ein Berliner Frühstück aus Kippe, Aspirin und Bloody Mary.

RAUM FÜR MEHR

Zum Schluss bleibt kein Kater, sondern die Vorfreude auf das nächste Jahr. Doch trotz so unglaublich schöner Geschichten, dem Wiedersehen guter Freunde, Toasts auf das Leben und vielen intensiven Stunden im Hell und Dunkel der Hauptstadt, konnte man auch beobachten, dass noch mehr ginge. Zum Beispiel beim ewigen Hinkebein, dem Einlass. Oder aber bei den langen Schlagen für gutes Essen an irgendwie immer zu wenigen Food-Ständen.

Das wohl größte Potential würde wohl aber der Verfügbarkeit der Talks und Masterclasses im Livestream zukommen. Ob es eine Möglichkeit gäbe, das großartige, diskutierte und vorgetragene Wissen der internationalen Referenten digital und in Echtzeit zu bannen, steht noch nicht fest (allerdings werden die Talks von MIXOLOGY MAIN STAGE, Beer Stage und Coffee Stage demnächst in voller Länge auf dem YouTube-Kanal des Bar Convent zu sehen sein, Anm. d. Red). Wir werden es im nächsten Jahr wissen. Bei Berliner Herbstwetter, vielen Gläsern Alkohol und viel zu wenig Schlaf. Vergesst also die Sonnenbrillen nicht, man trifft sich auf eine Bloody Mary. Und natürlich auf Champagner!

Photo credit: Fotos via Gilia Shani, Constantin Falk und Sera Cakal für Bar Convent Berlin

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