laphroaig lore

Inventur am 13. März 2016

News 13.3.2016

Da sind wir wieder. Heute mit Neuzugängen bei Capulet & Montague, Pappy Van Winkel zum Selbermischen und der Black Rock Bar in London.

Am 19. März 2016 findet in Berlin der dritte Berliner Weisse-Gipfel statt. Was es da gibt? Natürlich das namensgebende Bier und weitere saure Biere von rund 20 internationalen Brauereien. Man findet sich in Berlin-Pankow in der ehemaligen Weißbierbrauerei Willner zusammen und kann sich vorort durch unterschiedlichste Varianten der Berliner Weißen durchprobieren. Das ist unser Vorschlag für die kommende Woche, wir legen heute allerdings erstmal mit der aktuellen Inventur los.

1) Neues im Saarland

Capulet & Montague rüsten auf. Das Unternehmen aus Saarbrücken gab letzte Woche bekannt, den Vertrieb der beiden deutschen Marken Revolte Rum und Freimut Vodka zu übernehmen. Zu dem Portfolio der Saabrückner gehören unter anderem Ferdinand’s Saar Dry Gin, Macchia Vermouth und Amores Mezcal. Mit den beiden Neuzugängen verschärft das Unternehmen den Ansatz, ein Portfolio mit Premiumanspruch aufzubauen.

2) Billig-Bier und Heimkonsum

Während vor allem unter bayrischer Flagge das Reinheitsgebot gefeiert wird, haben die „Brewers of Europe“, der europäische Brau-Dachverband, die Relevanz des Brauwesens für die Volkswirtschaft erhoben. 1.352 Brauereien listet die Statistik für Deutschland  auf, davon gelten 677 als „Microbreweries“ (mit unter 1.000 Hektolitern Jahresausstoß). 536.000 Jobs sind mit dem Getränk, vom Getreideanbau bis zur Verpackung, verbunden, der deutsche Staat selbst erzielt sechs Milliarden Euro aus dem Biersektor. Der Durchschnittspreis in der Gastronomie ist in Deutschland mit 7,30 Euro pro Liter Bier im Mittelfeld.

Zum Vergleich: Das Bierspezialitäten-Land Belgien wird mit 7,90 Euro/Liter gelistet, Großbritannien mit 7,17 Euro – beide haben aber weit höhere Handelspreise, denn der Liter Bier in Deutschland wird um 1,10 Euro gehandelt, ein Wert, den in der EU nur Bulgarien unterbietet. Besonders auffällig: Mit 19% Anteil am Konsum wird nur jedes fünfte deutsche Bier in Gastro-Betrieben getrunken. Ein Wert, der sogar unter den Hochpreisländern Dänemark und Norwegen liegt. 50% beträgt der „Tresen-Anteil“ in Großbritannien, 45% in Belgien und der Schweiz, 43% in Italien und immerhin noch 29% in Österreich.

A propos Österreich: Der Brauereiverband zog diese Woche ebenfalls Bilanz, der Markt ist stabil, der Inlandskonsum stieg wieder (auf 105 Liter pro Kopf und Jahr), vor allem aber kamen unterjährig 16 neue Brauereien dazu. Die Alpenrepublik hält jetzt bei 215 Brauereien, in der EU sind es 6.500, hier wurden seit 2013 ganze 900 Braustätten neu gegründet.

3) Pappy Van Winkel: Do It Yourself

Wenn wir was lieben, dann sind es ja DIY-Projekte. Nächster Schritt: Bourbon. Für Liquor.com verfasste Xania Woodman einen Artikel über die verzweifelte Suche nach einer Art weißem Trüffel der Barlandschaft: Pappy Van Winkel. Genauer: den Old Rip 10, den Special Reserve 12-Year Lot B, Pappy 15 bzw. 20 sowie den 23 Jahre alten, der noch aus der mittlerweile geschlossenen Stitzel-Weller Distillery stammt.

Das Problem ist bekanntlich: Sogar. wenn man das Geld für eine flüssige Investition hätte, so gilt es erst einen Händler zu finden, der Pappy auch anbietet. Und dann darf sich der geneigte Käufer mit viel Glück in eine ellenlange Warteliste einreihen. Aber was tun, wenn man weder Geld noch Zeit, aber durchaus Interesse an Pappy Van Winkel-Aromen im Glas hat? Man mischt ihn sich selbst. Genau das schlägt Woodman vor und zitiert damit den Bartender Cody Fredrickson aus dem Paris Las Vegas. Online stieß der nämlich auf das Rezept, in dem der W.L. Weller 12-Year und der Old Weller Antique 107-Proof geblendet werden und für mindestens zwei Monate in einer 0,75-Liter Flasche ruhen. Fredricksons Ziel war eine Imitation des Old Rip Van Winkle 10 oder des 12-Year Lot B, aber nach einem Blindtasting war klar, dass er sich geschmacklich mit seinem DYP-Van Winkel eher in der Nähe des 15-jährigen wiederfand.

Wie kann das sein? Der W.L. Weller und Pappy Van Winkel haben die gleiche Mash Bill, werden gleich lang gelagert und werden beide in der Buffalo Trace Distillery hergestellt. Die ganze Geschichte und das genaue Mischverhältnis für den “Pappy Van Winkel für Arme” gibt es hier.

4) DIE BLACK ROCK BAR IN LONDON

Nächster Stop? Shoreditch – London. Tristan Stephenson, Buchautor, Bar Consultant und Mixologe, hat vergangene Woche die Black Rock Bar eröffnet und damit für viel Unruhe und Aufsehen gesorgt. Es handelt sich um eine Whisk(e)y-Bar mit über 250 verschiedenen Bränden auf der Liste. Die Bar hat keinen Tresen, dafür aber einen riesigen halbierten Baumstamm, an dem auf jeder Seite Stühle stehen.

In den Baumstamm sind „Ageing-Kammern“ eingebaut, in denen Whisky einfach weitergelagert wird. Teil des Konzeptes ist es außerdem, wie Stephenson bei Facebook verrät, die Wahrnehmung und Voreingenommenheit gegenüber Whisky dadurch zu verändern, dass er die Produkte ohne Label anbietet. Die Gäste der Black Rock Bar sollen sich so voll und ganz auf den Geschmack konzentrieren können, ohne mit bestimmten Vorstellungen an spezifische Marken heranzutreten. Besonders im Whisky-Sehment, wo so mancher Single Malt von einschlägigen Serien wie Mad Men beeinflusst bestellt wird oder – um die jeweilige Begleitung mit Semi-Fachwissen zu beeindrucken – möglichst obskur geordert wird, schafft das eine völlig neue Herangehensweise. Wir statten der Bar bestimmt bald einen Besuch ab.

5) Tresenkunst

Wir werfen einen Blick nach Hong Kong und entdecken dort in der Schwesterbar des Artesian vom The Langham Hotel an der Themse Kunst zum trinken. Mit der „Art Basel Hong Kong“ in greifbarer Nähe wird so ziemlich allem der “Kunst“-Stempel aufgedrückt und das soll am Bartresen natürlich nicht enden. Rajendra “Rush” Limbu des The Langham Hong Kong hat sich an Mondrian, Van Gogh und Dalí orientiert und zitiert deren bekannteste Werke auf seinen Cocktails. Eine der Uhren aus Dalís Werk “Die Beständigkeit der Erinnerung” etwa fließt vom Glas in den Drink, uns gefällt Mondrians „Tableau I“ allerdings am besten. Hier gibt es die Bilder dazu. Und wenn Sie ganz zufällig selbst einen Abstecher zur Art Basel in Hong Kong machen – statten Sie dem Artesian doch einen Besuch ab.

6) Aus der fortlaufenden Serie „It Ain’t Over Til It’s Over“: Salvatore Calabrese

Salvatore Calabrese hat auf seinem eigenen Blog vergangene Woche bekannt gegeben, dass er die Londoner Playboy Bar verlassen wird. Er gibt an, die Zeit dort sehr genossen zu haben, er blicke schließlich auf den “ältesten Cocktail”, der je gemacht wurde zurück (der Negroni mit Bestandteilen, die zusammen 800 Jahre alt sind) und erinnere sich außerdem noch genau an das Geräusch einer am Boden zerschellenden, 150.000 Pfund teuren Cognac-Flasche. Mit guten Erinnerungen blicke er auf die vielen Jahre in der Playboy Bar zurück.

Aber keine Sorge – das heißt nicht, dass sich die Barlegende hiermit vom Tresen verabschiedet, es sei einfach nur Zeit weiter zu ziehen. In einer Zeit in der Playboy Bar hat Calabrese nebenbei zwei Bars in Los Angeles und Las Vegas eröffnet, eine dritte soll demnächst in Hong Kong folgen. Der „Maestro“ wird einfach nicht müde.

Photo credit: Mann & Frau via Shutterstock.

Schreibe einen Kommentar

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.

Ähnliche Artikel