Inventur am 18. März 2018

News 18.3.2018

Belsazar wird Teil der Diageo-Familie, Aquavit bleibt doch irgendwie ein Stiefkind und die Backstreet Boys wollen offenbar ein Stück vom Tequilakuchen. In Hongkong kommt indessen Whisky für den Wert eines schönen Hauses unter den Hammer.

Herzlich willkommen! Stimmt da alles mit dem Kalender? Eigentlich sollte doch in ein paar Tagen Frühlingsanfang sein – stattdessen frostet es noch einmal deftig nach, dabei hatten wir uns mental bereits eher auf das erste Terrassenbier des Jahres eingestellt. Nun ja, aufwärmen kann man sich ab heute etwa in Düsseldorf. Mit der ProWein, die vor wenigen Stunden begonnen hat, ist eine der wichtigsten internationalen Fachmessen für die Weinwelt in vollem Gange, die noch bis kommenden Dienstag ihre Türen offenhält. Im vergangenen Jahr begrüßte man am Rhein knapp 60.000 Besucher. Und irgendjemanden kennt man ja immer. Wir wünschen unseren Lesern eine unterhaltsame, erfolgreiche ProWein 2018. Wir stellen unterdessen das Glas Bordeaux beiseite und widmen uns den interessantesten Hochprozentern der Woche. Prost!

Belsazar: Diageo übernimmt dann mal

Es war fraglos die Nachricht der Woche: Die trotz ihrer großen Bekanntheit noch immer junge deutsche Wermutmarke Belsazar ist vom größten Spirituosenkonzern der Welt, Diageo, geschluckt worden. Gerüchte bezüglich der Übernahme hatten sich bereits seit einigen Wochen konkretisiert, Mitte der Woche kam schließlich die bestätigende Pressemitteilung. Die beiden Gründer und Geschäftsführer, Maximilian Wagner und Sebastian Brack, haben sich mit dem britischen Riesen geeinigt und in Berlin die entsprechenden Verträge unterzeichnet.

Der Branchenriese mit Sitz in London war bereits durch seinen Ableger Distill Ventures, eine Investitionsplattform für Getränke-Start-Ups, mit einer Minderheit an Belsazar beteiligt, eine mittelfristige Übernahme wurde daher von Szenekennern bereits vermutet, „nun ging es tatsächlich schneller, als wir selbst gedacht hatten“, erläutert Brack im Interview (anfang kommender Woche in Gänze auf MIXOLOGY ONLINE). Diageo kündigte an, Belsazar in seine Range der „Reserve Brands“, also die Prestigelinie, aufzunehmen. Die Fertigung wird weiterhin bei Schladerer im Schwarzwald stattfinden, ebenso werden sowohl Brack als auch Wagner ihre bisherigen Aufgaben im Unternehmen unverändert wahrnehmen, hieß es weiter.

Aquavit – Groß, aber noch nicht so groß, wie manche sagen

Ohne jeden Zweifel hat sich Aquavit in den letzten Jahren an den Bars deutlich emanzipiert. Von einem vielerorts als angestaubt geltenden „Verteiler“ hat sich die Traditionsspirituose – besonders natürlich durch überaus aktives Marketing des Arcus-Konzerns – zu einer Spirituose gemausert, deren mixologische Möglichkeiten erschlossen werden und die sowohl von Gästen als auch Bartendern auf neue Weise geschätzt und interpretiert wird. Keine Frage, Aquavit gilt seit einiger Zeit als „in“.

Doch die Wahrnehmung kann auch übertreiben: Zwar ist die Spirituose mit den markanten Aromen von Kümmel, Anis, Dill und Fenchel mittlerweile weitaus prominenter als im Jahr 2008. Gleichzeitig darf man die Verbreitung noch immer nicht überschätzen. Diesen wichtigen Aspekt beleuchtet die New York Times in einem großen Beitrag. Freilich wird dort das Hauptaugenmerk auf den US-Markt gelegt, dennoch bleiben die Symptomatiken ähnlich wie bei uns. Der Überblick über den Stand der Dinge wird übrigens abgerundet durch einen Einstieg in die grundlegende Warenkunde.

Schon wieder Extremwhisky unter dem Hammer

Erst vor fünf Wochen berichteten wir über die Entwicklung, dass immer mehr Vintage-Whiskys bei Auktionen verkauft werden. Experten sagen dem Versteigerungshandel mit edlen, raren Malts ein immenses Wachstum voraus.

Auf einen echten Paukenschlag – oder besser Hammerschlag? – dürfen sich solvente Scotchliebhaber etwa im Mai in Hongkong freuen. Dann nämlich werden im Auktionshaus Bonhams zwei extrem seltene Abfüllungen von The Macallan unter den Hammer kommen. Dabei handelt es sich um zwei 60jährige Bottlings aus dem Jahre 1986, von denen jeweils nur 12 (!) Stück produziert worden waren. Der Hintergrund? Für die 24 Flaschen zählende Edition war je eine Hälfte mit Label-Designs der beiden Künstler Valerio Adami und Peter Blake gestaltet worden. Wer also etwa eine halbe Million US-Dollar (auf diesen Wert wird jede der beiden Flaschen geschätzt) zum vergnüglichen Verjubeln übrig hat, sollte sich vielleicht schonmal einen Flug buchen. Immerhin: Auch abseits des Etiketts hätte ein so alter Macallan freilich auch schon einen satten Preis!

As long as you love… Tequila?!

Tequila scheint immer mehr der Gin der US-Starwelt zu werden. So kolportiert The Drinks Business mit Bezug auf einen Beitrag bei The Tasting Table, dass sich nach E-40, Justin Timberlake und George Clooney nun auch die Backstreet Boys offenbar im Zuge einer Konzertreise nach Mexiko direkt auch nach einem Partner umsehen, mit dem sie ihre eigene Tequila-Marke produzieren und lancieren können.

Es ist bekannt, dass der Premium-Markt für Tequila in den Vereinigten Staaten mittlerweile ein Milliarden-Business ist. Einen teuren Tequila auf ebenjenen Markt zu bringen, ist also bei gutem Gelingen mehr als nur ein Luxushobby. Eindrucksvoll demonstriert wurde diese Tatsache vor einigen Monaten, als Clooney und seine beiden Mitgründer ihre Marke „Casamigos“ für rund 700 Millionen Dollar (mit etwaigen Folgezahlungen gar ca. 1 Milliarde) an Diageo verkauft hatten. Und ohne jetzt Böses unterstellen zu wollen, darf man doch sagen: Musikalisch haben die Backstreet Boys in jüngerer bis mittlerer Vergangenheit ja eine eher bescheidene Rolle gespielt. Da kann eine Marke, die man mit seinem bekannten Gesicht in den Markt drückt, in einigen Jahren vielleicht einen lukrativen Deal bedeuten?

Photo credit: Herr am Telefon via Shutterstock

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