INVENTUR AM 5. NOVEMBER 2017

News 5.11.2017

Unsere aktuelle Inventur hat ein paar Whiskyflaschen abgestaubt und dabei keine Rücksicht auf „e“ und „ey“ genommen.  Außerdem haben wir im Trader Vic vorbeigeschaut und uns einen kräftigen Rant von Eben Freeman über die Selbstverliebtheit der Branche angehört. 

Bevor wir die Füllmenge der Flaschen geprüft und die Order für die kommenden Tage fertiggestellt haben, möchten wir kurz das Glas erheben auf ein Urgestein der deutschsprachigen Cocktailszene. Die Christiansen’s Bar in Hamburg feierte diese Woche ihren 20. Geburtstag. Wir gratulieren! Betreiber Uwe Christiansen ist eine der prägenden Gestalten der norddeutschen Barszene und umtriebig wie eh und je, was wir demnächst auch noch ausführlicher beleuchten werden. Nun aber an die Arbeit und rein in die Inventur!

DAS PROBLEM MIT WHISKY

Zwei aktuelle Beiträge beziehungsweise Geschichten drehen sich um gefühlte Bauchschmerzen in und mit der Whiskywelt. Die unterhaltsamere von beiden ist die eines gefälschten Macallans, der im der Bar des Hotel Waldhaus in St. Moritz für läppische 10.000 Schweizer Franken an einen chinesischen Gast ausgeschenkt worden ist. Nachdem Whiskykenner in diversen Foren die Echtheit des Tropfens angezweifelt hatten, überließ das Hotel die Flasche einem Labor zur Prüfung. Und siehe da – er stammt aus einer gefälschten Serie und ist rund 100 Jahre später destilliert worden als angegeben. Das Waldhaus in St. Moritz steht, sofern es sein Sortiment und Interieur seit unserem letzten Besuch nicht geändert hat, klar für die „alte Welt“ des Whisky. Stilistisch irgendwie 80er, Scotch-fokussiert, männlich, weiß, vermögend, alt und über Jahrgänge und Sonderabfüllungen fachsimpelnd. Das hat auch alles seinen Platz und der Erfolg der Bar scheint ungebrochen.

Wer sich aber quer durch alle Spirituosen- und Whisky-Segmente bewegt und wem die dudelsackbeschallten Whiskyfestivals ein Graus sind, dem dürfte der aktuelle Artikel von Dave Wondrich für The Daily Beast aus dem Herzen sprechen. Angesichts der Experimentierfreudigkeit der Branche und des ungebrochenen Destilliere-Neugründungs-Booms fordert Wondrich eine Neusortierung, die keine Typisierung mehr nach Regionen vornimmt, sondern einzig auf die Herstellungsmethode eingeht. Er schlägt die Einteilung in vier Kategorien vor: Malt Whisky, Mashbill Whisky, Patent Whisky und Blended Whisky. Da wir das komplexe Thema hier nicht weiter vertiefen können, sprechen wir hiermit eine dringende Leseempfehlung aus und hoffen, dass der Text eine breite Debatte auslöst.

BERÜHMTE TRADER VIC-HOSTESS GEHT IN RUHESTAND

In vielen Restaurants und Bars sind sie die erste Person, mit denen Gäste in Berührung kommen. Und häufig entscheiden sie darüber, ob man ohne Reservierung noch einen Tisch bekommen kann oder nicht. Die Empfangsdamen oder –herren der Gastronomie haben eine enorm wichtige Scharnierfunktion im Ablauf eines perfekten Abends, ohne dass sie medial jemals mit Aufmerksamkeit bedacht werden. Umso spannender zu lesen ist daher der aktuelle Artikel über die in Ruhestand gehende Trader Vic-Hostess Claudette Lum, die nach 57 Jahren in den Ruhestand geht. Claudette hatte ihr Vorstellungsgespräch noch beim legendären Vic Bergeron, der sie dafür durch die Bar spazieren ließ. Viele Stammgäste des Lokals kennt sie von Kindesbeinen an.

DIE SELBSTSÜCHTIGE COCKTAILSZENE

Seit die Gründer von Tales of the Cocktail Ann und Paul Tuennerman wegen Intrasparenz und angeblich ungemessenem Verhalten unter Beschuss gerieten, gibt es erhitzte Debatten in der amerikanischen Barszene über angebliche Mißstände in der Branche. Der bekannte Berater Eben Freeman äußerte sich diese Woche auf Facebook mit einem Rant, in dem er die Selbstverliebtheit der Branche geißelte und den geschäftlichen Aspekt der Bar betont. Leseprobe gefällig? „I am not saying Ann Tuennerman and Paul are blameless in the debacle but they had one night out, did one fucked up thing and they are taking hell from some dude who, before he was 6 months “sober”, simultaneously threw up and took a dump in the Monteleone pool.“ Ja, starker Tobak. Reinlesen lohnt sich.

Photo credit: Herr am Telefon via Shutterstock

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