Inventur am 14. Januar 2018

News 14.1.2018

Salz im Cocktail, Käse im Bier, ältere Destillate im Cognac und ein neues „Bartool“ im Zwiespalt – die zweite Inventur des Jahres ist da.  Und wann gehen Sie das erste Mal in eine barrierefreie Bar?

Herzlich willkommen zu den wichtigsten Nachrichten dieser Woche in der flüssigen Branche. Haben Sie sich schonmal gewundert, warum es so wenige Bars gibt, in denen man sich den Drink selber mixen kann? Dieses Thema – die „barrierefreie Bar“ – und sechs weitere versammelt unser Kollege Jan-Peter Wulf vom nomyblog in seiner Trendschau für das kommende Gastronomie-Jahr 2018. Wir starten nun allerdings mit noch mehr Hochprozentigem. Auf zur Inventur!

XO-Cognac wird älter

Und das ist nicht metaphorisch gemeint: Denn die Cognac-Industrie hat sich darauf verständigt, das Mindestalter für die prestigeträchtigen XO-Abfüllungen deutlich von 6 auf 10 Jahre Reifezeit zu erhöhen. Auch das Bureau National Interprofessionel du Cognac (BNIC), der wichtigste Interessenverband der Branche, unterstützt diese Maßnahme, die bereits seit 2011 vorbereitet wird, um Herstellern die Möglichkeit zu geben, ausreichend lang gereifte Destillate in entsprechender Menge vorzuhalten.

Mit dem Schritt passe man sich vor allem der Marktrealität an, heißt es u.a. in der Berichterstattung auf The Spirits Business, denn viele XO-Cognacs enthielten ohnehin zu einem großen Teil deutlich ältere Eaux-de-vies als solche mit 6 Jahren Reifung im Fass. Bis März 2019 gibt es zudem eine Übergangsregelung, die es den Herstellern erlaubt, auch noch „junge“ XO-Füllungen zu verkaufen – wenn diese bis zum Stichtag am 31. März 2018 abgefüllt sind. Und auch die haben ja bislang schon gut geschmeckt.

Salz – das potente Phantom im Cocktail

Dass Salz nicht nur in wirklich deftigen Cocktails eine Rolle spielen kann, ist in Fachkreisen keine echte Neuheit mehr. Denn die kleinen, weißen Kristalle wirken, wie wir mittlerweile wissen, schon in homöopathischen Dosen geschmacksverstärkend auf alles, was man mit ihnen würzt. Das gilt auch für Drinks.

Megan Krigbaum geht der salzigen Sache für PunchDrink in ihrem langen Beitrag noch einmal detailliert auf den Grund. Sie spricht dafür mit jenen führenden Bars und Bartendern, die seinerzeit zu den ersten gehörten, die Salz zu einer festen Säule in ihrer Cocktailarchitektur gemacht haben – z.B. mit Naren Young, dem Bar-Tüftler Dave Arnold und dem Team der Pariser Bar Little Red Door, in der jeder Cocktail mit einem Dash Salzlösung beginnt. Denn auch, wenn man es nicht schmeckt: Salz bringt jeden Drink noch ein Stück weiter nach vorn, wenn man Krigbaums Interviewpartnern Glauben schenkt.

Fünen: das Refugium der dänischen Bier-Rebellen

Kommen die beiden Stichworte „Dänemark“ und „Craft Beer“ zusammen, schallt meistens ganz schnell ein bestimmter Name durch den Raum: Mikkeller. Doch damit tut man der restlichen Brauszene unseres nördlichen Nachbarlandes Unrecht, denn zwischen Sønderborg und Großem Belt zaubern zahlreiche Kreativbrauer ihre Biere, die nicht nur köstlich, sondern aus Sicht des Reinheitsgebotes auch oft geradezu anarchisch sind.

Für die F.A.Z. und deren Bier-Blog hat Rob Kieffer sich auf eine der größten Inseln Dänemarks aufgemacht, die „Märcheninsel“ Fünen. Und dort macht er so etwas wie ein regelrechtes Kreativbier-Schlumpfhausen aus. Kieffer besucht eine ganze Reihe der lokalen Brauer, bei denen nicht nur der britisch-traditionelle Milchzucker ins Milk Stout kommt, sondern gut und gerne auch mal Mango, Chili und Käse in den Sudkessel wandern. Ein launiges Lesestück für kalte Sonntage, das definitiv Durst und Lust auf einen Kurztrip macht. 

Knock-knock, who’s there?

Ein kleines Kuriosum gibt es wie so oft zum Schluss: Die Meldung über ein neu entwickeltes „Bartool“ drehte Anfang der Woche die Runde durch die deutschsprachige Community. Der Name: Barknocker. Die Funktion: das Öffnen eines Shakers. Seine Gestalt: ein etwa Faustgroßer Quader, der je zur Hälfte aus Gummi und Holz besteht.

Entwickelt wurde das Tool vom bekannten Dresdner Bartender Niko Pavlidis, der seit vielen Jahren die Geschicke der dortigen Karl-May-Bar leitet. Der Gedanke hinter Barknocker, so die offizielle Pressemitteilung, sei die Schonung des Handgelenks beim Öffnen des Shakers. So weit, so gut. Die Reaktionen zahlreicher professioneller Bartender auf dieses neue Tool war in den Sozialen Medien bislang allerdings eher – positiv ausgedrückt – erheiternd. Wer denn sowas brauche, heißt es dort vielfach samt Lach-Emoji. Und ob man dann jetzt zum Verschließen des Shakers auch einen Schweißbrenner brauche. Zwecks Shaker-Öffnung machen dann auch Fotos von Gummihämmern oder Ziegelsteinen die Runde.

Ob man so ein Tool bei sorgsamer Arbeitshaltung wirklich braucht? Oder ist die hämische Kritik an der vermeintlichen Innovation berechtigt? Die Wahrheit liegt wahrscheinlich (und wie meistens) irgendwo dazwischen. Wer sich ein Bild vom Barknocker machen will, der auch eine orthopädische Beglaubigung seines Nutzens erhalten hat, kann das hier tun.

Photo credit: via Shutterstock

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