Please Don’t Tell, Jim Meehan im Gespräch

News 16.6.2014

MIXOLOGY ONLINE hat sich mit Cocktailhistoriker und Bartender Jim Meehan unterhalten. Er ist Teil des Gespanns um die New Yorker Bar Pdt- Please don’t tell, Verfasser des Cocktailbuchs Pdt: The Cocktail Book. und blickt für uns zurück und voraus.

Jim Meehans Geschichte beginnt im Wisconsin der Neunziger Jahre, damals noch Absolvent der Afroamerikanischen Studien und der Englischen Literatur und auf dem besten Weg selbst zu unterrichten. Meehans Mutter arbeitete als Lehrerein und diente ursprünglich als Orientierung.  Die Frage, warum er das Studium zwar beendete aber dem Weg hinter die Bar folgte beantwortet Meehan so: „Ich sah bei meiner Mutter, dass sie viel arbeitete und wenig Geld bekam. Außerdem beobachtete ich bei vielen, dass sie ihren Beruf nicht besonders mochten- mir hat das Bartending aber immer Spaß gemacht. Deswegen entschied ich mich dafür.“ Während seiner Studienjahre arbeitete Meehan als Tellerwäscher , Türsteher und auch hinter der Bar. Damals war er jedoch mehr mit Long Island Ice Teas statt hoher Cocktailkunst konfrontiert.

Gen Osten

Ein Jahr nach seinem Abschluss 2002 folgte Meehan schließlich dem Ruf der großen Stadt an der Ostküste. Die ersten Jahre in New York gestalteten sich schwieriger als gedacht. Das Berufsziel war für Meehan mittlerweile klar – die Bar sollte es sein. In New York beschäftigte man grundsätzlich nur Bartender mit „New York Bartending Erfahrung“, Meehan selbst hatte die noch nicht. Die ersten Schritte führten also in ein Restaurant, wieder als Tellerwäscher. Im Five Points Restaurant in Greenwich Village entdeckte Meehan dann seine Liebe zum Wein und wurde Sommelier. Etwas über ein Jahre später war Meehan dann Barmanager im PACE für rund 3 Jahre. Ergebnis seines persönlichen Erfolgsrezeptes „das Ziel im Auge behalten, harte Arbeit und Hartnäckigkeit“ ist, dass Meehan ab 2005 sowohl in der Gramercy Tavern und in Audrey Saunders Pegu Club hinter der Bar stand. In ersterer 4 Nächte pro Woche und eine Nacht im Pegu Club.

Bitte nicht weitererzählen

2007 war dann die Pdt Bar in einer ehemaligen japanischen Bubble Tea Lounge geboren. Eintritt durch Telefonzelle und durch Crif Dog, einem Burger und Hot Dog Laden. Brian Shebairo und Chris Antista kannten Meehan aus dem Pegu Club und holten ihn als Berater für Pdt ins Boot. Heute ist Meehan als Barmanager für die Cocktail Karte im Pdt verantwortlich. Er selbst war zu Beginn vehement gegen die Bezeichnung „speakeasy“ – denn das sind rein historisch betrachtet illegale Bars, die geschmuggelten Alkohol unter die Leute brachten. Man einigte sich schließlich auf „moderne speakeasy Bar“. Mit Meehan als Begründer des Konzeptes.

Und privat?

Die Entscheidung Meehans mehr Raum für Familie und Privatleben zu lassen, fiel kürzlich. Das ist etwas, das er in seiner aktuellen Lebenssituation mit Nick Strangeway gemeinsam hat. Den würde er auch als sein Vorbild bezeichnen: „Weil er ein echt netter Kerl ist und außerdem ein beeindruckender Geschäftmann. Allein die Kollaboration mit Absolut. Welcher Bartender darf seinen eigenen Vodka entwerfen?“ Und was wenn der Service stimmt, welcher Drink darf es dann sein? „Mein Lieblingsdrink ist immer der vor mir. Man muss das so sehen, dass jeder Cocktail ein Versuch des Bartenders ist, mit dir in Kontakt zu treten und zu kommunizieren. Es geht darum, mal selbst nur zuzuhören und den Drink auf sich wirken zulassen.“

Mit Einfluss kommt Verantwortung

Meehan selbst achtet jetzt mehr auf Gesundheit und einen ausgeglichenen Lebensstil. Und wo wir bei Zukunft sind, was ist Meehans Einschätzung zur Entwicklung der Szene? „Bartender werden zunehmend zu Stars. Besonders in den letzten Jahren hat sich viel getan und womöglich gibt es bald ganze Fernsehsendungen, die sich ähnlich wie bei Fernsehköchen um das Handwerk drehen.“ Aber er gibt auch gleich seine Bedenken mit. Denn mit großem Einfluss kommt große Verantwortung. Laut Meehan müsse die neue Bekanntheit der Bartender auch dazu führen, dass diese verantwortungsvoll mit der Aufmerksamkeit umgehen. Dann sieht der Cocktailhistoriker eine große Zukunft für den Beruf, aber „wenn sich weiterhin alle öffentlich betrinken und das Geschäft als einzige große Party sehen, dann ist es mit dem Ruhm auch sehr schnell wieder vorbei.“

 

Photo credit: Birte Filmer

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