Karussell der Nacht

Karussell der Nacht XIII

Bars 4.7.2016

Panta rhei – der Sommer läuft auf Hochtouren. Daher gibt es in dieser Ausgabe Neuigkeiten von Bremens höchster Dachterrasse mit Sascha Thieben und der Crew vom Le Croco Bleu im Panama.  Außerdem mit dabei sind Ferhat Akbiyik im Sodom & Gomorra, Hauke Thüring als neuer rivabar-Chef und der Wahl-Wiener Kuba Jarosiewicz als Brand Ambassador für Jägermeister. Auf geht’s!

Zu allererst aber in die Champagne. In den Gewölben des Hauses Gosset übernimmt Odilon de Varine fortan das Metier des Kellermeisters, nachdem sein Vorgänger Jean-Pierre Mareigner, der die Geschicke des Hauses über 30 Jahre lang leitete, überraschend verstarb. Der ausgebildete Önologe ist seit 2006 stellvertretender Geschäftsführer bei Gosset und wird dieses Amt ebenso fortführen wie das Erbe Mareigners: „Bei Gosset machen wir in erster Linie einen Wein, die Perlage hebt ihn dann auf ein höheres Niveau.“

Sascha Thieben: Erstmal ankommen

Von neuen Höhen ist auch bei Sascha Thieben die Rede, nach zugegebenermaßen „turbulenten Jahren“, wie er selbst sagt. Zu enge konzeptionelle Korsetts, Einschränkungen, Übernahmen oder Personalien – wie im Fall seiner letzten Wirkungsstätte dem Atlantic Hotel Wilhelmshaven – führten ihn im Juni nach Bremen, genauer gesagt in die höchste Bar der Hansestadt: Deck 20. Gelegen im Landmark Tower mit Blick auf den Europahafen und umlaufender Terrasse. Ein Ort zum Bleiben.

„Was ich zuerst nicht wusste“, sagt Sascha, „mein neuer Arbeitgeber ist grob gesagt auch mein alter Arbeitgeber aus dem Atlantic. Das ist, als würde man bei Siemens von der Bahnabteilung zur Schiffsabteilung wechseln, man bleibt ein Teil des Ganzen.“ Und als solcher freut er sich nun über ein Arbeitsumfeld, in dem die Rahmenbedingungen für ihn stimmig sind, es mixologische Entfaltungsmöglichkeiten gibt und sein neuer Chef wenig von Pouring-Verträgen oder Pflichtlistungen hält. Mit diesen Voraussetzungen hat sich der 37-jährige nicht nur das Ziel gesetzt, Kontakte besser zu pflegen, Gastbartender einzuladen und den Austausch der Szene zu fördern, sondern den Members Club Deck 20 zu einer Top Fünf-Adresse der Bremer Bars zu machen. Vor allem aber, ganz persönlich, „in den nächsten unmittelbaren Jahren nicht im Karussell aufzutauchen“,  lacht Sascha.

Ferhat Akbiyik: Phönix aus der Asche

Lachen kann man endlich auch wieder in Berlin, denn: Sie ist wieder da. Ein halbes Jahr, nachdem der Berliner Bar Sodom & Gomorra durch Feuer und dann Löschwasser der Garaus gemacht wurde, feierte das Torstraßen-Wohnzimmer Mitte Juni den Aufstieg aus der Asche. Mit dabei war, neben dem alten Barchef Cem Erzincan, auch ein neues Gesicht: Ferhat Akbiyik, der Inhaber der Kreuzberger Burlesque-Bar Prinzipal. Er bleibt zwar weiterhin Teilhaber in der Bar beim „Kotti“, wie er verrät, hat jedoch die operative Geschäftsführung aufgegeben und widmet sich nun eben diesem neuen Projekt.

„Mit Cem wollten wir schon immer was starten“, erklärt der gebürtige Türke, „wir haben das jetzt als Gelegenheit gesehen und die Bar Sodom & Gomorra mit ein paar neuen konzeptionellen Ideen wieder aufgebaut.“ Wie schnell dies mit vereinten Kräften von Freunden gelang, hat ihn am Ende selbst überrascht. Während seiner 20-jährigen gastronomischen Laufbahn in Istanbul und Berlin habe er viel gesehen, „aber in so einer kurzen Zeit so ein riesiges Wohnzimmer aufzubauen, das passiert mir zum allerersten mal.“

Kuba Jarosiewicz: Unter Hirschen

Eigentlich hatte sich Kuba zum vorerst letzten Tag als aktiver Bartender immer große Fanfaren gewünscht. Jetzt bläst dafür das Jagdhorn. Denn der gebürtige Deutschpole und Wahl-Wiener mit 17 Jahren Gastronomieerfahrung kümmert sich ab Mitte Juli als österreichischer Brand Ambassador für Jägermeister um die alpenländische Community. Eine Position, die bei den Wolfenbüttelern so gänzlich neu geschaffen wurde. Und für Kuba eine Heirat aus Liebe.

Schließlich „ist Jägermeister einfach mehr als ein Kräuterlikör“, beginnt er strahlend zu erklären. „Da ist so viel Handwerk, Gemeinschaft und meine persönliche Erfahrung, Leidenschaft und Liebe zum Produkt.“ Und so musste man ihn auch gar nicht lange bitten, die Barjacke im The Bank an den Nagel zu hängen. Damit aber künftig auch andere Bartender und Gäste die Marke so wahrnehmen wie er, möchte Kuba zeigen, dass Shots und Flying Hirsch keineswegs die Spitze sind. Geplant sei es vor allem, den österreichischen Hubertus Rat zu stärken und zu erweitern und „Bartender und Gäste mit Drinks dort ‚abzuholen’, wo sie es nicht erwartet hätten“, fährt er fort. „Mein persönliches Ziel ist es, dass innerhalb der nächsten drei Jahre in jeder guten Bar Österreichs auch ein guter Drink mit Jägermeister zu haben ist.“ Um dies zu erreichen, steht er weiter an der Bar und bringt Leute zum Grinsen, wie er sagt. Nur eben auf der anderen Seite.

Croco-Crew: Oh, wie schön ist Panama

Berlin ist bekanntlich eine einzige Baustelle. Das gilt leider momentan auch für das Bötzow-Gelände und die dort beheimate Konzeptbar Le Croco Bleu. Und ebenfalls ganz nach Berliner Art dauert der Bau auf Bötzow natürlich länger als geplant, mindestens bis in die erste Hälfte des nächsten Jahres hinein. Um der Shaker-Abstinenz zu begegnen, ist nun fast die komplette Crew des blauen Krokodils nach Panama übersiedelt. Zwar nicht nach Mittelamerika, wohl aber in das so betitelte Bar-Restaurant-Projekt der Katz-Orange-Betreiber in der Potsdamer Straße. „Momentan“, fasst es Barchef Phum Sila-Trakoon zusammen, „bespielen Max Heidenreich und ich die Bar, Dennis Kraushaar gibt den Chef de Rang und auch Levent Lanzke wird noch zu uns stoßen.“

Auf der Cocktailkarte des neueröffneten Tresens stehen acht Signature-Drinks, alle eine Fusion aus exotischen kulinarischen Kulturen und Berliner Laissez-faire. Schließlich verstehe man sich in der Bar auch als eleganter Begleiter des Speisenkonzepts von lokalen Zutaten und fernen Einflüssen. Viele Portionen, ausgelegt zum Probieren und Teilen mit Freunden. Und auch hinter den Köstlichkeiten steckt kein unbekanntes Gesicht: die ehemalige Sous-Chefin des Rutz, Sophia Rudolph, wechselte als Küchenchefin in die Kochjacke des Panama. Das Ziel: ein Stern mit Berliner Leichtigkeit. Ob es dem Barteam letztlich leicht fallen wird, irgendwann wieder ins Le Croco Bleu zu wechseln, wollte jedoch noch niemand beantworten.

Hauke Thüring: Die Chance genutzt

„Ich liebe die rivabar und die Idee, die hinter dem ganzen steht“, schwärmt der gebürtige Kieler Hauke Thüring. Kein Wunder! Schließlich darf er sich seit Juni Barchef dieser Berliner Institution am Hackeschen Markt nennen. Wie es dazu kam? Eigentlich wie immer: „Man nimmt sich vor, etwas gänzlich Neues anzufangen, aber die Umwelt hat sich gegen einen verschworen und lenkt einen wieder zu dem, was man am besten kann“, scherzt der 27-jährige. Tatsächlich habe er einfach gemerkt, dass dies eine einmalige Chance sei, sich in der Barwelt zu beweisen.

Ganz ohne unnötige Allüren möchte er nun die Tradition der Bar fortführen und Berlinbesuchern, langjährigen Stammgästen und Nachtschwärmern ein guter Gastgeber sein – so wie er es in der rivabar bereits seit mehr als zwei Jahren praktiziert. „Und genau dafür bietet die Bar ja auch so viel“, sagt er, „egal ob für den Touristen, der einfach einen guten Sex on the Beach trinken will, oder für den versierten Barfly, welcher bei einem Leap Year Cocktail wie im Savoy entspannen und sinnieren möchte.“

Marc Mirgel: Chef in der Schweiz

Schließen wollen wir mit einer Meldung aus der Schweiz. Denn Spirituosenmarktführer Diageo räumt dem eidgenössischen Markt fortan eine größere Bedeutung ein und baut daher das Management aus: Als Country Manager steuert nun seit Mitte Juni Marc Mirgel die Konzerngeschicke von Lausanne aus. Der 43-Jährige übernimmt die neugeschaffene Position, nachdem er zuvor mehrere Jahre in Diageos Global Duty Free-Abteilung diverse Positionen in Europa und den USA bekleidete. Insgesamt ist er seit 1997 im Dienst für den Multi. Für Veronika Rost, Country Director Deutschland, Österreich und Schweiz, ist es der Schritt, um nach „hervorragenden Ergebnissen in Deutschland und Österreich auch unseren Kunden in der Schweiz zusätzlichen Mehrwert über alle drei Verkaufskanäle hinweg bieten zu können.“

Wenn sich das Karussell der Nacht für Sie bereits gedreht haben sollte, Sie Tipps und Vorschläge für aktuelle Personalwechsel der flüssigen Szene haben, freuen wir uns jederzeit über Informationen an: christian@mixology.eu

Photo credit: Karussell viaShutterstock.

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