Master Of American Whiskey

FÜNF! Gedanken zum Master Of American Whiskey

News 26.2.2017

Brown-Formans großes neues Wettbewerbskonzept Master Of American Whiskey brachte diese Woche das Halbfinale in Hamburg über die Bühne. Wir waren vor Ort. FÜNF! Beobachtungen zu diesem umfassenden Format, das vielversprechend startet.

Master Of American Whiskey, noch ein Wettbewerb. Man mag von Cocktail-Competitions halten, was man will – ihr Zulauf jedoch ist unbestritten. MIXOLOGY durfte bei der zweiten Ausscheidungsrunde von Brown-Formans großangelegtem neuen Konzept in Hamburg mit vor Ort sein. Wir fassen FÜNF! Beobachtungen vom Halbfinale zusammen.

1) Choreographie ist gut, Spontanität und Sicherheit sind besser

Der erste Abend des zweitägigen Events ging für die 16 Halbfinalisten des Master Of American Whiskey-Programms mit einem Überfall zu Ende: Am späten Abend erfuhren sie, dass sie statt des erwarteten Nightcaps im The Rabbithole hinter den Tresen mussten, um der Jury in einem spontanen Gespräch einen Drink empfehlen zu müssen. Ein klassischer Anlass bei einigen Competitions, der bei manchen Teilnehmern stets zu langen Gesichtern führt. Keine Frage – plötzlich und unerwartet an einem fremden Mixplatz zu stehen, ist eine Herausforderung. Aber kein Ding der Unmöglichkeit.

Schließlich gehören auch Sponanität und der Umgang mit neuen Situationen integral zum Bartender-Beruf. Kein Juror wird erwarten, dass die Handgriffe bei solch einer Challenge sitzen wie in der eigenen Bar. Gleichzeitig konnte die Jury beobachten, dass – obwohl alle gängigen Zutaten zugänglich und vorhanden waren – am fremden Tresen gerade der Umgang mit klassischen Drinks hapert: Ein einziger, kleiner Dash Bitters für zwei Old Fashioneds? Eine kleine Schaufel Eis, um zwei Manhattans zu rühren? Zwei flache Barlöffel Zuckersirup auf zwei Whiskey Smashes? Das Ergebnis sind unbalancierte, einseitige Drinks. Dabei sollte der sichere Umgang mit klassischen Whiskey-Rezepten, wie sie hier gefragt waren, eine Formsache sein. Erst Recht bei einer Competition zum Thema American Whiskey. Auch hinter einem fremden Tresen.

2) Die kleinen Städte ziehen weiter nach

Die Vormachtstellung von Bartendern der fünf großen Bar-Städte Berlin, Hamburg, Frankfurt, München und Köln wird bei Competitions zwar nicht aufgehoben. Aber mehr und mehr wird es zum Standard, dass Bartender aus kleineren Städten mit noch wenigen guten Bars auf Augenhöhe mitspielen. Schon bekannt von unserer eigenen Made in GSA Competition, ließ sich dieses Phänomen nun auch beim Master Of American Whiskey bestens beobachten und bestätigen.

Mit Florian Druck-Jacobsen (Liquid Bar, Tübingen) und Tobi Lindner (The Old Jacob, Bonn) schafften es denn auch gleich zwei junge Bartender aus Städten mit noch sehr wenigen Bars in den Kreis der fünf Finalisten, die im April zum Finale nach Kentucky und Tennesse reisen dürfen. Doch damit nicht genug: Tobi Lindner aus Bonn belegte beim Halbfinale gar in der Endabrechnung den ersten Platz – u.a. vor seinen Mitfinalisten aus Max Martini (Gekkos) und Christian Schroff aus Frankfurt sowie dem Kölner Paul Thompson (Ona Mor). Einzig verwunderlich war vielleicht, dass kein Master Of American Whiskey-Halbfinalist aus dem Mini-Bar-Wunderland Bamberg dabei war.

3) Bei Vorträgen hapert es noch – inhaltlich

Man sollte meinen, dass es gerade Bartendern kein Problem bereitet, vor einer handvoll Menschen einen Kurzvortrag zu halten. Schließlich besteht ein nicht unwesentlicher Teil der täglichen Arbeit hinterm „Brett“ aus nichts anderem als dem freien Gespräch under Vermittlung von Fakten und Tatsachen über Barprodukte.

Daher soll gar nicht bemängelt werden, dass Nervosität sich immer einschleicht – der zittrig geführte Jigger ist ein Stammgast bei Wettbewerben. Die Teilnehmer beim Halbfinale vom Master Of American Whiskey jedoch mussten der Jury ein Kurzreferat zu einem Thema der Wahl rund um die Welt des American Whiskey präsentieren. Erstaunlich daran waren weniger die teils sehr holprigen Vorträge, sondern der unsouveräne Umgang mit der Materie: rund drei Viertel aller Vorträge schilderte nichts anderes als die Herstellungsstufen von Bourbon oder Tennessee Whiskey, und das Teils mit groben inhaltlichen Fehlern. Nur sehr wenige Teilnehmer setzten einen wirklichen Fokus, und nur zwei mit einer wirklichen inhaltlichen Zielsetzung: „Was passiert im Fass?“ und „Wie arbeiten die unterschiedlichen Getreide?“ waren die einzigen Vorträge, die zeigten, dass der Referent sich in einen spezifischen Aspekt eingearbeitet hatte, anstatt im vom Veranstalter geschenkten Buch die Etappen der Whiskeherstellung im Allgemeinen herunterzubeten. Daran ist nichts schlecht, aber wer sich Master Of American Whiskey nennen möchte, sollte mehr Begeisterung zeigen.

4)  Es zählt die Leistung, kein Pomp

Einer der positivsten Aspekte des Master Of American Whiskey-Formates ist der lockere Grundton der Veranstaltung – kein Pomp, kein Galadinner, keine pathetischen Reden der Gastgeber. Stattdessen eine flächige, handwerklich fokussierte Veranstaltung mit einem klaren Fokus auf Zwanglosigkeit und Freundschaftlichkeit.

Für alle Beteiligten fühlten sich die zweit Tage in Hamburg (und auch schon die erste Runde im brandenburgischen Nauen im Herbst letzten Jahres) nicht an wie ein Event, sondern wie ein konzentriertes Aufeinandertreffen im lockeren Rahmen. Und auch die einzelnen Challenges waren so angelegt, dass die Leistung im Vordergrund stand: keine Bühnen, keine pompösen Backdrops, sondern ein intimer Rahmen. Ohne Maßanzug, ohne Medienglamour. Genau so wie das familiäre geimeinsame Abendessen am langen Holztisch eine Wohltat.

5) Master Of American Whiskey: Mehr „Programm“ als Wettbewerb

Freilich wird es am Ende der langen Master Of American Whiskey-Reise einen Gewinner geben, eben den „Master“. Dennoch legen die einzelnen Etappen des Master Of American Whiskey eindeutig den Fokus darauf, mehr ein Weiterbildungsprogramm für alle Beteiligten zu sein als einfach nur ein Wettbewerb. Das galt bereits für die erste Runde in Nauen, wo in praxisbezogenen Workshops die Entstehung des Whiskeys vom Getreide bis ins Fass greibar erarbeitet wurde.

Auch das Halbfinale vom Master Of American Whiskey setzte am ersten Tag ausschließlich auf Weiterbildung, mit Vorträgen und Blindverkostungen, die die fachliche Kompetenz aller Teilnehmer ausbauen. Die Competition an sich ist wohl ehr der zusätzliche Ansporn, diesem Angebot besonders aufmerksam zu folgen. Hoffen wir, dass dieser Aspekt des Master Of American Whiskey-Wettbewerbs auch in Kentucky bleiben wird.

Offenlegung: Medienpartnerschaft

Photo credit: Alle Bilder via Brown-Forman / Monkey Pictures

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