Doppelter Jörg Meyer, halber Tim Mälzer.

Notizen 2.9.2012 2 comments

Ein Fernsehkoch auf Irrwegen. Tim Mälzer mit Hamburger Wirkungsstätte hat sich jetzt auch mal am Plagiat versucht. Der hinreichend bekannte Gin Basil Smash, kreiert von Jörg Meyer in seiner Bar Le Lion, wird fett angepriesen als Tims Basil Smash.

Am 11. August poppte ein merkwürdiger Post auf der Fanseite von Tim Mälzer auf. Offensichtlich, um seine erste Kochsendung nach der Sommerpause auf der ARD anzuteasen, ließ er sich – ob aus Unkenntnis oder aus Dreistigkeit – dazu hinreißen, den Gin Basil Smash als seine Rezeptur auszugeben.

Prinzipiell ist es ja eine gute Entwicklung, wenn sich Köche und Bartender austauschen, für die jeweilige andere Arbeit interessieren und sich befruchten. Es ist ja ein alter Hut, dass die Küche die Bar in einigen Bereichen inspiriert hat. Foodpairing, Cuisine Style und Molekulardrinks seien hier nochmals genannt.

Punkrock-Kochen

Und auch Tim Mälzer ist oft andere Wege gegangen. Er stilisierte sich gerne als der etwas andere Fernsehkoch mit Outlaw-Gestus. Durchaus sympathisch bewegte er sich zwischen sterneambitionierter Erbsensuppe-Hausmannskost, Jamie Oliver-Punkkochen, das immer so aussah, als seien wir noch Jugendliche, die sich in Ermangelung anständiger Wasserpfeifen aus dem teuren Headshop Erdlöcher gruben und Äpfel schnitzten, um unser Haschisch zu rauchen. Jedenfalls hoher Unterhaltungswert, vor allem im Vergleich zu den anderen Kochsendungen, insbesondere zu den stinklangweiligen Kochshows a lá Lafer-ist-mal-wieder-beleidigt, Lichter-ist-mal-wieder-witzig-geht-nicht-mehr-schlichter und ein eitler VAU-verhinderter-Rockstar-Kleeberg-Pfau bei den Schaumschlägern Kerner oder Lanz. Originell und rockig eben und nichts für die plagiierten Rezeptsammlungen der alerten Hobby-Weltköche in Reihenhäusern und Akademikerreihen.

Nur die Größe zählt

Da es ja in akademischen Kreisen nun immer populärer wird sich des lustvollen Plagiierens hinzugeben, hat auch Herr Mälzer alle Hemmungen fallen lassen und klaut dem Meyer die Idee. Natürlich hat auch Jörg Meyer kein Patentrecht auf den Gin Basil Smash und es gab bereits andere Personen, die die Urheberschaft beansprucht haben, aber er hat ihn ohne jeden Zweifel populär gemacht und in den Rang eines Klassikers erhoben.

Daher hagelte es natürlich auch gleich hämische Kommentare auf Mälzers Fanseite. Was dort geschrieben wird, hat Hand und Fuß. Was soll der lapidare Kommentar „unbedingt ausprobieren und lange ziehen lassen“? Wie lange denn, bis das Eis geschmolzen ist? Mancher verballhornte seinen Namen schon in „Schlimm Mälzer“. Wie dem auch sei: Jörg Meyer zeigte sich auf Nachfrage eher amüsiert. „Ich schätze ihn sehr und er ist auch häufig im Le Lion zu Gast. Meist trinkt er auch eine Gin Basil Smash.“ Irritierend ist allerdings das Rezept mit Boris Jelzin verdächtigen 12 cl Gin, also der doppelten Menge des Üblichen. Jörg Meyer kann auch hierüber nur schmunzeln und wäre höchstens etwas pikiert, sollte Mälzer anfangen diese Mischung in Dosen abzufüllen und mit einem großen Industriepartner zu vertreiben. Allerdings würden diesen Drink ohnehin nur wenige überleben und auch keinesfalls einen weiteren kaufen.

Jörg Meyer wies noch auf einen ganz anderen wichtigen Aspekt hin. „Alkohol, insbesondere Spirituosen, findet medial nur mit der verklemmt-mantrahaft vorgetragenen Formel „verantwortliches Trinken“ statt. Und nun wird zur besten Sendezeit den Familien ein Elefantentöter als leckerer Drink anempfohlen. Das muss man erst mal bringen.“

Wir haben jedenfalls unseren Spaß gehabt und freuen uns über weitere Großwild-Cocktailrezepte aus dem Hause Mälzer. Vielleicht mal Tims Moscow Biltong mit familienfreundlichen 14 cl Vodka. Größe zählt eben doch und nach dieser Leistung macht sich Herr Mälzer mithilfe des doppelten Meyers in den Augen des Connaisseurs zum halben Mälzer.

 

2 comments

  1. Jean-Pierre Ebert

    Witzig (geschrieben), Herr Orschiedt.

    Alles andere ist nicht der Rede wert. Andererseits, wie langweilig wäre es ohne diese unbedeutenden Kleinigkeiten.

    Sonnigen Gruss,
    Jean-Pierre Ebert

    p.s. Wann wird die Auflösung der impliziten und süffisanten Frage nachgereicht, wer sich mit welchen Federn schmückt?

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