Ein Portrait. MIXOLOGY ONLINE im Gespräch mit Cihan Anadologlu.

Porträts 4.3.2013 3 comments

Cihan Anadologlu ist fest verwurzelt in der Münchner Barszene. Nach mehreren Stationen in der bayerischen Hauptstadt steht er inzwischen schon seit zwei Jahren hinter dem Tresen im Schumann‘s. Von Schnick Schnack hält er nicht viel. Sein Fokus liegt auf der Technik und der Qualität der Zutaten.

Wie kamst Du das erste Mal mit der Welt der Bars in Berührung?

Ich war auf einem Camp in den USA-New Jersey für Basketball eingeladen und bin anschließend nach New York umgezogen und habe durch familiäre Kontakte erste Einblicke in die 5 Sterne Hotellerie bekommen. Da hat mich die Barwelt derart fasziniert, dass ich davon bis heute nicht mehr losgekommen bin.

Was ist Dein beruflicher Werdegang?

Wie oben beschrieben fing ich in NYC an, ging anschließend nach London um meine Englischkenntnisse zu vertiefen. Als ich nach München kam, startete ich bei der Mandarin Oriental Hotel Group und machte ein, wie man es heutzutage nennt, „Hospitality Management Training“, das ich mit einer 1,3 abgeschlossen habe, Praktika in Hong Kong inklusive.  Danach wechselte ich eine Straße weiter in eine der ältesten Bars in München, in die Pusser´s New York Bar (ehemals Harrys New York Bar) und war ein Jahr mit Bill Deck unter einem Dach. Dann bekam ich das Angebot, noch mal eine Straße weiter, als Barchef im Hotel Vier Jahreszeiten Kempinski München zu arbeiten. Nach tollen vier Jahren mit dem Barmanager Florian Fischer ging es zwei Blocks weiter in den Hofgarten. Seit zwei Jahren ist mein neues Zuhause das Schumann´s. Seit Kurzem habe ich zudem meine eigene Consulting Firma Little Chans gegründet.

Für was interessierst Du Dich außerhalb der Arbeit hinter der Bar? Hast Du Hobbys?

Ja, ohne einen Ausgleich ist unser Beruf meiner Ansicht nach kaum möglich. Ich mache viel Sport und spiele immer noch ab und an Basketball und boxe gelegentlich (Die Küche im Schumann´s ist der Ring). Außerdem bin ich ein begeisterter Sammler von alten antiken Barbüchern und besitze mittlerweile so um die 700  Stück (inklusive der aktuellen). Zudem koche ich sehr gerne – ich glaube, wenn ich nicht Barmann geworden wäre, dann wäre ich Koch.

Was ist Dein Lieblings-Cocktail?

Ich habe keine Lieblingscocktails, ich mag es gerne einfach mit wenigen Zutaten und ohne viel Schnick Schnack, obwohl das manchmal auch sehr interessant sein kann. Am Frühabend immer einen Campari Drink danach trinke gerne Jack Daniels Single Barrel auf Eis oder einen Highball. Dazu ein gutes Bier rundet das Ganze noch mal ab. Wenn Cocktails dann meistens mit Bourbon/Rye oder Gin & Vodka.

Was ist Deine Lieblingsbar?

Ich mag alle Bars in denen ich mich wohlfühle, doch unsere „Brothers Bar“ das Employees Only in NYC ist schon ein Ort, an dem ich mich sehr wohlfühle.

Was ist Dein Lieblings-Club/Dive Bar/Kneipe?

Ich gehe nicht mehr in Clubs, da habe ich kein Interesse mehr dafür. Falls ich im Ausland bin und jemand mir einen guten Tipp gibt, wo es noch zumutbare und anständige Longdrinks gibt, bin ich nicht abgeneigt mal einen Blick reinzuwerfen.

Hast Du Vorbilder im Barbereich, wenn ja welche?

Weggefährten würde ich sagen. Da wäre einmal Mauro Mahjoub, der wesentlich zu meiner Karriere beigetragen, mich immer unterstützt und weiterhin mit Rat und Tat jederzeit zur Seite steht. Durch die Auslandsreisen mit ihm quer durch die Welt habe ich sehr viele interessante Menschen kennengelernt. Und natürlich Charles Schumann. Diese Schule ist unbezahlbar, es ist ein Geben und Nehmen, außerdem würde ich gerne in diesem Alter auch noch so gut aussehen und fit sein. Ich denke, das kriege ich hin.

Von welchen Bartendern würdest Du Dir blind einen Cocktail mixen lassen?

Von jedem, die Augen ganz verschließen würde ich aber bei Philip Bischoff (Amano Bar) und Mario Zils (Schumann´s Bar).

In welcher Situation würdest Du eine Bar sofort verlassen?

Da muss schon wirklich was vorfallen, so einfach kriegt man mich nicht aus einer Bar raus.

Was steht in Deinem Traum-Speed-Rack?

Wir haben zwar kein Speed-Rack, dennoch meine bevorzugten Spirituosen.

Gin: Fords Gin & Tanqueray No.10

Bourbon: Woodford Reserve

Rye: Sazerac 18y & Whistle Pig

Vodka: Grey Goose & Russian Standard

Rum: Banks 7 & Ron Bacardi 44,5 %

Tequila: Herradura Blanco & Don Julio Anejo

Blended Scotch: Black Label Johnnie Walker

Wermut: Cocchi

Cachaça: Armazem Viera

Worauf hast Du Dich spezialisiert, was kannst Du besonders gut an der Bar?

Jeder hat seinen eigenen Stil und eigenen Fokus. Ich persönlich mag es sehr gerne, mit einer guten Technik an der Bar zu arbeiten und bin gerade dabei seit ein paar Jahren viel mit der Küche zusammenzuarbeiten. Charles Schumann sagt: „Der Cihan kann viel essen und Cocktails mixen.“

Platzierungen bei Cocktail- oder Bartender-Competitions?

Finde ich toll, war aber nie meine Welt.

Vielen Dank für das Gespräch.

3 comments

  1. Pingback: Abgehört in der Speakeasy Bar | Alex Speakeasy Bar

Schreibe einen Kommentar

Ähnliche Artikel