Ein Portrait. MIXOLOGY ONLINE im Gespräch mit Harry Glockler.

Porträts 30.7.2012 3 comments

Der gebürtige Brite, Harry Glockler, lebt und arbeitet derzeit in Berlin und bastelt an seiner internationalen Karriere. Sein zurückhaltendes Wesen macht ihn nicht nur zu einem charmanten Gastgeber. Auch fachlich hat der Gin-Liebhaber einiges zu bieten. Wir haben mit ihm gesprochen.

Wie kamst du das erste Mal mit der Welt der Bars in Berührung?

Mein Vater, Geoffrey Glockler, war Bartender im Ritz Club Casino und später dann im Connaught Hotel. Meine Mutter arbeitete als Flugbegleiterin. Meine Eltern waren also beide im Gastgewerbe tätig. Ich wurde damit groß, gute Drinks wertzuschätzen. Ich habe mich eigentlich erst gegen Ende meiner Studienzeit dazu entschlossen, selbst Bartender zu werden. Während ich mich durch Mathematik und Philosophie las, entdeckte ich die Hausbar in Bristol von Aurelius Braunbarth, wo ich dann letztendlich auch die Kunst des Cocktail-Mixens erlernte.

Dein beruflicher Werdegang als Barmann?

  • Ab August 2012: Becketts Kopf Bar zur Verfeinerung der Sinne, Berlin, Bartender
  • März – Juli 2012: rivabar, Berlin, Bartender
  • Juli 2010-Januar 2012: The Rivoli Bar at The Ritz London, Bartender
  • März 2008-Juli 2010: Hausbar, Bristol, Bartender

Für was interessiert du dich außerhalb der Arbeit hinter der Bar? Hast du Hobbies?

Ich interessiere mich für Theater. Außerdem reise ich sehr gerne und schwimme viel.

Was ist dein Lieblings-Cocktail (Mischgetränk)?

Longdrink: Bristol Classic Rum mit Tonic, Eis und Limette
Cocktail: Negroni

Was ist deine Lieblingsbar?

Das ist schwierig, aber in Berlin würde ich mich für den Rum Trader in der Fasanenstraße entscheiden.

Was ist dein Lieblings-Club/Dive Bar/Kneipe?

Club: Das Jimmy’z in Monaco
Dive bar: The Pink Chihuahua (aka Dick’s Bar) in London, wenn mir der Sinn nach Tacos und Tequila steht
Pub: The Red Lion in West Sussex. Dort gibt es gutes, englisches Bier und Fans des Morris Dance.

Um mich zu entspannen und zu relaxen bin ich gerne in der Mackies Pool Bar auf Kefalonia. Dort lebt meine Mutter.

Hast du Vorbilder im Barbereich, wenn ja welche?

Aurelius Braunbarth (Besitzer der Hausbar in Bristol) und Luca Cordiglieri (Bar Manager des China Tang in London und UKBG Vize-Präsident). Das sind die Menschen zu denen ich in dieser Szene gerade am meisten aufblicke. Auri hat mich dazu inspiriert überhaupt Bartender zu werden, beide haben schon im Ausland gelebt und gearbeitet. Sie haben die Spitze der Bartender-Profession erreicht und sind dennoch bescheiden.

In welcher Situation würdest du eine Bar sofort verlassen?

Wahrscheinlich wenn der Gin knapp wird – ganz sicher aber, wenn in der Bar keine Frauen vertreten sind.

Was steht in Deinem Traum-Speed-Rack?

  • Vodka: Ketel One (vollmundige Textur und weiße Pfeffernoten)
  • Gin: Booth’s (ein Favorit der Königin Mutter)
  • Tequila/Mezcal: Tapatio Reposado / Del Maguey Minero (sehr frisch und weich im Geschmack)
  • Bourbon (anstelle von Bourbon hätte ich einen texanischen Blue Corn Whisky): Balcones Baby Blue Corn, (einmalig schmackhaft)
  • Rum (light/golden): Diplomatico Blanco Reserva (Venezuela)/RL Seales 10yo (Barbados)
  • Scotch/Irish: Tobermory 10 y (Isle of Mull)/Locke’s 8 y

Worauf hast du dich spezialisiert, was kannst du besonders gut an der Bar?

Ich denke ich bin mehr Musiker als Komponist. Das bedeutet, dass ich besser darin bin, klassische Drinks zu perfektionieren als sie tatsächlich selbst zu kreieren. Mein Mixing-Style ist auch mehr klassisch, die Technik ist für mich sehr wichtig. Ich denke ich kann gut mit Gästen umgehen, allerdings sind meine Gastgeberqualitäten mehr diskret als es heutzutage vielleicht „in“ ist. Man sagt oft, die Bar sei das Theater – wenn das so ist, denke ich, dass die Gäste die Stars der Show sein sollten, nicht der Bartender.

Deutsche Bartender neigen dazu alte, historische Cocktails zu mixen und diesem Trend schließe ich mich gerne an, denn es ist unglaublich wichtig für junge Bartender die Wurzeln der klassischen Drinks zu kennen. Es ist essentiell zu verstehen, was einen Cocktail ausmacht, die Inhaltsstoffe und die Struktur zu kennen. Ich persönlich bin allerdings weniger an molekularen Techniken und maßgeschneiderten Ingredienzien interessiert. Ich habe keine Zeit für Flair-Bartending, aber ich glaube an dirigierte Bewegungen hinter dem Tresen, die jedem Drink etwas von der Eleganz, der Effizienz und vor allem der Freude am Mixen einhauchen. Aufmerksamkeit ist hier für mich das Stichwort.

Platzierungen bei Cocktail- oder Bartender-Competitions?

  • Diageo World Class 2012: Gobaler Finalist (Rio de Janeiro, July 2012), Gewinner für Deutschland bei den Western Europe Finals (London, May 2012)
  • G’Vine Gin Connoisseur Programme 2012: Globaler Finalist (Cognac, June 2012), höchste Punktzahl weltweit für Gin-Blindverkostung (Berlin, April 2012)
  • UKBG Young Bartender of the Year 2010: 3. Platz
  • Beefeater 24 South-West of England competition: Gewinner (Bristol, 2010)
  • UKBG Thames Valley/Grand Marnier competition: Gewinner (Dorset, 2010)
  • 42 Below Cocktail World Cup: Nationaler Finalist (London, 2009)
  • Cazadores Tequila South-West of England competition: Gewinner (Bristol, 2009)

Wo siehst du dich in 10 Jahren?

Das ist schwierig. Nach Berlin würde ich gerne mehr über japanische Gastgeberqualitäten und die dortige Cocktail-Kunst erlernen. Außerdem könnte ich mir vorstellen in Moskau oder irgendwo in Italien zu arbeiten und zu leben. Ich möchte nicht zurück nach Großbritannien, bevor ich 30 Jahre alt bin. Ich würde auch gerne mal nach Buenos Aires fliegen um dort den Tango Tanz zu erlernen. In der Zukunft könnte ich mir auch vorstellen, Geschichte zu unterrichten.

Vielen Dank für das Gespräch.

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