Dichtender Bartender zwischen Berlin und Paris. Oscar Coop-Phane im Portrait.

Porträts 21.4.2013

Gewöhnlich werden in dieser Rubrik Literaten und Künstler vorgestellt, die der Nacht und ihren Genüssen oder Exzessen verfallen, aber bereits der Zeit entflohen sind. Diesmal porträtieren wir den jungen Bartender, Gin-Liebhaber und Schriftsteller Oscar Coop-Phane.

UNINSPIRIERT – kein Problem für den 24jährigen Autor und Bartender Oscar Coop-Phane, der als Preisträger des Prix de Flore 2012 nur das berühmte Pariser Literatendomizil Café de Flore aufzusuchen braucht, wo man ihm dann ein Glas Pouilly-Fumé kredenzt – in einem Glas, in das sein Name eingraviert wurde. Wenn ihm also der Geist des Ortes nicht auf die Sprünge hilft, dann der Geist aus der Flasche.

Oscar Coop-Phane, ein junger Mann aus bester Familie mit einem Faible für die Gosse, beschreibt in seinem 128 Seiten Erstling Zenith-Hotel einen Tag im Leben einer hart arbeitenden Straßenprostituierten. Sein zweiter Roman Demain Berlin (und dann Berlin), der im Januar 2013 erscheinen wird, ist das Ergebnis eines in Berlin verbrachten Jahres, der Stadt, in der er auch seine Protagonisten Tobias, Armand und Franz ansiedelt. Entstanden ist er in der Prenzlauer Berg Bar Haliflor.

Sie haben ein Studium und ein paar Lehr-und Wanderjahre hinter sich gebracht. Was hat Sie veranlasst, die Stadt zu wechseln? Wanderlust? Eine Frau?

Genau das, eine unglückliche Liebe – ich wollte nur noch weg und hab mich nach Berlin abgesetzt.

Anscheinend haben Sie sich für eine Schriftstellerkarriere entschieden, oder gibt es auch noch einen Plan B oder C?

Nein, es gibt weder einen Plan B noch einen Plan C. Ich hab mir mit neunzehn vorgenommen zu schreiben und will das auch durchziehen. Nebenbei kann ich immer noch jobben.

Es gibt ungefähr 40 000 junge Franzosen in Berlin. Wie kommt’s?

Man hat einfach mehr Freiheit in dieser Stadt, hinzukommen die niedrigen Mieten. Außerdem ist Berlin gerade superchic.

Sind Berliner Nächte und Bars anders als die in Paris?

Ich spielte mal mit dem Gedanken, eine Art Feldrecherche durchzuführen und den verschiedenen Metropolen eine entsprechende Droge zuzuordnen. In Paris ist die Barszene ziemlich versnobbt – Kokain ist hier die Droge: Man redet und hört sich gerne reden. Berlin entspricht eher MDMA: Man genießt vor allem die Geselligkeit und legt auf eine gute Stimmung wert.In Paris wird man sich nie anmerken lassen, dass man sich amüsiert, schließlich käme einem Eingeständnis gleich, normalerweise nicht mit von der Partie zu sein. In Paris machen die Bars spätestens um 6 Uhr morgens dicht. Drei Tage hintereinander wäre hier undenkbar. Das bedeutet, man kann sich nicht in der Nacht verlieren.

Wo haben Sie in Berlin gearbeitet, und welche Bar haben Sie frequentiert ?

In Berlin war’s das Kim. Der Patron, ein wirklich netter Typ, ließ mich machen, und es störte ihn nicht, dass ich kein Wort Deutsch sprach. Zénith Hotel ist im Haliflor entstanden, wo es einen kleinen Rauchertisch gibt und eine hübsche Bedienung, die mir meinen Kaffee und ein exzellentes Schokoladencroissant brachte. Ich arbeitete dort jeden Tag mindestens vier Stunden an meinem Roman.

Die folgenden Fragen stammen aus dem berühmten Proust’schen Fragebogen. Oscar Coop-Phane erweist sich dabei als wahrer Snob.

(1) Meine Lieblingsbeschäftigung? Auf einer Couch liegen oder auf einer Terrasse sitzen und rauchen.

(2) Glück? für mich wäre das ein kleines Haus in einem Land mit einem angenehmen Klima; ich würde dort sechs Monate im Jahr schreiben, und gelegentlich eine Freundin kommen lassen (er sagt maitresse).

(3) Mein Lieblingsvogel? Vögel machen mir Angst. Sie sind tückisch.

(4) Meine Lieblingsschriftsteller? Bove, Calet, Hyvernaud, Dabit, Guérin und Proust.

(5) Meine liebste Romanheldin? Emma Bovary!

(6) Lieblingsessen und –drink? Gin und Tomaten.

(7) Wie ich am liebsten sterben möchte? Allein auf einem englischen Landsitz, ein Jagdgewehr und eine Ginflasche neben mir.

(Dieser Artikel erschien erstmals in MIXOLOGY Issue 1/2013. Das Printmagazin MIXOLOGY erscheint alle zwei Monate. Informationen zum Abonnement finden Sie hier auf MIXOLOGY ONLINE.)

Bildquelle:  aboutpixel.de / Brücken in Paris © stormpic

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