Wein aus der Wachau. Die Leiden des jungen Veyder.

Porträts 4.6.2012

Peter Veyder-Malberg, Wachauer Winzer mit deutschen Wurzeln, provoziert mit ungewöhnlich knochentrockenen Weinen. Zwar hat er schon Anhänger und Nachgänger gefunden, doch seine Radikalität stößt auf Grenzen.

Peter Veyder-Malberg steht auf einer Anhöhe über dem Ort Vießling in der Nähe von Spitz. Spitz liegt am westlichen Ende der Wachau und Vießling im so genannten »Spitzer Graben«, eine Seitenstraße nordwärts in die Kälte. Hinter Vießling wächst kein Wein mehr.

Die Wachau ist das traditionellste Weinbaugebiet Österreichs, vergleichbar mit dem Rheingau in Deutschland und dem Elsass in Frankreich. In der Wachau wächst vor allem Grüner Veltliner und Riesling. Der Veltliner ist die weiße Nationalsorte Österreichs, der Riesling ein Import vom Rhein, den man über die Jahre lieb gewonnen hat. Die Schiefer-Löss- Urgestein- und Kalkböden geben den Weinen der Region eine spezielle Mineralität, Wachauer Veltliner beispielsweise erkennt man schon am Geruch.

Die Wachau ist auch so speziell, weil es sich hier um eine Grenzregion handelt. Die Weinberge liegen meist an terrassierten Hängen, die sich zur Donau neigen. Doch hinter diesen Hängen beginnt der kalte Teil des Waldviertels, der Anstieg zur böhmischen Platte. Es kann sein, dass man im Oktober im Hemd durch die Weingärten spaziert, aber schon fünfzehn Minuten später und zweihundert Meter weiter den Wintermantel aus dem Auto holt. Diese kleinklimatische Extremität ist Gefahr und Chance zugleich; die Kühle wird in Zeiten der Klimaerwärmung zunehmend Trumpf.

Kühle wie ein Fluss im Hoffnungsland

Peter Veyder-Malberg steht hoch oben und blickt hinunter auf die Hänge im Spitzer Graben. Die Donau ist von hier aus nicht mehr zu sehen. Malberg erklärt das Dilemma der Gegend: dort ein neuer, dort ein ungepflegter, dort ein verfallener Weingarten. So schön es draußen am Fluss ist, so heruntergekommen wirkt es hier im Tal. Und trotzdem ist das Hoffnungsland.

Denn hier strömt die Kühle wie ein Fluss über die Hänge. Mittags noch heiß, nachmittags schon kalt. Das bringt in warmen Jahren spannende Weine. Peter Veyder-Malberg hat im Spitzer Graben ein paar Parzellen gekauft, kleine Stücke am Hang, die er in den letzten vier Jahren mühsam erworben hat. Malberg besitzt Terrassen und Gärten in der ganzen Wachau, oft winzige Schollen, die er alten Winzern mit Geduld abringen konnte. Denn eines gilt auch in der Wachau: Einen Neuen lassen wir nicht hinein. Nicht so schnell.

Malberg ist neu, Malberg ist ein Einzelgänger. Doch das ist alles nichts gegen den Provokateur Malberg. Denn Malberg sagt den alteingesessenen Winzern, dass ihre Weine keine richtigen, keine korrekten Weine sind. Unverblümt erklärt er die fetten und alkoholreichen Säfte zu einem Irrtum. Und keltert selbst völlig trockene, mineralische und botrytisfreie Weine, wie man sie derzeit gerne auch in Deutschland trinkt. Malberg ist die önologische Moderne. Doch braucht das die Wachau?

Nein, sagen einige Weinhändler und Gastronomen. Nein, sagen auch einige Winzer hinter vorgehaltener Hand. Ja, sagen vor allem Importeure aus Deutschland und Skandinavien. Ja, sagen inzwischen viele Weinliebhaber. Malberg hat tatsächlich eine Art Kulturkampf ausgelöst. Und er kennt keinen Kompromiss.

Dabei sieht er sich mit seiner Moderne als Kulturwächter einer traditionellen Wachau und holt zum Beweis eine Flasche alten Riesling hervor, gekeltert in den späten Achtzigerjahren, der lediglich 12,5 Prozent Alkohol aufweist. Und nicht 14,5 Prozent, wie manche Weine der Neunziger- und Nullerjahre. Malberg hält nicht die traditionelle Wachau für einen Irrtum, er kritisiert den Weg der letzten zwanzig Jahre; ein Weg, den seiner Meinung nach vor allem die Weinkritiker und Spitzenwinzer vorgegeben haben.

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