Die Preußische Spirituosen Manufaktur. Über den Zauber des Details.

Porträts 6.8.2012 2 comments

Wer sich schon immer mal ins Jahre 1874 zurück versetzen lassen und gleichzeitig ein authentisches Stück Berlin erleben wollte, ist bei der Preußischen Spirituosen Manufaktur am richtigen Ort. In preußischer Bescheidenheit werden hier in aufwendigen Verfahren klassische sowie außergewöhnliche Mazerate und Destillate hergestellt.

Es ist in der Tat eine kleine Zeitreise, der Besuch in der Preußischen Spirituosen Manufaktur (PSM) in Berlin. Die Manufaktur befindet sich seit 1874 im Originalzustand und die Faszination die dieser Ort auslöst, ist in jeder Ecke zu spüren. Heute fungiert sie auch als Museum und bietet Führungen mit Verkostungen an. Außerdem finden hier Aus- und Weiterbildungen, wie z.B. Aufbaukurse für Destillateure oder die fachliche Prüfung für den Destillateurmeister statt.

Wie alles begann

Ursprünglich war die PSM eine Versuchs – und Lehranstalt für Spirituosenfabrikationen. Sie wurde 1874 auf Kabinettsorder beschlossen und dem Chemiker Prof. Max Delbrück zur Leitung übertragen. Damals galt es, den Kartoffelpreis zu stabilisieren, indem Ernteüberschüsse der preußischen Bauern aufgekauft und zu Alkohol verarbeitet wurden. Dieser wurde zunächst zum Betrieb von Motoren verwendet.

Max Delbrück, damals ein Mitglied des Deutschen Patentamtes, übernahm neben der Leitung des Instituts auch den Aufbau des Schulungswesens für den deutschen Brenner – und Destillateurnachwuchs und entwickelte die Versuchslikörfabrik für das Segment Trinkbranntwein (heute PSM). Unter dem Namen „Adler Spirituosen“ (zu welchen auch der „Adler Gin“ zählt) unternahm er mit den dort hergestellten Spirituosen erste Gehversuche auf dem freien Markt. Spätere Nachfolgerprodukte hatten es aufgrund des staatlichen Branntweinmonopols und der Subventionen erheblich schwerer, sich ebenfalls auf dem Markt zu behaupten. Nach den beiden Weltkriegen und der schweren Nachkriegszeit, wurde es zunächst einmal still um die PSM. Erst im Jahre 2005, als Prof. Dr. Ulf Stahl, Dipl.-Ing. für Gärungstechnik und promovierter Mikrobiologe sowie der Dipl. Hotelier und langjährige Barchef Gerald Schroff beschließen, den Adler Gin von 1874 neu aufleben zu lassen und 2008 die gesamte Likörmanufaktur übernahmen, wurde der PSM wieder frisches Leben eingehaucht. Die beiden lernten sich durch einen (un)glücklichen Skiunfall kennen, bei dem zum Glück niemand ernsthaft verletzt wurde, dafür aber der Grundstein für die weitere, gemeinsame berufliche Zukunft von Ulf Stahl und Gerald Schroff gelegt wurde. „Als wir damals in einander gerasselt sind, hätte wohl niemand von uns gedacht, dass wir eines Tages gemeinsam eine Spirituosenmanufaktur leiten würden, zumal wir uns anfangs nicht unbedingt sympathisch waren“, so Gerald Schroff.

Wertvolle Schätze

Heute verbindet die beiden eine tiefe Freundschaft und die PSM steht auf mehreren Standbeinen. Neben dem Portfolio von 35 eigenen Produkten wie Gin & Vodka, Kräuter& Bitter, Geister & Brände, Kümmel & Klare sowie Liköre (z.B. die Sanssouci-Edition) werden hier ständig neue Produkte entwickelt und Auftragsproduktionen (z.B. Michelberger Booze) hergestellt. Das Geheimnis und der Zauber der PSM, liegen in den über ein Jahrhundert gehüteten und über mehrere Generationen weitergereichten Rezepturen und Destillationsverfahren. Fein säuberlich geordnet lagern hier an versteckten Orten historisch wertvolle Raritäten der Destillationskunst – alle Versuchsreihen von 1874 bis heute wurden von Wissenschaftlern und Destillateurmeistern akribisch dokumentiert und gesammelt. Somit verfügt die PSM über einen nahezu unerschöpflichen Schatz an Rezepten und Fachwissen, die diese Manufaktur und ihre Produkte so einzigartig machen.

Ein weiteres, außergewöhnliches Highlight: Bei der Herstellung der Produkte wird auf jegliche Zugabe von Aromen verzichtet. Handverlesene Rohstoffe gewähren allen selbst hergestellten Mazeraten und Destillaten der PSM eine hohe Produktqualität. „Das wichtigste ist immer noch die Leidenschaft, mit der wir an unsere Forschungen herangehen“, so Gerald Schroff.  „Wir wollen, dass die Leute unsere Produkte verstehen. Wir wollen keine Massenfertigung, das würde bei unserer speziellen Art der Herstellung auch gar nicht funktionieren.  Wir versuchen weitestgehend authentisch zu agieren.“

Ein Besuch bei der PSM lohnt, außerdem ist sie die Letzte ihrer Art von ehemals über 100 Likörmanufakturen in ganz Berlin. Heute ist sie bereit zum Gipfelstürmer zu avancieren. Und die sind ja bekanntlich immer einsam.

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