Rainer Hosie: Rum trinkender Deutscher, schottischen Ursprungs

Porträts 15.6.2011 3 comments

Charles Hosie GmbH ist nicht irgendein Name in der Riege der deutschen Spirituosenimporteure. In den stürmischen 60ern und 70ern war das Familienunternehmen Hosie, mit seinen damaligen zwei Kernmarken Bacardi und Gordons der deutsche Marktführer in Sachen Import von Alkoholika. Heute, einige Jahrzehnte später, beginnt sich das Traditionsunternehmen, nach einer vorübergehenden Auszeit, erneut empor zu arbeiten. Ein Blick auf eine Familie, die aus dem deutschen Spirituosengeschäft nicht wegzudenken ist.

Die Federführung bei der Wiederbelebung der Tradition hat Rainer Hosie inne, der Enkel des Unternehmensgründers Charles Georg Hosie. Der Vater des ursprünglichen Gründers, Daniel Hosie, kam Mitte des 19. Jahrhunderts aus der Nähe der schottischen Metropole Glasgow nach Hamburg. Laut Rainer Hosie hat auch schon sein Urgroßvater Daniel in Hamburg Alkoholika verkauft: „Damals noch auf der Pritsche einer schott‘schen Karre.“ Zur Gründung des Unternehmens im Jahre 1918 drehte sich die Welt der Hosies noch nicht ausschließlich um Alkohol. Neben den unterschiedlichsten Lebensmitteln aus der ganzen Welt wurden hauptsächlich Dosentomaten importiert. Doch Spirituosen aus England, Schottland, Frankreich, Italien und den USA waren von einer stetig wachsenden Bedeutung und nahmen bald eine zentrale Rolle ein.

Bacardis Fledermaus breitet ihre Schwingen aus

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging das Unternehmen an die zwei ältesten Söhne der acht Kinder von Charles Georg Hosie über: Karl-Georg und Wolfgang. Wolfgang ist der Vater des heutigen Geschäftsführers Rainer Hosie, der eigentlich studierter Jurist ist. Das Unternehmen florierte in der Nachkriegszeit und besonders in den 60ern und 70ern. Mit Bacardi und Gordons konnten zwei der marktführenden Labels ins Portfolio aufgenommen werden. Selbstverständlich wuchs Rainer Hosie unter diesen Umständen zwischen Spirituosen auf und setzte sich schon früh mit diesen auseinander: „Bei uns früher war immer was zu trinken da, der Keller war allzeit gut gefüllt und wahrscheinlich haben wir sogar jederzeit etwas mehr getrunken als andere.“

Einschneidend für die Geschichte der Familie war das Jahr 1983, als das Unternehmen an Bacardi verkauft wurde. Ab diesem Zeitpunkt operierte der Global Player mit dem Hauptsitz auf den Bermudas in Deutschland unter dem Namen Hosie. Zumindest bis im Jahre 1993 die Bacardi Deutschland GmbH gegründet wurde. Das Unternehmen Hosie bestand zwar weiter, fristete aber sein Dasein als ein Name auf einem Blatt Papier hinter den Kulissen der karibischen Fledermauswelt. Derweil durfte sich Rainer Hosie am Amtsgericht Hamburg neben juristischen Fragen noch anderen Fragen stellen: „Importieren sie noch Courvoisier? Oder Gordons Gin?“ Wer hätte da nicht drüber nachgedacht, sich mal wieder um die Lizenz seines Namens zu kümmern? Erst recht, wenn man schottischen Geblütes ist. Ein Volk, das bekanntlich nicht nur bei der Whisky-Produktion viel von Traditionen hält.

Die Grundlagen für eine bescheidene Zukunft

Gesagt, getan. „2004 gab Bacardi die Lizenz für das Unternehmen Hosie für einen symbolischen Wert zurück in die Hände der Familie“, erzählt Rainer Hosie. Verhandelt wurde damals mit dem ehemaligen und langjährigen Bacardi Deutschland GmbH Präsident Joachim H. Peycke. Ein Zögling aus dem Hosie-Unternehmen vergangener Tage. Gelernt hat dieser noch direkt bei Wolfgang Hosie. Und man erkennt selbst am Telefon einen gewissen Stolz und eine ehrliche Freude in der Stimme Rainer Hosies über den Verlauf der Dinge. Er verweist darauf, dass „Spirituosen zu importieren nicht einmal ursprünglich auf dem Plan stand“, sondern „im Wesentlichen es wirklich darum ging, die Rechte für den Namen zurück zu bekommen“.

Doch das von Kindheit mitgegebene Interesse am Spirituosenmarkt ließ offensichtlich nicht lange auf sich warten. Im Jahr 2006 wurden die ersten Importprodukte eingelistet. Somit ist die Charles Hosie GmbH wohl eines der jüngsten und ältesten Unternehmen der Szene zugleich. Heute sind es schon mehr als ein Dutzend Marken unterschiedlichster Herkunft, deren Brände Rainer Hosie mit seinem kleinen Team im bayerischen Aschgau aus der ganzen Welt importiert. „Jeder Importeur sollte die vier alkoholischen Stützen des Marktes bedienen können: Gin, Whisky, Rum und Vodka“, sagt Hosie und verweist damit darauf, dass seine Grundlagen nun langsam gelegt sind.

Von mauritianischen Blumen bis zu schwedischen Kartoffeln

Als spezieller Rum-Freund entwickelte sich ein Schwerpunkt auf dieser Kategorie und es sind auch schon einige Feinheiten im Angebot, die es durchaus wert sind, mal vorbei zu schauen. Darunter verschiedene Damoiseau Rhum-Sorten aus der Destillerie Bellevue auf Guadeloupe und Green Island Rum von der im Indischen Ozean gelegenen Insel Mauritius.

Ebenfalls von Mauritius, sind der sieben Jahre gereifte Flamboyant und zwei Rhum Agricole: der 50 % starke St. Aubin White und der etwas experimentellere St. Aubin Café. Neben diesen Preziosen findet man bei Hosie den schottischen Whisky Valt, den vielfach ausgezeichneten Gin Pink 47, drei Brandys unter dem Namen Peinado aus der Bodega Hijos de Juan Antono Peinado im kastilianischen Tomelloso, die im Vergleich zum Maraschino-Superstar noch immer etwas unbekannteren Produkte aus dem Hause Luxardo sowie den 100% Agaven Tequila XQ als Blanco, Reposado und Extra Aged.

Doch damit noch nicht genug. Mit Old St. Andrews aus der gleichnamigen schottischen Universitätsstadt konnte das Haus Hosie einen Blend ins Portfolio aufnehmen und mit The Dubliner einen irischen Whiskylikör, der seinem deutlich bekannteren Verwandten durchaus das Wasser reichen kann. Dazu kommen derzeit noch die US-amerikanischen Vodka Infusionen der Firma Bear Hug, sowie der schwedische Kartoffel Vodka Karlsson‘s.

In die Zukunft blickt Rainer Hosie bescheiden: „Wir sind nur ein kleines Unternehmen, welches auf diesem harten Markt bestehen bleiben und allzeit bestmögliche Produkte anbieten möchte.“

 

Internetseite: www.charleshosie.de

3 comments

  1. Rainer Wuschansky

    Hallo, Sie Rumimporteur,
    da auch ich gerne guten Rum trinke, stellt sich mir folgende Frage: Weshalb gibt es den weißen Bacardi nur noch als Discounterplempe von 37% ? Der Misserfolg beim Gin, wo das auch versucht wurde, hätte Ihnen doch eine Lehre sein müssen.

    MfG Rainer Wuschansky

    MfG Rainer Wuschansky

    • Redaktion

      Hallo, Herr Wuschansky,

      ihr Missfallen über „Discounterplempe“ kann ich nachvollziehen, jedoch sind Sie damit leider bei uns an der falschen Adresse: das Importieren von Rum liegt uns ebenso fern wie die Einfuhr aller anderen Spirituosen, denn bei MIXOLOGY handelt es sich um ein Fachmagazin für die Bar- und Spirituosenbranche. Wir schreiben höchstens über jene Phänomene. Und ja: die Reduktion des Alkoholgehalts bei vielen ehemals kraftvolleren Bränden ist zumeist mit erheblichen Einbußen verbunden.

      Herzliche Grüße aus der Redaktion
      // Ihr Nils Wrage

      PS: Besagten weißen Bacardi können Sie übrigens seit knapp 3 Jahren in immer wieder neuer Auflage übrigens auch in der ursprünglichen Stärke von 44,5% Vol. beziehen.

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