Ein Porträt. MIXOLOGY ONLINE im Gespräch mit Reinhard Pohorec.

Porträts 14.1.2013 4 comments

Reinhard Pohorec sammelte vorerst theoretische Erfahrungen an der Weinakademie Österreich, bevor er sich in der New York, New York Bar hinter den Tresen stellte. Seine Passion lebt der junge Bartender derzeit in der The Sign Cocktail Lounge als Mitglied der Vienna Bar Community.

Wie kamst Du das erste Mal mit der Welt der Bars in Berührung?

Ursprünglich Student der Volkswirtschaft, musste ich mich durch einen sehr schweren und steinigen Lebensabschnitt kämpfen, der mich zwang, mein Leben zu überdenken und neue Wege einzuschlagen – rückblickend aber gestärkt und gereift hat weitergehen lassen. Über das „Diploma“ des Wine & Spirit Education Trust lernte ich meine besondere Liebe für Spirituosen, Schaum- sowie fortifizierte Weine kennen, die Kurse der 1. Österreichischen Barkeeperschule infizierten mich dann vollends mit dem Bar-Virus. Meine Passion und Leidenschaft, mein Hobby und all meine bisherigen Lebenserfahrungen und -eindrücke nun in meinem „Beruf“ (oder besser: Berufung) auszuleben, ist meine große Freude und Motivation. Es erfüllt mich mit Stolz und Ehre, mit großartigen Produkten und Menschen arbeiten zu dürfen. So versuche ich jeden Tag neu, meinen Gästen ein herzlicher, ehrlicher und bescheidener Gastgeber zu sein. Das ist für mich das Herz des Bartending.

Was ist Dein beruflicher Werdegang?

Sozialarbeit, Musiker, Catering, Skilehrer – ich habe stets möglichst viele Dinge ausprobieren und umsetzen wollen – mein erster Job hinter der Bar führte mich in eine der ältesten klassischen American Bars in der Wiener Innenstadt. Nebenbei engagierte ich mich immer mehr in der Vienna Bar Community und durfte so auch viele großartige Kollegen, liebe Freunde und neue Inspirationen gewinnen. Es folgte die Ausbildung zum Certified Advisor of Spirits mit Jürgen Deibel und der Beginn meiner Lehr- und Trainertätigkeit an der 1. Österreichischen Barkeeperschule. Seit etwa einem Jahr bin ich auch als Bartender in The Sign Cocktailbar & Lounge anzutreffen.

Für was interessierst Du Dich außerhalb der Arbeit hinter der Bar? Hast Du Hobbys?

Musik begleitet mich mein ganzes Leben, ich spiele Schlagzeug, Gitarre und habe eine Gesangsausbildung gemacht. Sport ist immer ein wichtiger Ausgleich unseres Berufsstandes, auch hier habe ich möglichst viele Dinge ausprobiert und trainiert. Skifahren, Fußball, Basketball, Golf, dazu spiele ich sehr gerne Snooker und lese, was immer mir in die Finger kommt. Kochen und Backen, spielen mit Aromen, Geschmäckern und neuen Zubereitungstechniken. Mein ehrenamtliches Engagement in einem Jugend- und Pfarrzentrum sichert mir dann endgültig einen vollen Terminkalender.

Was ist Dein Lieblings-Cocktail?

Old Fashioned Whisky Cocktail, für mich die Ur-Definition eines Cocktails! Ein Allzeit-Klassiker, ein richtiger Sir und Gentleman der alten Schule und doch stets offen für neue Interpretationen und Kreativität. Ich meine immer, dass ein Old Fashioned ein bisschen wie ein schwarzer Anzug ist: nie groß „in“ oder „gehypt“, aber stets passend und elegant.

Generell genieße ich aber am liebsten einen kleinen Schluck Whisky oder Rum pur.

Was ist Deine Lieblingsbar?

Eine Lokalität herauszupicken, wäre hier zu kurz gegriffen – jede Bar, in der ich mich wohlfühlen und einen guten Drink genießen kann, verdient meine ganze Wertschätzung.

Was ist Dein Lieblings-Club/Dive Bar/Kneipe?

Ich gehe selten abends selbst aus, wenn ja, dann am liebsten doch in eine klassische Bar oder eventuell in ein gemütliches Pub mit guten Whiskys und herzhaftem Essen, wie das Charlie P’s.

Hast Du Vorbilder im Barbereich, wenn ja welche?

Flo Schütky und Christian Ebert in der Barschule, Erich Wassicek und die ganze Familie der Halbestadt, Andi Obermeier, Farhat Ellouzi, von dem ich viel an guter alter Schule lernen durfte. Ganz besonders hervorheben möchte ich Kan Zuo, meinen guten Freund und Barchef, dem ich sehr viel verdanke, sowie ganz besonders auch Gaz Regan! Erik Lorincz, Jamie Boudreau, Chris McMillian, Adam Schumann, Nils Boese und all die kreativen Menschen, die ich auf meiner „spirits journey“ kennenlernen durfte.

Von welchen Bartendern würdest Du Dir blind einen Cocktail mixen lassen?

Allen, die mit ganzer Liebe und ganzem Herzen, nach bestem Gewissen einen Drink zubereiten und für ihre Gäste da sind.

In welcher Situation würdest Du eine Bar sofort verlassen?

Wenn die Bartender längst Feierabend machen wollen.

Was steht in Deinem Traum-Speed-Rack? (Jeweils eine Marke pro Kategorie, z.B. Vodka, Gin etc.)

Jedes Produkt wird mit viel Aufwand, Mühe und Einsatz erzeugt und hat somit seine Berechtigung und verdient größten Respekt. Aber wenn ich schon einmal ein bisschen träumen und klotzen darf:

Blended Scotch: Té Bheag & Black Bull 40y

Single Malt: Knockdhu 23y cask strength, Clynelish Abfüllungen

Bourbon: William Larue Weller

Rye: Van Winkle Family Reserve Rye

Irish: Tyrconnell Single Malt Madeira Cask

Rum: mein Herz schlägt für Guyana, beispielsweise XM Millennium 12y, dazu Opthimus 25y barricas de malt whisky aus dem Hause Oliver & Oliver

Gin: Perry’s Tot Navy Strength

Tequila: Don Julio Reposado

Vodka: Five Vodka, Penderyn aus Wales

Brandy: Lepanto Solera Gran Reserva P.X.

Worauf hast Du Dich spezialisiert, was kannst Du besonders gut an der Bar?

Ich arbeite sehr gerne mit ungewöhnlichen Zutaten hinter der Bar (Gewürzpasten, Blauschimmelkäse oder diverse selbst gemachte Sirupe mit Heu usw. sind nur ein paar Beispiele)! Fortifizierte Weine als spannende Variation zu Wermut und ganz generell viele Einflüsse aus den Küchen und Backstuben dieser Welt! Drinks mit Geschichte … Eine elegante und schöne Arbeitstechnik ist mir zudem sehr wichtig.

Am Ende des Tages aber geht es in einer Bar um die Menschen – wenn meine Gäste das Lokal ein klein wenig glücklicher und lebensfroher verlassen, als sie es betreten haben, vielleicht mit einem kleinen Lächeln und gutem Gefühl, dann habe ich meinen Job ernst genommen und würdig ausgeführt.

Platzierungen bei Cocktail- oder Bartender-Competitions? (1. -3. Platz)

Sieger der Diageo World Class Vorausscheidung im Wiener Volksgarten

Sieger des Diageo World Class GSA Finales, Sofitel Vienna Stephansdom

Vielen Dank für das Gespräch.

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