Ein Portrait. MIXOLOGY ONLINE im Gespräch mit Ruben Neideck.

Porträts 17.12.2012

Ruben Neideck arbeitete bis Oktober 2012 nur einige Meter neben der MIXOLOGY-Redaktion. In der Büro-WG machte der 24-jährige ein Praktikum bei der Barworkz GmbH. Der gebürtige Andernacher war während seiner Zeit in Berlin begeisterter Barentdecker und ist jetzt wieder in seine Heimatstadt Koblenz zurück gekehrt. Der Student des Informationsmanagements hat bereits über drei Jahre neben der Uni hinter der Bar gearbeitet und ist fest entschlossen seine Liebe zur Mixologie zum Beruf zu machen.

Wie kamst Du das erste Mal mit der Welt der Bars in Berührung?

Mit Freunden zusammen habe ich, kurz vorm legalen Trinkalter angelangt, aus irgendeinem Einfall heraus Mojitos und Cuba Libres zum DVD-Abend gemacht. Und aus dieser kleinen Tradition wuchs die Leidenschaft. Aber der rein private Genuss bietet nicht die Möglichkeit so viel zu mixen und auszuprobieren, wie man eben gerne möchte. Über die „Nerdschiene“ ging es an die Bar. Gute Getränke machen und mit dem richtigen Gespür die Menschen damit zu erfreuen. Vor ca. 3 ½ Jahren habe ich im Luftschloss in Koblenz angefangen.

Die Arbeit in der Gastronomie lehrt schnell, dass die Getränke nur Medium sind, Werkzeuge des Bartenders, um die Stimmung oder ein Gespräch in Gang zu bringen. Danach kommt der schwierige Part, für den Empathie und das Interesse an Menschen notwendig sind oder auch die Fähigkeit zu erkennen, wann ein Gast einfach in Ruhe gelassen werden will. Ein Rezept ist schnell gelernt und auch relativ schnell perfektioniert – vor allem aber reproduzierbar. Ein schöner Moment in der Bar lässt sich nicht einfach durch „auswendig gelernte“ Floskeln und ein einstudiertes Lächeln immer wieder heraufbeschwören. Auch wenn das an harten Abenden manchmal wirklich fein wäre.

Warum hast Du Dich entschieden vom Studium hinter die Bar zu wechseln?

Informationsmanagement … Ich kann mir im Nachhinein kaum etwas Langweiligeres vorstellen. Menschen hingegen das richtige Drumherum für einen wundervollen Abend zu bieten, diese besonderen Momente teilweise gar mit ihnen zu erleben und die Möglichkeit, an so vielen Orten auf der Welt arbeiten zu können, das hat was. Nach einem halben Jahr hinter einem echten Tresen wusste ich, ob mit oder ohne Studium, dass ich das für meine Zukunft will. Warum warten.

Für was interessierst Du Dich außerhalb der Arbeit hinter der Bar? Hast Du Hobbys?

Lesen und über Tanzflächen steppen.

Was ist Dein Lieblings-Cocktail?

Sehr sprunghaft, aber ein Old Cuban geht immer.

Was ist Deine Lieblingsbar?

Becketts Kopf – weil hier der Hauch der Nacht weht. Alles, was in dieser Bar passiert, hat für mich bisher immer etwas Magisches gehabt. Neben den hervorragenden Drinks tun der wabernde Rauch, des Teams düster herzliche Miene und die abgefahrenen „Barjacken“ das Übrige.

Was ist Dein Lieblings-Club/Dive Bar/Kneipe?

Booze Bar!

Hast Du Vorbilder im Barbereich, wenn ja welche?

Mario Kappes, Gastgeber schlechthin. Christian Schenk und Torben Bornhöft für ihre ehrlich herzliche Stimmung und das breite Grinsen, das sie jedem Gast schenken. Super sympathisch!

Von welchen Bartendern würdest Du Dir blind einen Cocktail mixen lassen?

Eigentlich von jedem, der es mir anbietet. Danach kann ich’s mir ja immer noch für ein zweites Mal überlegen.

In welcher Situation würdest Du eine Bar sofort verlassen?

Hm, bin da gemächlich. „Oh nein, er benutzt chemierote Cocktailkirschen!“ – quatsch. Falls es aber langweilig ist und eine gewisse schöne Dame irgendwo auf mich wartet, dann sicher sofort.

Was steht in Deinem Traum-Speed-Rack?

Ein Limetten- und Zitronenfrischsaft-Füllhorn. Alles andere ist zum Glück austauschbar oder entbehrlich. Aber Plymouth und Strega mag ich wirklich gerne.

Wie stellst Du Dir deine berufliche Zukunft vor?

Unbedingt Erfahrungen im Ausland sammeln – und auch mal in einer größeren deutschen Stadt. Mich reizt es, andere Gästekulturen, andere Arbeitsumfelder und andere Arbeitsplätze kennenzulernen.

Und dabei auch privat ein neues Umfeld zu erleben.

Vielen Dank für das Gespräch.

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