Uns Uwe! Barbetreiber Uwe Christiansen im Porträt.

Aktuelles 18.3.2013

Hamburg hat nicht nur Uwe Seeler, Hamburg hat auch Uwe Christiansen. Und damit einen Genussmittelstürmer, der gleich mit mehreren Bars seit Jahren in der Oberliga des Trinkens mitmischt.

Viel Liebe hat Christiansen in sein Tanzcafé Das Herz von St. Pauli gesteckt, das im sündigen Viertel der Hansestadt vor allem Bier serviert. Unter dem knallroten Logo wird hier seit 2003 entspannt, getanzt, getrunken, geschaut und gefeiert. Mit der Bar Cabana landet Christiansen im Jahr 2009 einen weiteren Treffer und schlägt eine völlig andere Richtung ein. Tikidrinks, Südseeflair und Schwertfischdeko beherrschen die Szenerie, Songs der 50er- und 60er Jahre schaukeln bis in den bambusbepflanzten Wintergarten. Üblicherweise findet man den gebürtigen Hohenwestedter jedoch in seiner persönlichen Elbdrinkharmonie, der Cocktailbar Christiansen’s am Hamburger Pinnasberg. Seit 1997 sammelt die Bar zwischen Fischmarkt und Reeperbahn einen Pokal nach dem anderen, ist von Montag bis Samstag proppevoll und bleibt laut Website „am Sonntag wegen Reichtum geschlossen“.

Dabei fing alles ganz harmlos an.

Erste Erfahrungen mit dem Shaker macht Uwe Christiansen im Keller des Elternhauses, wo er mit väterlich gestifteter Ausstattung das Spielzimmer zur Privatbar umfunktioniert. Zunächst mixt Christiansen für die unmittelbare Nachbarschaft, dann auch in der Dorfkneipe des 4000-Seelen-Kaffs. Nach der Lehre zum Einzelhandelskaufmann im wenige Kilometer entfernten Itzehoe ruft die große weite Welt in Form einer offenen Stelle im südafrikanischen Durban. Hier arbeitet Christiansen nun als Supermarktleiter und verbringt viele Feierabende in einer benachbarten Bar. Deren Bartender Frank Helmboldt – heutiger Besitzer der Globetrotterbar auf Rügen – wird bald zu seinem Freund und Trainer. Zusammen verlassen sie Durban in Richtung Kapstadt, wo Christiansen in der Bar Charlie Parkers erste professionelle Cocktailkenntnisse erwirbt. „In Kapstadt machte ich meine ersten Schritte in die Profibranche. Südafrika hatte damals in Sachen Cocktails wenig zu bieten. Frank Helmboldt, mit dem ich bis heute befreundet bin, hat mich stark geprägt. Er ist ein Cocktailpionier, der mit seiner deutschen Genauigkeit zu glänzen wusste.“

Anschließend geht es auf hohe See. Die „Queen Elizabeth“ stellt Christiansen als Barchef ein. Seinen Kreuzfahrerzeiten verdankt er neben seinem Faible für Rum „auf jeden Fall den Hunger auf fremde Kulturen und verschiedene Menschen. Natürlich war die Vielfalt der Getränke auf den fünf verschiedenen Schiffen eine weitere Grundlage für mein heute großes Drinkrepertoire. Ich habe ständig zu viele Flaschen in meinen Regalen – wahrscheinlich aus dem Grund, dass ich damit in der Vergangenheit schon gearbeitet habe“.

Der Philantroph.

Schließlich verschlägt es den passionierten Barmann zurück in den deutschen Norden, wo er heute in seinen drei Hamburger Bars ein Team von 31 Spielern managet. Hier achtet er auf ein harmonisches Arbeitsfeld und eine ausgewogene Charaktermischung unter den Mitarbeitern. Selbst bezeichnet sich Christiansen als introvertiert dem Gast gegenüber. „Und das, obwohl ich in Sachen Vermarktung eher extrovertiert bin. Für mich ist der Gast der Hauptteil meiner Bar. Ich muss mich dort nicht zu Affen machen oder mit Hut hinter dem Tresen arbeiten, um genug Aufmerksamkeit zu bekommen. Ich bestehe mit gut gemachten Drinks und fundierter Beratung, kein Gast soll sich in meiner Bar alleine fühlen.“ Sein Ruf ist der eines Menschenverstehers und guten Zuhörers. So soll es nicht selten vorkommen, dass Stammgäste wichtige Lebensentscheidungen mit Christiansen besprechen und sich oft und gern seinen Rat einholen. Geduzt wird sich sowieso. Im Kiez kennt und liebt man den Barmann als „den Uwe“.

Neben den Bars kümmert sich Christiansen als Miteigner und –gründer um die Eventagentur Spielbudenplatz, freut sich über die Veröffentlichung seines Cocktailbuchs „Mixed Emotions“ und vermarktet seine eigenen Liköre, die derzeit in den Geschmacksrichtungen Melone, Kaffeebohne, Ei und Pfirsich erhältlich sind. Der private Ausgleich bleibt nach einem langen Spieltag dabei oft auf der Bank. „Ich bin sicherlich ein Workaholic und gönne mir leider viel zu selten eine Kreuzfahrt oder ein 5-Sterne-Wellnesshotel … das heißt auch zu wenig Zeit mit meiner Freundin, die das gar nicht so gut findet!“ Beim schlimmsten Trubel hilft Christiansens liebster Cocktail French 75, den er ganz schlicht mit 2 cl mildem Gin, 2 cl Zitronensaft, 0,5 cl Zucker und Champagner mixt.

Auf zu neuen Ufern.

Nichtsdestotrotz geht das Freundschaftsspiel Christiansen – Barwelt in die Verlängerung. Der Wahlhamburger hat ambitionierte Zukunftspläne: „Ich werde meine drei Bars stabil halten. Durch den drohenden Abriss des Das Herz von St. Pauli wird eventuell die Suche nach einer Ausweich- oder Ersatzlocation dazukommen. Außerdem hoffe ich, dass mein Agent neue spannende Projekte ausgräbt und dass mein TV-Format endlich einen mutigen Sender findet, der kein Problem mit Alkohol und Markenpräsenz hat. Ich möchte weiter auf Kreuzfahrtschiffen als Lektor arbeiten und bereite mich auf das Schreiben weiterer Cocktailbücher vor – nach dem großen Erfolg von „Mixed Emotions“ gibt es einige neue  Anfragen. Zu guter Letzt will ich meine Likörserie ausbauen und mich an deren landesweite Vermarktung machen. Ich verrate nur so viel: Gerade sind wir in der Endphase eines neuen spektakulären Schnapses!“

Und vielleicht, eines fernen Tages, wird Hamburg neben der Seelerschen Fußskulptur auch dem Händchen von Uwe Christiansen ein Denkmal setzten.

 

(Dieser Artikel erschien erstmals in MIXOLOGY Issue 1/2013. Das Printmagazin MIXOLOGY erscheint alle zwei Monate. Informationen zum Abonnement finden Sie hier auf MIXOLOGY ONLINE.)

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