Shots #92 +++ Bier in China +++ Falstaff Bar Guide +++ Stolichnaya Boykott +++

Shots 10.8.2013

Genau so wenig wie Budweiser chinesisch ist, ist Stolichnaya „russisch“. Dies müssen amerikanische Aktivisten derzeit lernen. Viel gelernt haben wir alle aus den „dunklen Cocktailzeiten“ der 70er und 80er. Dass es heute weit bessere Bars und Bartender gibt, ist auch dem Falstaff Verlag aufgefallen. Man wählt derzeit die Top 100 Bars in Österreich. Im November soll ein Bar und Spirits Guide die Ergebnisse präsentieren.

Budweiser für alle

Was in der Limonadenbranche schon lange geklärt ist, scheint im Bierbereich noch einen Thronhalter zu suchen. Bier ist vielfältig wie eh und je und viele ausländische Marken dringen in fremde Märkte ein und versuchen das Heft in die Hand zu nehmen. Biermarkt schlechthin auf der Welt ist China. Wenn man dem Autoren des Wall Street Journal glauben schenken mag, dann fließt ein Viertel der weltweiten Bierproduktion durch chinesische Kehlen.

Genau hier sucht Budweiser oder Bud, wie gute Freunde es nennen, den Ansatz. Mit mehreren Brauereien und Abfüllanlagen in China soll dafür gesorgt werden, daß auch im entlegensten Winkel der Volksrepublik noch amerikanisches Bier zu bekommen ist. Das große Ziel ist, Weltmarktführer zu werden. So wie es Coca Cola als Brausehersteller vorgemacht hat. Bleiben wir gespannt, ob dies gelingt, oder ob die Chinesen in wenigen Jahren auch auf Craft Beer „Made in China“ stehen als auf Fernsehbier. In diesem Zusammenhang sei auch auf den Artikel unseres Bier-Autors Peter Eichhorn in MIXOLOGY Issue 4/2013 hingewiesen, der sich mit Bier in China befasst.

Boykott der Falschen

Das politische System Russlands an dieser Stelle zu durchleuchten und auf Sinnhaftigkeit zu überprüfen, ist nicht unsere Aufgabe. Bekannt aber ist die Diskriminierung von Homosexuellen, die mittlerweile abstruse Auswüchse annimmt. Gott sei Dank wird der weltweite Protest immer lauter. Wie ein Artikel der Welt berichtet, haben amerikanische Aktivisten nun zum Boykott russischen Vodkas aufgerufen.

Nicht irgendeinen, sondern den Lieblingsvodka der Szene, Stolichnaya, wollen sie boykottieren. Blöd nur, das diese Marke weder ein russischer Vodka ist, noch in irgendeinem Zusammenhang mit der russischen Regierung steht. Dem Eigentümer droht in Russland sogar die Verhaftung. Die Marke ist also ein denkbar schlechter Kandidat, um auf Putin und Co. Druck auszuüben.

Die Qual der Wahl

Das Gourmetmagazin Falstaff möchte im November einen Bar & Spirits Guide für Österreich veröffentlichen. In diesem sollen die 100 besten Bars der Alpenrepublik präsentiert werden. Satte 200 Bars wurden bereits in einer Vorauswahl zusammengefasst und werden nun von einer Expertenjury sowie den Lesern des Falstaff bewertet.

Am 9. November 2013 soll dann der Falstaff Bar & Spirit Guide im Rahmen einer Gala in der Wiener Hofburg präsentiert werden. Auf der Internetseite des Falstaff kann man sich an der Umfrage beteiligen und die besten Bars des Landes zu küren.

Die dunkle Seite der Nacht

Anlässlich der Tales of the Cocktail in New Orleans haben sich die Cocktailhistoriker Dave Wondrich und Jeff Berry zusammengetan und erörtert, was damals schief lief. Damals, das heißt in den 70er und 80er Jahren. Warum sind in dieser Zeit so viele furchtbare Cocktails entstanden, deren Namen meist wie schlechte Witze klingen und deren Zusammenstellung an Lieblosigkeit nur schwer zu überbieten war? Cocktailbücher empfahlen einen „Blended Martini“, um das Grauen auf den Punkt zu bringen.

Laut den beiden Experten waren gesellschaftlichen Veränderungen dafür verantwortlich und der schlechte Ausbildungsstand der Bartender. Wer sonst keine Tätigkeit fand, der wurde eben Bartender und ließ es sofort wieder, wenn sich eine andere Möglichkeit bot. Diese und weitere amüsante Fakten bilden laut Berry und Wondrich die Quintessenz des Niedergangs. Gleichzeitig liegt hierin aber auch die viel applaudierte Rückkehr zum „Serious Bartending“ begründet. Es muss also immer etwas sehr schlecht sein, bevor es wieder großartig werden kann. Hoffentlich lernen wir aus dieser Geschichte und lassen es nicht noch einmal so weit kommen.

Klare Sache, trübe Drinks.

Die Süddeutsche Zeitung hat gemeinsam mit ihrem Drink-Experten Klaus St. Rainer eine wunderschöne Bildstrecke zu Gin Tonic Varianten fotografiert. Bartenders Darling, der klassische Gin und Tonic, wird dabei ein wenig als tattriger Großvater dargestellt, der dringend eine Verjüngungskur benötigt. Man möchte Zeter und Mordio schreien. Selbstverständlich darf man mit dem Thema spielen und Varianten erarbeiten. Viele sind sicherlich spannend und lecker, nur eines sind sie meistens nicht mehr. Nämlich ein Gin und Tonic.

Aber wenn für jemanden wie die Autorin Kerstin Greiner der Drink auch nur „der Lieblingsdrink der Queen Mum sein und trotzdem schön im Schwarzlicht der Disko leuchten“ kann, dann ist man mit anderen Kreationen vielleicht generell gut beraten. Aber bitte, Finger weg vom Gin Tonic! Die Bilder sind trotzdem schön.

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