Byrrh. Aperitifweine auf dem Vormarsch.

Sonstiges 26.6.2013 3 comments

In den letzten Jahren sind Aperitifweine eine der am stärksten wachsenden Produktgruppen mit Relevanz für die Bar. Ihre Vielseitigkeit und Aromenkonzentration machen sie zum Allrounder für Bartender, um mit den unterschiedlichen Produkten kreativ zu werden.

Nicht erst seitdem Sprizz und Co die Barlandschaft unter ihre Fittiche genommen haben, findet man Aperitifweine in den Barregalen. Die mit Kräutern aromatisierten Weine, denen zusätzlich Alkohol und Zucker zugefügt werden, sind uralte Klassiker an Bars. Meistens in der Form von Wermut anzutreffen.

Doch neben den zahlreichen Wermuts gibt es auch andere Produkte, teils mit langer Tradition, die jetzt im Fahrwasser von Lillet und Aperol ihren Platz suchen. Eines dieser Produkte mit Tradition ist der französische Aperitif Byrrh.

Wein, Kaffee und Kakao

Bis 1866 reicht die Geschichte des Aperitifs zurück. Die Brüder Violet aus Thuir in Südfrankreich entwickelten zu der Zeit die Rezeptur für den Aperitif, der sich aus Wein, Kräutern und Früchten sowie Chinin zusammensetzt. Als kreislaufstimulierendes Mittel wurde es vorerst in Apotheken verkauft. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts setzte sich Byrrh als Aperitif durch und wurde zum meistverkauften seiner Art in Frankreich und war so populär, dass es auch nach Amerika exportiert wurde.

Prohibition und Zweiter Weltkrieg schränkten dann jedoch Popularität und Produktion ein und ließen das Produkt zu einem Aperitif werden, der außerhalb Frankreichs kaum Beachtung fand.

Textilmacher auf Abwegen

Auch nicht unbedingt förderlich war der Name, der im deutsch- und englischsprachigen Raum oft mit Bier verwechselt wurde. Da darf man den beiden Brüdern Violet, die eigentlich aus der Textilbranche entsprangen schon einen kleinen Vorwurf machen. Besonders weit gedacht wurde hier nicht. Der Name ist einfach einem Code-System aus der Kleiderindustrie entlehnt.

Heute ist Byrrh im Besitz der Cusenier Gruppe und gehört somit zu Pernod Ricard. In Deutschland wird es allerdings von der Beverage Spirits & Sons GmbH vertrieben.

Eine Randnotiz, bevor es an die Verkostung geht. Die Produktion von Byrrh ist mit einem Weltrekord verbunden. In der Brauerei in der Byrrh hergestellt wird, befindet sich das größte Holzfass der Welt mit einem Fassungsvermögen von mehr als einer Million Litern. Byrrh wird allerdings in kleinen Holzfässern gelagert.

Was kann Byrrh im Glas

In tiefem Rot läuft der Aperitif ins Glas. In der Nase deutliche Aromen von Wein und Kräutern, die sich mit süße und Aromen von Kakao und getrockneten Früchten verbinden. Geschmacklich setzt sich Byrrh dann deutlich von anderen Vertretern der Aperitifweine ab. Vergleichsweise schwer und komplex und mit einer fruchtigen Süße fühlt man sich eher an einen süßen Wermut erinnert, als an einen Aperitifwein. Die Chinarinde macht sich deutlich bemerkbar und begleitet die Süße mit einer angenehm bitteren Note.

Diese bittere Note ist es aber auch die eine Mixbarkeit so schwierig macht. Ein Ersatz für andere Aperitifweine im Sprizz ist Byrrh definitiv nicht.

Dafür bieten sich Varianten an in denen ansonsten Bitterliköre zum Tragen kommen. Die Longdrinkversion mit Soda ist nicht die Neuerfindung des Rades aber durchaus schmackhaft. Byrrh funktioniert aber auch einfach gekühlt als Aperitif.

Richtig gut zum Tragen kommt Byrrh in einer entfernten Abwandlung des Boulevardiers. Zu gleichen Teilen mit Rye Whiskey und trockenem Wermut auf Eiswürfeln geshaked und im Tumbler mit Eis serviert kann man diesen Drink als Alternative zu einem Negroni empfehlen.

Ein insgesamt durchaus gelungener Aperitif, der zu Recht wieder auch außerhalb Frankreichs Fuß fasst. Seine leicht bitteren Noten und die ungewöhnlichen Aromen von Kaffee und Kakao bieten eine schöne Ergänzung im Barregal.

 

Byrrh

 

Preis: zwischen 9,90 € – 11,90 €

Vertrieb: Beverage Spirits & Sons GmbH

Herkunft: Thuir, Frankreich

Füllmenge: 0,7 l

Alkoholgehalt: 18 Vol. %

Internet:

 

(Offenlegung: Die Redaktion hat für die Verkostung Produktproben von Beverage Spirits & Sons GmbH erhalten. Außer den Produkten – durch die Kehlen der Redaktionsmitglieder – ist allerdings nichts geflossen. Prosit!)

Bildquelle: aboutpixel.deLourmarin © windsurfer13

3 comments

  1. Sven Aufermann

    Lustig, das man durch den Link direkt auf eine Promotionseite von Munich Destillers geleitet wird. Es ist übrigens eine Schande das Byrrh keinen ordentlich Vertrieb in Deutschland unterhält. Bestellungen dauern mitunter 5 Wochen…

  2. thomas zilm

    großartiger stoff.
    als der noch bei seven spirits lag, war er dauerhaft erhältlich…sehr schade, dass sie ihm wieder abgegeben haben.
    und mixen lässt der sich fantastisch!
    gerne als byrrh tonic mit limette (fever tree funktioniert bombe!)
    oder aber, wie es die washington post vorschlägt:

    http://projects.washingtonpost.com/recipes/2012/06/20/byrrh-cocktail/

    haben wir letztes jahr auf dem bcb so angeboten und ist ein wahnsinns drink!

  3. Dirk

    Funktioniert bei mir schon lange perfekt mit Rum und Angostura als Bushranger, siehe Savoy Book…

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