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Giulio Cocchi. Ein Aperitif-Traum in Rot.

Sonstiges 18.1.2012 3 comments

Noch vor zwei Jahren in Deutschland nahezu unbekannt, bahnte sich der italienische Produzent aus der Region Asti, mittels seines Cocchi Americano einen direkten Weg in die die Herzen der Cocktail- und Spirituosenfreunde. Und es gibt noch mehr als den weißen Wein-Aperitif. Barolo Chinato, Vermouth di Torino und ein Perlwein runden das in derzeit in Deutschland erhältliche Sortiment ab.

Muss man wirklich noch über Cocchi Americano schreiben? Mitte August 2011, kurz bevor der Vertrieb in Deutschland gesichert wurde, wurde Cocchi Americano erstmalig auf MIXOLOGY ONLINE als Geheimtipp angepriesen. Daniel Klingenbrunn arbeitete kurz darauf die Herstellung des italienischen Wein-Aperitifs auf dem Blog Trinklaune auf. Außerdem setzte er sich mit dem Einsatz von Cocchi Americano als Zutat in Cocktails wie dem Twentieth Century und dem Corpse Reviver #2 auseinander. Sein Ergebnis, beide Cocktails würden zu absoluten Höhenflügen getragen werden, kann von MIXOLOGY ONLINE unterstrichen sowie unterschrieben werden.

Der bernsteinfarbene Rote

Eine Feststellung, die in den USA schon über ein Jahr früher gemacht wurde. Toby Cecchini frohlockte über den Corpse Reviver #2 mit Cocchi Americano schon im April 2010. Immerhin für kein geringeres Blatt als die New York Times. Die Washington Post und der San Francisco Chronicle folgten auf dem Fuße. Huldigungen, in welche in den darauffolgenden Monaten noch einige US-amerikanische Blogger einstimmten. Es werden im Rahmen der genannten Artikel auf den ersten Blick keine Fragen, besonders nicht bezüglich der Herstellung und der Anwendbarkeit, offen gelassen. Also lassen wir doch mal kurz den Cocchi Americano beiseite. Das bedeutet nicht, dass es nichts mehr über Cocchi zu sagen gibt. Immerhin existieren noch ein Vermouth di Torino, ein Barolo Chinato und einen Spumante aus dem Hause Cocchi. Jeweils ein Schlückchen lohnt sich.

Von den drei Produkten sollen hier besonders die zwei roten Tropfen im Fokus stehen. Der Vermouth di Torino ist hinter der Theke gleich einem roten Wermut (Punt e Mes, Carpano Antica Formula) einzusetzen. Die Rezeptur wurde anlässlich des 120-jährigen Bestehens der Giulio Cocchi Manufaktur wieder aufgegriffen. Der aromatisierte Wein liegt mit einer kräftigen Bernsteinfarbe im Glas. Deutlich weniger rot, als seine Mitbewerber. Aromatisch und rund in der Nase. Es dominieren im Duft Zitrusaromen und Sandelholz. Subtile Nussaromen vervollständigen eine komplexe Note. In der Purverkostung eine Wermut-Offenbarung. Die Beigabe von Chinarinde und Rhabarber bleibt einem nicht verborgen, wirkt aber keinesfalls aufdringlich. Besonders die rosmarinlastigen Kräuternoten können begeistern. Weniger süß als der derzeit sehr beliebte Carpano Antica Formula bietet sich auch ein Einsatz in Cocktails an.

Klassiker wie Manhattan oder Negroni haben sich zumeist schon sehr ins Geschmacksbild eingebrannt. Ein Einsatz mit Cocchis Vermouth di Torino wirkt daher etwas ungewohnt. Geschmacklich dennoch vorzüglich, wenn man für eine Neuvorstellung der Klassiker offen ist. Bei weniger gängigeren Wermut-Cocktails entpuppt der 16-prozentige, aromatisierte Wein seine Größe offenkundiger. Ein gesüßter Old Tom Gin im Martinez bekommt einen würdigen Gegenspieler durch die trockenen Chininnoten des Wermuts. Ein Fancy Vermouth Cocktail (Roter Wermut, Maraschino, Bitters, Orangenzeste) kann sich mit Vermouth di Torino nun zu einem der absoluten Lieblingsdrinks des Autors zählen lassen. Ähnlich ist es mit einem Blackthorn Cocktail (es sind mehrere Blackthorn Cocktails im Umlauf. Hier gemeint: Sloe Gin, roter Wermut, Bitters, Orangenzeste). Ein mehr als respektables Produkt.

Der granatfarbene Rote

Auf zu Cocchis Barolo Chinato. In der Turin und Asti angrenzenden Region Cuneo werden bekanntlich Piemont-Weine angebaut. Aus den dort wachsenden Nebbioloreben wird auch der Wein der Könige, der Barolo, gekeltert. Die Dessertwein-Variante Namens Barolo Chinato basiert auf diesem Wein und ist bei Weitem nicht nur im Hause Cocchi gängig. Zumeist wird dem Grundwein eine Mixtur aus diversen Kräutern beigefügt. Eine wesentliche Rolle nimmt für den Digestif Chinarinde ein. Der aromatisierte Wein wird anschließend zur Abrundung in Eichenholzfässern gelagert. In Italien wird ein Barolo Chinato gerne zu schokoladigen Nachspeisen gereicht.

Der Wein Cocchis fließt in granatroter Farbe ins Glas. Er ist in der Nase wie im Geschmack beeindruckend würzig und sehr lange anhaltend. Normalerweise bei Zimmertemperatur konsumiert, kann der Wein auch gerne noch leicht erwärmt werden. Mit Orangenzeste abgeschmeckt offenbart sich ein nahezu meditatives Erlebnis. Man möchte fast sofort dazu übergehen, den Barolo Chinato auch in Drinks zu probieren. Gezögert wird schnell, da der stolze Preis für die 0,5 Liter Flasche doch eher zum fortgesetzten Purerlebnis drängt. Mache Dinge sind eben doch schon so perfekt in der Flasche. So perfekt, dass man sich kaum traut damit zu spielen. Cocchi Barolo Chinato gehört dazu.

 

Produktdaten Cocchi Vermouth di Torino

Preis: ca. 23 €

Herkunft: Italien

Füllmenge: 0,75 l

Internet: cocchi.it

Alkoholgehalt: 16 % Vol.

 

Produktdaten Cocchi Barolo Chinato

Preis: ca. 42 €

Herkunft: Italien

Füllmenge: 0,5 l

Internet: cocchi.it

Alkoholgehalt: 16,5 % Vol.

 

// Cocchi kaufen: Alle vier genannten Cocchi Produkte sind beim zum Importeur DTS & W gehörenden Onlinehändler Bardealer erhältlich. //

 

(Offenlegung: Die Redaktion hat für die Verkostung Produktproben vom Importeur erhalten. Außer den Produkten – durch die Kehlen der Redaktionsmitglieder – ist allerdings nichts geflossen.)

3 comments

  1. oliver

    Es wäre vielleicht nicht schlecht, einmal die Begrifflichkeiten zu klären:
    Cocchi Vermouth di Turino ist ein echter roter Wermut oder “sweet vermouth” und der einzige, der noch aus der Geburtsstadt des italienischen Wermuts kommt.
    Punt e Mes ist ein “Vermouth con bitter” oder “vermouth amaro”, der einen Zusatz an Bitterstoffen (und mehr Zucker) enthält. Das Mischungsverhältnis bezeichnet den Namen.
    Antica formula ist ein “vermouth alla vaniglia”, der Zusätze von Vanille (und mehr Zucker) enthält. Es ist somit auch nicht der ursprüngliche Wermut von Carpano, wie oft fälschlich angenommen wird.
    Wermuts, die einen höheren Anteil an Chinarinde aufweisen, sind “quinquinas” (Byrrh) oder “americanos” (Lillet).
    Cocchis Vermouth di Turino kommt damit den ursprünglichen roten Wermuts, die zur Zeit von Thomas, Johnson etc. ihre Verwendung fanden, am nächsten.

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