Auf nahezu 110 Jahre Geschichte kann das Unternehmen Asbach Uralt blicken. Trauben aus den französischen Départements Charente und Gers sind die Grundlage des in Deutschland geblendeten und gelagerten Weinbrandes. Zumeist gingen die Brände aus dem Hause Asbach Uralt in den letzten Jahrzehnten als Longdrink Mischung mit Cola über den Tresen. Daran ist wahrscheinlich nicht zu rütteln. Trotzdem präsentiert sich Asbach Uralt seit Kurzem aus einer neuen Perspektive.
Aus dem Département Gers kommt Armagnac und aus Charente bahnt sich Cognac seinen Weg in die Welt. Zwei der weltweit angesehensten Weinbrände. Aus diesen Regionen Trauben zu beziehen, noch vor Ort brennen zu lassen, um dann die nach zweifacher Destillation erlangten Feinbrände in Deutschland zu blenden und lagern, kann nicht die schlechteste Idee sein. Nichtsdestotrotz fristen die Produkte aus dem Hause Asbach Uralt oftmals ein gar grausiges Dasein in deutschen Spelunken. Klar, manch alt-eingesessener, Herzblut-GSA-Spitzengastronom weiß um die Vielfalt und Qualität, die Asbach Uralt mit seinen Produkten bieten kann. Doch zumeist wird die Marke belächelt und mit skurrilen Kellerlöchern, abgehalfterten Stammtischen, zerkratzen Billardtischen, schiefen Dartscheiben und ländlichem Binge-Drinking assoziiert.
Dies könnte bald, zumindest in Teilen, ein Ende nehmen. Denn das aus Rüdesheim am Rhein entsprungene Unternehmen Asbach Uralt selbst beginnt sich gegen Vorurteile zu stemmen und versucht sich in neuem Licht zu präsentieren. Natürlich mit Unterstützung des zuständigen Vertriebs von Team Spirit und den seit 2002 zu 100% Asbach-Eigentümern aus dem Hause Underberg. Zuletzt wurden zwei Tastings organisiert. Zuerst in der Essener Fcuk Yoga Bar und letzte Woche dann in der Frankfurter Harry‘s New York Bar im Lindner Plaza Hotel. Der erste Asbach Uralt Kellermeister Christopher Dellee, war bei beiden Veranstaltungen vor Ort und leitete eine Verkostung durch vier der gängigen Qualitäten der Marke Asbach Uralt (Asbach Uralt; 5 Jahre; Privat 8 Jahre; 15 Jahre Spezialbrand).
Staub abklopfen von der uralten Weinseele
Nun würde man bei einem Tasting in diesem Zusammenhang eher eine Promotionperson, als den Kellermeister erwarten. Dies tat der Sache jedoch keinen Abbruch. Im Gegenteil, die Fachkenntnis und Nähe zum Produkt von Christopher Dellee erfrischten zumindest die Frankfurter Verkostung, bei der Mixology vor Ort war, und boten angenehmen Platz für Diskussionen und weitgreifende Fragen des ebenfalls fachlich versierten Publikums. Im Anschluss wurden die bareigenen Tender aufgefordert, die Mixability von Asbach unter Beweis zu stellen. Hierfür überließen die Veranstalter den Bars absoluten Freiraum, was zu unterschiedlichsten Kreationen führte. Im Zusammenhang mit der Vorstellung einzelner Asbach Uralt Qualitäten sollen in absehbarer Zeit auch einige dieser, in den letzten Wochen entwickelten, Asbach-Mischgetränke hier auf Mixology Online vorgestellt werden.
Nun, einen Sprung aus dem Stammtischkeller hinter die Tresen der besseren Bars macht man nicht von heute auf morgen, aber es ist schön zu sehen, dass ein weiteres GSA-Produkt seine Qualitäten unter Beweis stellen möchte. Zu wünschen wären in diesem Zusammenhang nur zwei Dinge. Zum Einen, dass die Bartender-Gemeinschaft weiterhin aufgeschlossen gegenüber auch etwas angestaubten GSA-Produkten bleibt und Asbach die Zügel nicht locker lässt. Dann kann, nach der unmaßgeblichen Meinung des Autors, der „Geist des Weines“ auch wieder im Asbach erkannt werden.
(Offenlegung: MIXOLOGY ONLINE wurde nach Frankfurt zur Verkostung eingeladen. Reisekosten und Unterkunft wurden bezahlt. MIXOLOGY ONLINE stand jedoch in keinerlei Verpflichtung über die Veranstaltung oder Asbach selbst zu berichten.)