Das bekannte Cognac-Haus Rémy Martin unterzieht seine bekannte Qualität Remy Martin V.S.O.P. einem überraschenden Relaunch. Seit Dezember ist der neue V.S.O.P. erhältlich, der sich sowohl geschmacklich als auch optisch deutlich vom Vorgänger unterscheidet.
Vier Marken aus der berühmten französischen Region Cognac im Westen Frankreichs machen 85% des Weltmarkts unter sich aus. Das sind Hennessy, Curvoisier, Martell und Remy Martin. Die Traditionsmarke mit dem Zentauren auf dem Etikett, Remy Martin, ist nach eigenen Angaben die zweitgrößte Marke, was das reine Volumen an verkauftem Cognac angeht. Wenn man den Weltmarkt wiederum nach verkauften Werten analysiert, liegt Remy bei vielen Qualitäten sogar deutlich vorn. Vor allem die lange gelagerten Produkte wie Remy Martin X.O. und Louis XIII erfahren im asiatischen Markt seit Jahren eine immense Nachfrage. Europa und die Vereinigten Staaten sollen aber offenbar nicht aus dem Fokus geraten und werden zunehmend mit speziell auf diese Märkte zugeschnittenen Produkten bedient.
Rémy V für die Staaten, Rémy Mature Cask Finish für Europa
Im Herbst 2010 lancierte man Rémy V in verschiedenen US-amerikanischen Regionen. Rémy V ist interessanterweise kein Cognac, sondern ein klares Traubendestillat, das unter dem Markendach von Rémy die Spirituosenfinger in das Segment der weißen Super Premium Spirituosen stecken soll. Auf die Frage, als was man das Produkt sehe und welcher Spirituosengattung man es zuordne, antwortete Rémy-CEO Patrick Piana bei einem Interview-Termin mit deutschen Journalisten trocken: “Menschen bestellen nicht nach Kategorien, Menschen bestellen Marken.” Für einen Konsumenten, der eine Flasche Patron kaufe, sei es nicht relevant, ob es Tequila oder Vodka sei. Nach dieser Definition soll Remy V seinen Platz offenbar eher neben Grey Goose oder Ciroc finden, als neben einem Pisco aus Peru oder Chile, dem es von den Rohstoffen her eigentlich am ähnlichsten wäre.
In Europa wiederum hat man bei Rémy Martin drei Kernmärkte definiert. Großbritannien, Frankreich und Deutschland bekommen zuerst exklusiv die neue V.S.O.P.-Qualität. Später wird sie auch in den anderen Ländern Westeuropas eingeführt werden. Die Idee für Rémy Martin V.S.O.P. “Mature Cask Finish” entstand laut Patrick Piana aus den Erfahrungen, die man mit dem 2007 neu eingeführten Rémy Martin Coeur de Cognac gemacht habe. Coeur de Cognac, acht Jahren gereiften Eaux de Vies hergestellt, der preislich zwischen Remy Martin V.S.O.P. und Rémy Martin X.O. angesiedelt ist, sollte nach der Idee der Firma das traditionelle Verständnis von Cognac aufbrechen und mit seinen fruchtigen Noten zum Beispiel auch als Aperitif konsumierbar sein.
Was unterscheidet Remy Mature Cask Finish vom bisherigen V.S.O.P.?
Das Segment der V.S.O.P. wurde im Jahr 1927 von Rémy Martin begründet. Mindestens vier Jahre in Eichenfässern gereifte Trauben-Destillate werden final in einem Blend zusammengeführt. Dieser Blend reifte bisher bis zur Abfüllung ein weiteres Jahr in großen Eichentanks heran. Für den neuen V.S.O.P. lagert der Cognac nun das letzte Jahr in kleineren Eichenfässern, was ihn entsprechend mehr Holz aussetzt. Diese Fässer aus Limousin-Eiche sind mindestens 20 Jahre alt und werden als “Mature Casks” bezeichnet.
Das neue Verfahren ist eindeutig aufwändiger als das bisherige. Einerseits durch die Befüllung der vielen Einzelfässer, andererseits durch einen erhöhten “Angel’s Share” aufgrund größerer Oberfläche. Dennoch wird man den Preis des Produktes halten, wie man von Seiten Rémy Martin versichert. Die Destillate für den V.S.O.P. stammen, wie auch bei Coeur de Cognac, ausschließlich aus Weinbergen der Grande und Petite Champagne.
Wie ist das Geschmacksprofil des neuen V.S.O.P. beschaffen? Wir zitieren die Firma: ” Typisch sind die helle Farbe von kupferfarbenem Gold, die fruchtigen Noten von Aprikose und Pfirsich, die blumigen von Veilchen und Rosen sowie die würzigen von süßer Vanille. Seine Textur ist seidig, Empfindung und Nachgeschmack ausgewogen und voller Harmonie.” In einem mit Bartendern aus Berlin im Rahmen des Taste Forums für die kommende Ausgabe von MIXOLOGY vorgenommenen Vergleich konnten tatsächlich deutliche Unterschiede im Geschmack festgestellt werden.
Der V.S.O.P. rückt definitiv ein Stück in Richtung seiner länger gereiften Marken-Nachbarn, wirkt kompakter und “geschlossener”. Obwohl sich ein V.S.O.P. von der Preisgestaltung her eher weniger für den Einsatz in Cocktails anbietet, wurden die beiden Qualitäten auch im bekannten Cognac Cocktail Side Car getestet. Die Variante mit Mature Cask Finish zeigte sich hierbei weit weniger fruchtig als ihr Vorgänger.
Erstmals seit 1972 keine “gefrostete” Flasche mehr
Auch außen schlägt Remy Martin bei seinem V.S.O.P. eine völlig neue Richtung ein. Seit dem Jahr 1972 war der V.S.O.P. in einer gefrosteten Flasche aufgetreten. Neuerdings wird er wieder klar zum Konsumenten und Bartender kommen. Im Etikett und am verschlankten Flaschenhals dominieren Silbertöne, das bisher vorherrschende Rot ist nur noch dezent vertreten.
In der Flaschenmitte springt nun das Firmensymbol ins Auge, das ursprünglich entstand, um in den Anfangsjahren an den Verladestationen der Atlantikküste die eigenen Fässer von denen der Konkurrenz zu unterscheiden. Laut Patrick Piana hat man das neue Aussehen vor dem offiziellen Launch intensiv in Tests mit Konsumenten geprüft und ist überzeugt, dass es sich schnell durchsetzen wird.
Die ersten Bartender, die Mature Cask Finish verkosten durften, kamen übrigens aus Deutschland. Pierrette Trichet, die Kellermeisterin von Rémy Martin, habe bei ihren ersten Besuchen in Deutschland einen “special relationship” zur deutschen Barszene aufgebaut, so CEO Piana. Etwas, das in diesem Jahr mit weiteren Besuchen und Veranstaltungen fortgesetzt und vertieft werden soll. Sollte ein Connaisseur oder Bartender mit der neuen Rezeptur des Cognac nicht warm werden – die bisherige wird auch weiterhin vertrieben. Allerdings außerhalb Europas. Importeur und Vertrieb von Rémy Martin in Deutschland ist die Diversa Spezialitäten GmbH, ein Joint Venture von Rémy Cointreau und Underberg.
Weitere Informationen: remy.de
(Offenlegung: Der Autor nahm im Dezember 2011 an einem Pressetermin bei Rémy Martin teil. Flug und Hotel wurden von der Firma Rémy Martin getragen.)