Immer mehr Bars setzen auf Hausmarken, so auch die Twist Skybar im Inside Melia Hotel Dresden. In Zusammenarbeit mit der ersten Dresdner Spezialitätenbrennerei Augustus Rex entwickelte der Barchef René Förster einen kräftigen Gin. MIXOLOGY ONLINE macht sich auf den Hintergrund des Produkts zu erforschen und in die flüssigen Welten einzutauchen.
Ein wahrer Hingucker ist der Twist Gin nicht, es sieht so aus, als hätte die Entwickler nicht viel Energie und Kosten auf das Packaging verwendet. In einer unscheinbaren dünnen langen Flasche präsentiert sich der Twist Gin mit einer Füllmenge von 0,5 Litern. Wenn man das Etikett nicht auf Anhieb lesen könnte, würde man aufgrund des äußeren Erscheinungsbildes denken, dass es sich um einen Grappa oder klaren Obstbrand handelt.
Der Schein trügt nicht, da die Brennerei Augustus Rex, die hinter diesem Destillat steht für ihre Obstbrände in der Dresdner Region bekannt ist. Die Obstbrennerei ist seit 2001die erste Destillerie, die begann, in Dresden Brände zu produzieren. Das Unternehmen wurde nach Augustus Rex, alias König August dem Starken, benannt, da dieser den Obstanbau in Sachsens Hauptstadt immer gefördert haben soll. Als Ziel hat sich die Brennerei gesetzt, wirtschaftlich nicht mehr genutzte Obstarten zu schützen und Brände aus diesen herzustellen.
Aber wie kam es dazu, dass die Obstspezialisten jetzt Gin für eine Bar in den Wolken produziert? Dahinter stehen die Bartender der Region, allen voran René Förster, der bei einem Treffen von 30 Bartendern der Dresdner Szene vor einem Jahr in der Brennerei der Meinung war, dass die Entwicklung regionaler Produkte angeregt werden müsse. „Schnell stand für mich fest, dass ich für meinen Laden eine eigene Spirituose kreieren möchte“, so Förster. Daher kann dies auch als die Geburtsstunde des Twist Gins gesehen werden.
Aber warum Gin?
„Die Wahl fiel auf das Wacholderdestillat, da die Nachfrage nach ihm sehr hoch ist und der Ginmarkt unglaublich floriert“, so Förster. Außerdem betonte er, dass Gin nicht Jahre lang lagern muss, um seinen vollen Geschmack zu entfalten. In Zusammenarbeit mit Georg W. Schenk, dem Inhaber der Destillerie entwickelt er den ersten Sachsen Gin. Dadurch soll eine Vereinigung der fachspezifischen Kenntnisse des Brenners mit den Vorgaben des erfahrenen Bartenders, der seiner Meinung nach genau weiß, was sich die Gäste wünschen stattgefunden haben. „Im Januar dieses Jahres waren die ersten Ginmuster fertig und wurden seitdem immer wieder aufs Neue verkostet und verfeinert”, so Förster weiter.
Das Wacholderdestillat wird in der Manufaktur, die aus sechs Mitarbeitern besteht, produziert. „Die 44-prozentige Spirituose wurde in einer 300-Liter-Brennblase destilliert. Dies ist ein Verfahren, das den Twist Gin von den industriell hergestellten Gins abhebt“, weiß Georg W. Schenk zu berichten. Dadurch soll ein Alleinstellungsmerkmal erzeugt werden, so der Destillateurmeister. Natürlich wollte uns das Haus nicht seine genaue Rezeptur und Vorgehensweise bekannt geben, aber unter anderem sollen folgende Kräuter enthalten sein: Wacholderbeeren, Koriander, Majoran, Lavendel, Pfeffer, Zitronenschalen, Zitronenmelisse, Enzian, Ingwer und Spuren von Zitrusfrüchten wie Zitrone, Grapefruit sowie Limette.
Die beste Methode den Gin zu genießen ist laut Förster als Gin & Tonic und in klassischen Cocktails, wie Martini und Aviation. „Es ist ein Gin für den geübten Trinker, da er sehr kräftig und präsent ist.“ In Verbindung mit der chininhaltigen Limonade empfiehlt er ein trockenes Tonic wie Fentimans. „Mein Favorit ist ein Gin & Tonic mit Thomas Henry und Zitronenzeste.
Was kann der Twist in Glas?
MIYOLOGY ONLINE setzt sich zusammen mit Christian Schenk aus der Booze Bar auf die Terrasse und nimmt den Dresdner Gin aufs Korn. Die Viskosität ist für ein 44-prozentiges Produkt typisch. Am Glasrand bilden sich Tränen, die sehr langsame zurück ins Destillat fließen. In die Nase dominiert der Geruch von Zitrusölen, andere Nuancen sind kaum zu erkennen. Die Zitronen- und Orangennoten setzen sich auch im Mund sehr dominant fort, gepaart mit ein paar Wachholderakzenten, diese werden aber durch die Zitrusöligkeit überlagert. Es bleibt festzuhalten, dass der Dresden Gin sehr viel Kraft hat, aber pur genossen, noch an Komplexität zulegen kann.
Diese Kraft wollen wir jetzt im Mix testen. Als Erstes wird der Highball Klassiker Gin & Tonic in verschiedenen Varianten unter die Lupe genommen. Es werden Zitronen- und Limettenzesten getestet und drei unterschiedliche Tonic Water. Diese wären der Klassiker Schweppes, der deutsche Apotheker Thomas Henry und der Brite Fentimans. Das Verkoster-Team ist sich schnell einig, dass die Zitronenzeste der deutlich bessere Partner in diesem Longdrink ist, gleich, welcher Tonic als Filler dient. Dort wird der Thomas Henry von der Redaktion und Schenk favorisiert, da er nicht so intensiv nach Chinarinde schmeckt und nicht ganz so trocken und bitter ist, wie in Verbindung mit dem Briten. Bei Freunden der sehr herben Note könnte die Variante mit Fentimans Zuspruch finden. Wer es dagegen süß mag, sollte auf das altbewährte Tonic aus dem Hause Schweppes zurückgreifen. Denn in dieser Kombination zeigt sich der Drink von einer ungewöhnlich süßen Seite, welche Anklang bei der Damenwelt finden könnte.
Nun wird der Sachse noch in Verbindung mit Wermut als Martini getestet. Dieser wird in eine sehr trockene Variante gerührt und mit Zitronenzeste abgespritzt. Bei der Verkostung des Klassikers scheiden sich die Geister. Für den Einen war ein zu zitruslastig und zu wenig Gin typisch. Dem Anderen gefiel die Kräftigkeit und das Aromenspiel von Zitrus und Wachholder. Eine weitere Meinung ging in die Richtung, dass er mehr Wermut vertragen könnte. „Ich würde meinen Gästen diesen Cocktail nicht unbedingt empfehlen, sondern den Twist als Gin & Tonic ausschenken“, so Schenk von der Booze Bar.
Was passiert in Zukunft in Dresden
Rene Förster zeigt sich sehr zufrieden mit dem Absatz. „Wir verkaufen ihn oft sogar als Flaschenware an Gäste als Mitbringsel und natürlich auf Empfehlung pur oder in Longdrinks und Cocktails.“ Dies liegt seiner Meinung daran, dass es ein sehr authentisches Produkt ist. Förster steht zu 100 Prozent dahinter, da er wie schon erwähnt die ganze Zeit an der Entwicklung beteiligt war. Für die Zukunft sind weitere Produkte der Twist Reihe geplant, da die Zusammenarbeit mit Augustus Rex erstklassig war, so Förster. Man kann also gespannt sein, was die Stadt an der Elbe noch alles in der Hinterhand hat, genaue Informationen konnten aber noch nicht entlockt werden.
Der Sachsen Gin ist als Neuling im Purgenuss noch ausbaufähig, da die Zitrusnoten zu dominant sind und das Produkt deshalb etwas eindimensional im Glas erscheint. Im Gin & Tonic findet er aber sicher seine Liebhaber. Aber MIXOLOGY ONLINE freut sich immer über Produkte, die authentisch sind und in Zusammenarbeit mit Bartendern entstehen.
Produktdaten Twist Gin
Preis: ca.23€
Herkunft: Deutschland/Dresden
Füllmenge: 0,5 l
Hersteller: Augustus Rex ® Erste Dresdner Spezialitätenbrennerei GmbH
Internet: augustus-rex.com
Alkoholgehalt: 44 %
//Twist Gin kaufen: Am besten stattet man Rene Förster persönlich einen Besuch in der Twist Skybar im Inside Melia Hotel in Dresden ab, um dort eine Flasche mitzunehmen. Ansonsten kann die Flasche auch verschickt werden. Außerdem vertreibt die Brennerei Augustus Rex den Gin auf Nachfrage, allerdings unter dem Namen Dresdner Gin.//
(Offenlegung: Die Redaktion hat für die Verkostung Produktproben von René Förster erhalten. Außer dem Twist Gin – durch die Kehlen der Redaktionsmitglieder und testenden Bartendern – ist allerdings nichts geflossen. Prosit!)
redaktion (7 months ago)
Ich fand den Gin sehr interessant, sowohl als Gin & Tonic, als auch als trockenen Martini. Weitermachen! MO