Alexander Stein und Christoph Keller, die Macher von Monkey 47 Dry Gin aus dem Schwarzwald, erklären in einem Gastbeitrag, warum guter Gin aus Deutschland und ganz besonders aus der Kuckucksuhrengegend kommen kann. Wie definiert sich guter Gin und was benötigt man neben handwerklichem Können?
Hier könnte dieser Beitrag eigentlich schon enden. Denn: Es gibt per se keinen wirklichen Grund, nach dem Herstellungsort eines Gins zu fragen. Ob Deutschland, Holland, England oder Tasmanien, ob Nord- oder Südhemisphäre, völlig egal. Ein guter Gin ist ein guter Gin – und ein schlechter Gin eben nur ein schlechter Gin, ungeachtet der geographischen Lage.
Und doch: Ist es denn wirklich so überraschend, dass mit Monkey 47 nunmehr einer der besten Dry Gins der Welt gerade aus Deutschland kommt? Und: Was ist denn eigentlich Gin? Was macht einen guten Gin aus?
Es gibt kaum eine andere klare Spirituose, die sich in den vergangenen drei Jahrhunderten so dynamisch verändert und weiterentwickelt hat, wie Gin. Ursprünglich in mittelalterlichen Klöstern entstanden, in denen archaisch destillierter Alkohol mit Wacholderbeeren aromatisiert wurde, um die mindere Qualität und den Geschmack der Fuselöle zu überdecken, verbreitete sich zunächst der holländische “Genever”, der von dem berühmten Arzt Francois de la Boe als medizinale Droge mit Heilwirkung vermarktet wurde, bis nach England und schwang sich dort im 18. Jahrhundert zur allgegenwärtigen Volksdroge auf. Die Gin-Mode erreichte ihren Höhepunkt während der so genannten “Gin-Craze”, als der Begriff Gin praktisch zum Synonym für jede Art von destilliertem Alkohol wurde und Hungersnöte wüteten, weil alle Getreidevorräte zu Schnaps gebrannt wurden. Mit den kolonialen Handelsbeziehungen, dem Zugang zu orientalischen und asiatischen Gewürzen und Früchten und der sich fortschreitend entwickelnden Destillationstechnik verbesserte sich die Qualität des Gins nachhaltig und erreichte mit der Entdeckung des Chinins als Malariaprävention für die britischen Kolonialarmeen und der Einführung von “Tonic Water” endgültig seine Stellung als wichtigste Basis für eine Vielzahl an Cocktails und Long Drinks.
Gin war und ist eine dymanische Spirituose, die sich im Laufe der Jahrhunderte von einem eindimensionalen, minderwertigen Destillat zu einem facettenreichen Klassiker von unterschiedlicher qualitativer Güte entwickelt hat. Über 120 verschiedene Zutaten tauchen in den Rezepturen gängiger Gin-Marken auf, Destillateure auf der ganzen Welt experimentieren mit Mazerationstemperaturen, Perkulation und Destillationstechnik, neue, moderne Cocktails werden mit den neu inerpretierten Rezepturen erfunden – mit anderen Worten: Gin ist weit mehr als nur Wachholder! Yes, indeed: Gin is history in a glass!
Destillationskunst. Der Schwarzwald ist das Wembley des Gins
Aber warum Gin aus Deutschland? Noch dazu aus dem Schwarzwald, der seit jeher eher für Bollenhüte, Kirschwasser und Kuckucksuhren steht, als für das britische Nationalgetränk.
Ein Gedanke, der auf den zweiten Blick gar nicht so fern liegt: Ein Gin ist aus destillatorischer Hinsicht eine Mischung aus einem Kräutergeist und einem Obstgeist. Und nirgendwo sonst auf der Welt ist das destillatorische Können und die jahrhundertelange Erfahrung der Brennmeister so groß wie in Süddeutschland. Insbesondere Baden-Württemberg ist geprägt von einer weltweit einzigartigen Vielfalt an Brennereien, deren Traditionen sich über Jahrunderte erstrecken, eine vergleichslose Akkumulation von Know-How, welche das britische Mutterland des Gins im Vergleich als eine art Monokultur des Brennertums erscheinen läßt.
Hier, in Süddeutschland, arbeiten die besten Obst- und Kräuterdestillateure der Welt, von hier aus werden die besten Brennanlagen in alle Welt exportiert. Es verwundert daher nicht, dass englische Gin-Produzenten auf die Expertise süddeutscher Anlagenbauer und das Geschick schwäbischer Kupferschmiede vertrauen.
Und wie so oft bei qualitativ hochwertigen und außergewöhlichen Produkten spielen Qualität, Tradition und Wissen eine entscheidende Rolle. Die Güte und Verarbeitung der Botanicals, die Wahl des richtigen Neutralalkohols als Basis, eine Mazeration, die eben nicht ein Kaltauszug ist sondern bei 30 bis 45 Grad Celsius zu erfolgen hat, eine schonende Destillation und Perkulation, eine Lagerung in Steingut und vor allem die Vermählung mit Quellwasser besonderer Güte unter Verzicht auf Kältebehandlung und Filtration. All dies sind, wenngleich nur eine Auswahl, notwendige Merkmale der Herstellung eines hochwertigen Gins.
Aber zurück in den Schwarzwald. Was macht diese Region zu einem Wembley der Gin Destillation?
Der Grund dafür ist einfach. Im Schwarzwald findet man neben ursprünglicher Landschaft, großer Brenntradition und erfindungsreichen Menschen, so essentielle Dinge wie naturreines Quellwasser und besonders aromatische Beeren- und Obstsorten. Der Zugang zu frischen, pflanzlichen Zutaten höchster Qualität ist schier unbegrenzt und das Schwarzwälder Wasser aus den tiefen Sandsteinquellen zählt zu den weichsten und besten Wassern in Europa. Die perfekten Voraussetzungen für einen Gin der besonderen Art, vorausgesetzt man verscheibt sich der Qualität und sonst gar nichts.
Deshalb destillieren wir Gin. Weil wir das Glück haben, am rechten Fleck dieser Welt zu leben, und: Weil wir ja bekanntlich alles können außer Hochdeutsch.
Mellow (4 months ago)
Meiner Meinung nach, können die beiden großen Deutschen Gin`s durchaus den jenen von der “Insel” mithalten bzw. sind teilweise sogar besser. Natürlich spielt hier der persönliche Geschmack eine große Rolle. Neben dem Monkey 47, hat auch der The Duke Gin von den Jungs aus München eine guten Namen in der Branche. Als leidenschaftlicher GinTrinker, bevorzuge ich persönlich bene Hendricks, o.g. beide deutschen Gin`s.