Bevor das Bild links erklärt wird, gibt es hier erst einmal einen kleinen Prolog, den mir meine Zunge aufzwingt: Bei internationalen Cocktailwettbewerben sieht man immer wieder die unheilvolle Arbeit der IBA über die letzten Jahrzehnte. Sie zeigt sich in Cocktails mit 3 oder 4 Likören und Sirups als Zutaten. Diese werden ohne Basis, ohne Aromenspiel, ohne jedwede Balance in irgendeiner bunten Form zusammengeschüttelt und -gerührt.
Das Augenmerk des gestaltenden Bartenders liegt dafür auf einer opulenten Garnitur, die entweder beinhahe das Glas kippen läßt oder dem Trinkenden ins Auge sticht. Bei Bols Around the World kamen die Vertreter von 10 Nationen in Amsterdam zusammen, um einen Sieger auszumixen. Und man konnte eindeutig sehen, in welchen Ländern noch IBA-Regeln (über Wettbewerbe) die Barszene dominieren und welch andere sich einerseits bereits der Tradition und andererseits der Moderne geöffnet haben. Denn das, was auf IBA-Wettbewerben gemischt wird, hat leider weder etwas mit Jerry Thomas noch mit Cuisine Style zu tun.
Phil Duff hatte mich dazu eingeladen, mit ihm und Tal Nadari (Ex-Fabulous Shakerboys and jetzt Market Manager für Bols in den USA) die Cocktails zu beurteilen. Bevor mich eine fiese Grippe ins Hotelbett trieb, verkostete ich mit meinen Mit-Juroren im netten Ambiente des Feijoa (Vijzelstraat 39), was sich die Teilnehmer ausgedacht hatten. Und es waren spannende Ideen dabei.
Owen Micheal Colin aus Australien hatte beispielsweise australische Buschgräser mitgebracht, mit denen er sein Martiniglas einräucherte, bevor er den Cocktail darin abseihte. Buschfeuer hätten eine große ökologische und auch rituelle Bedeutung für Australier, erklärte er dazu. Cooper wiederum, der sympatische kanadische Vertreter, mischte einen Drink mit Ahornwein (einem 12,5 Vol%igen Getränk auf der Basis von Ahronsirup) und kandierte als Garnitur Apfelbällchen live und auf einer Induktionsplatte in – Ahornsirup.
Auf den Drink von Ted Marcuse, dem deutschen Teilnehmer des Finales, waren wir alle besonders gespannt. Denn es ist sehr schwer, wenn nicht unmöglich, einen balancierten Drink in Schichten herzustellen, da man der Viskosität viel zu viel kreativen Tribut zollen muss. Ted hatte sich allerdings wirklich angestrengt und versucht, in jede einzelne Schicht ein frisches Aroma einzubinden. Am Ende reichte es leider nicht für eine Spitzenplatzierung. Einfach zuviel des Guten, auch bei der Garnitur. In seiner Bar verkaufe sich der Cocktail aber wie geschnitten Brot, erzählte mir Ted.
Die EM naht, eine Augenweide ist “The Colours of Germany” allemal und könnte seinen Erschaffer durchaus in die Publikumspresse bringen zum geeigneten Zeitpunkt. Bierwerbung gibts ohnehin genug, wenn der Ball rollt, wieso nicht auch mal ein Cocktail….
Der Sieger des Bols Around the World-Wettbewerbs allerdings hatte seine Hausaufgaben gemacht. Roman Milostivy (im Bild links mit karierter Krawatte, die schwarze gehört zu Phil Duff), Chef der O2-Lounge im Moskauer Ritz Carlton, über den David schon berichtete, hatte sich die alte Gruppe der Sangarees, weinbasierter Cocktails, vorgenommen und eine sanfte Modernisierung betrieben.
Es ist ein schöner Zufall (vielleicht auch gar nicht so sehr ein Zufall bei der Klasse des Drinks), dass er es auch in die Auswahl von Bastian geschafft hat. Er erscheint in der nächsten Mixology in der Rubrik “Alchemist” auf Seite 53. Hier die Rezeptur:
Moscow Sangaree
3 cl Vodka mit Pflaumen-Nelken-Infusion
1,5 cl Bols Crème de Cassis
1,5 cl Honigsirup
2 cl frischer Zitronensaft
1 Dash Orange Bitters
3 cl Tawny Port
Glas: Tumbler
Zubereitung: Alle Zutaten außer Port auf Eiswürrfeln schütteln und über zerstossenes Eis in das Gästeglas abseihen. Den Port floaten.
Roman wird jetzt an seinem Wunschort, in London, in einer Bar arbeiten gehen. Bols organisert seinen Aufenthalt und übernimmt die Spesen – ein guter Preis! Ich habe übrigens selten auf einem Wettbewerb solch eine gute Stimmung erlebt. Die Teilnehmer feierten nach dem konzentrierten Wettbewerb zusammen, als würden sie sich schon seit Wochen kennen. Namentlich schon bekannt von seiner konzertierten Facebook-Spam-Attacke auf die gesamte europäische Bartenderszene, traf ich übrigens auch auf Aki Wang aus Taiwan. Ein liebenswürdiger Zeitgenosse, der neben seinem Beruf als Bartender als Markenbotschafter für Potocki Vodka arbeitet. Aki: “I think we´re friends on facebook!” “I don´t think so!”, meine grinsende Antwort. Jetzt ist ers.
Dass Phil auch dafür sorgte, dass niemand ohne den Geschmack von Corenwijn und Genever auf der Zunge abreiste (im Bild ganz oben konnte ich mich gerade noch auf Zehenspitzen am ruhenden Genever vorbeischleichen), versteht sich. Ich denke, ich werde beim nächsten Besuch Phils Koi-Karpfen (ja, angeblich hat er Kois in seinem Gartenteich!) mal mit Steinhäger impfen.
Link: www.bolsaroundtheworld.com
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