Die Bacardi Cocktails (Geschichte von Bacardi, Teil 3)

Von Tanja Bempreiksz | Dezember 2, 2009 um 12:03 | Keine Kommentar | Porträts, Rum & Cachaça | Tags: , , , , ,

Die Familie Bacardi setzte sich aktiv für die Unabhängigkeit Kubas von der Kolonialmacht Spanien ein. Gleichzeitig versäumte sie es aber nicht, den amerikanischen Kontinent als Exportmarkt zu erobern. Diese Entscheidung war wegweisend für die Cocktailkultur und die Popularität von Bacardi Rum. Im dritten Teil unserer Serie stellen wir die bekanntesten kubanischen Cocktail-Klassiker vor, die auf Bacardi Rum zurückgehen.

Wie in wir in Teil zwei bereits berichteten, war die Familie Bacardi aktiv in die kubanische Unabhängigkeitsbewegung involviert. Emilio Bacardi sammelte über Jahre hinweg Spenden für die im Hinterland agierende Rebellenarmee und diente als eine ihrer städtischen Schnittstellen in der Kommunikation. Sein Sohn Emilito griff sogar aktiv in den Kampf ein, indem er sich den Rebellen anschloss und direkt im Kommando des populären Rebellenführers Antonio Maceo kämpfte. Den spanischen Behörden blieb die Sympathie der Bacardis für die Sache der Unabhängigkeit nicht verborgen, was Emilio mehrere Gefängnisaufenthalte einbrachte und den Rest der Familie vorübergehend Exil auf Jamaika suchen ließ.

Während sie sich als Kubaner patriotisch gaben, verloren die Bacardis als Geschäftsleute nie den Blick für die globalen Möglichkeiten, ihren Rum zu verkaufen. Mehrere Teilnahmen an Weltausstellungen, die Auszeichnungen für den Rum einbrachten und auch die offizielle Auszeichnung durch die spanische Königin zum offiziellen Lieferanten des königlichen Hofes im Jahr 1888 sind der Beleg dafür. Einen großen Schub erhielt die Marke schließlich, als sich durch die amerikanische Invasion auf Kuba im Jahre 1898 die politische und wirtschaftliche Lage einigermaßen stabilisierte und vor allem aber auch der amerikanische Kontinent als Exportmarkt erschlossen werden konnte. Bis heute wird, übrigens auch von Exilkubanern in Miami, die Dominanz des großen amerikanischen Nachbarn kritisch kommentiert, in Bezug auf die Cocktailkultur und die Popularität von Bacardi Rum war der amerikanische Einfluss auf jeden Fall entscheidend und fruchtbar. Hier sind die bekanntesten kubanischen Klassiker, die auf Bacardi Rum zurückgehen:

 

Cuba Libre

Der Name des Longdrinks aus kubanischem Rum und amerikanischer Coca-Cola geht auf den Schlachtruf der kubanischen Unabhängigkeitsbewegung zurück. Coca-Cola befand sich bereits im Gepäck der amerikanischen Truppen, die 1898 nach Kuba kamen. Im Jahr 1900 wurde die Limonade erstmals offiziell nach Kuba exportiert. Man nimmt an, dass das Entstehungsjahr dieser bis heute immens populären Mischung 1900 war. Laut dem Zeitzeugen Fausto Rodriguez soll ein kubanischer Bartender namens Barrio in Havana als erster diese Mischung dem amerikanischen Militärpersonal kredenzt haben, das seine Bar frequentierte.

 

Daiquiri

Der Daiquriri, ein Rum Sour, geht wahrscheinlich auf die Canchánchara, eine Mischung aus Honig, Limette und Rum zurück, die früher in Kuba als Erfrischung gereicht wurde. Die Cocktailversion, in der Honig durch Zucker ersetzt wird und die Zutaten mit Eis geschüttelt werden, entwickelte der amerikanischen Minen-Ingenieur Jennings Stockton Cox um das Jahr 1898 herum. Er benannte den Drink nach der Stadt Daiquiri, in deren Nähe sich seine Mine befand. Der Drink wurde schließlich in den Bars von Havana aus den mischenden Händen von bekannten Bartendern wie Constante Ribalaigua bekannt.

 

Mojito

Die Wurzeln des Mojito gehen bis ins 17. Jahrhundert auf den Freibeuter und Weltumsegler Francis Drake zurück. Francis Drake hatte wilde Minze an Bord seiner Schiffe, die er mit Zuckerrohrschnaps und Limetten mixte, weil er glaubte, diese spezielle Mischung würde seine Männer vor Fieber und weiteren Krankheiten schützen. Der Drink weist von seinen Wurzeln her auch starke Parallelen zu den Juleps auf, wie sie bis heute in den amerikanischen Südstaaten populär sind. Dieser Bacardi Cocktail wurde noch populärer als der Daiquiri und gilt bis heute als Kubas inoffizielles Nationalgetränk.

 

Bacardi Cocktail

Als Bacardi Cocktail wurde der oben genannte Daiquiri vor allem in den USA bekannt. Die Variante mit einem Dash Grenadine bürgerte sich erst später ein, um den Cocktail von seinen Daiquriri-Mitbewerbern mit anderen Rumsorten auch farblich abzuheben. Dieser Cocktail ist das erste Beispiel für eine gesetzlich geschützte Rezeptur. Nach dem Ende der Prohibition begannen viele Bars auf dem amerikanischen Festland Bacardi Cocktails ohne die Original-Zutat anzubieten. Eine davon war die des Barbizon Plaza Hotels in Manhattan, die daraufhin von der Firma Bacardi verklagt wurde. Im Jahr 1936 entschied der New York Supreme Court, dass ein Bacardi Cocktail auch Bacardi Rum enthalten muss.

 

Ernest Hemingway Special

Der amerikanische Schriftsteller Ernest Hemingway war im Gegensatz zu seinen Ärzten der Meinung, dass er Diabetes habe. Im Jahr 1938 kreierte Bartender Constante in der Bar La Floridita daher eine zuckerarme Daiquiri-Variante für ihn. Dieser Drink, ein Floridita Daiquiri mit Maraschino, Limettensaft und einer doppelten Dosis Rum wurde später von Constantes Angestellten Meilan mit Grapefruitsaft variiert. Hemingway nahm davon häufiger eine große Dosis in einer in der Bar für ihn bereitgehaltenen Thermoskanne mit. Man nannte diese Version des Drinks auch Daiquirí a la Papa bzw. Daiquirí Como Papa.

 

All diese Drinks mit Bacardi Rum wurden in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts populär. Und sie zeichnen auch den Expansionsweg der Marke nach, die sich zunehmend auf den Export fokussierte. Die guten politischen Verbindungen Emilio Bacardis, der eine zeitlang sogar als Bürgermeister Santiagos fungierte, und sich dabei große Verdienste im Wiederaufbau der Stadt nach den Unruhen des Unabhängigkeitskrieges erwarb, waren dabei sicher kein Nachteil. Vor allem während der Prohibition gab es einen wahren Boom für Bacardi. Einerseits gelangte sehr viel Ware in den Export, die über Umwege auch ihren Weg in die Vereinigten Staaten fand und andererseits kam eine wachsende Zahl von amerikanischen Touristen nach Kuba, was die Nachfrage vor Ort ansteigen ließ.

Im Jahr 1936 wurde die Expansion mit dem Aufbau einer Produktion auf Puerto Rico auf ein solides Fundament gesetzt. Da Puerto Rico mit den USA assoziiert war, entfielen für dort produzierten Bacardi Rum die Importsteuern, die vorher auf dem amerikanischen Markt einen Wettbewerbsnachteil bedeutet hatten. Zu diesem Zeitpunkt wussten die Bacardis noch nicht, dass dieser strategische Schritt auch das Überleben ihrer Marke sichern.

 

Weitere Artikel:
Die Wurzeln der Familie Bacardi (Geschichte von Bacardi, Teil 1)
Wie Bacardi Rum entstand (Geschichte von Bacardi, Teil 2)

 

In Kürze folgend:
Exodus aus Cuba (Geschichte von Bacardi, Teil 4)

 

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Veröffentlicht in Mixology Issue 03/2009.

Autor: Lukas Reimer

Übersetzung: Alexander Zuckrow 

Link: www.bacardi.com

 

Der Autor

Tanja Bempreiksz

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