Die Wurzeln der Familie Bacardi liegen in der katalanischen Stadt Sitges in Europa. In Santiago de Cuba machten sie sich zuerst als Händler einen Namen, bis Facundo Bacardi mit Hilfe von José Leon Bouteillier ins Destillationsgeschäft einstieg.
Sie kennen Bacardi? Sind Sie sich sicher? Dann wissen Sie auch, werter Leser, dass man den Namen Bacardi auf dem "i" betont? Wenn man beginnt, sich mit der Geschichte der großen Rummarke zu beschäftigen, wird eine solche Fülle kaum bekannter und spannenden Informationen zu Tage gefördert, dass eine Artikelserie kaum dafür ausreicht. Uns daher auf das Wesentliche beschränkend, wollen wir Ihnen zum Auftakt von den Wurzeln der Familie erzählen, die bis heute das größte familiengeführte Spirituosenunternehmen der Welt betreibt.
Die Vorfahren der Bacardis kamen aus Europa, aus der Hafenstadt Sitges, südwestlich von Barcelona. Mit der Expansion des spanischen Kolonialreiches etablierte sich Anfang des 19. Jahrhunderts eine starke katalanische Kolonie in Santiago de Cuba. Dem Ruf dieser prosperierenden Handelsstadt folgten schließlich auch die Kinder eines Maurers, die vier Brüder Magín, Juan, José und Facundo Bacardi. Auf Kuba etablierten sie mit harter Arbeit gemeinsam einen Kaufladen, der Waren des täglichen Bedarfs anbot. Die Katalanen besaßen einen guten Ruf als Kaufleute. Ein Amerikaner, der Santiago in dieser Zeit besuchte, beschrieb sie folgendermaßen: "Sie kommen arm an, beginnen mit einem Laden von zwei bis zweieinhalb Quadratmetern, leben von einem Brötchen und werden mit Geduld, Fleiß und Sparsamkeit reich."
Im Jahr 1843 hatte Facundo, das zweitjüngste der Bacardi-Geschwister, so viel Geld zusammengespart, dass er mit Hilfe seiner Frau, Amalia Moreau, und einem Partner ein eigenes Geschäft eröffnen konnte: Facundo Bacardi y Compania. Die Familie wuchs in den darauffolgenden Jahren mit der Geburt der Kinder Emilio, Facundo Junior, Juan und Maria. Das Geschäft prosperierte ebenfalls, so dass Facundo und sein Partner einen zweiten Laden in der nahe gelegenen Minenstadt El Cobre eröffneten. Im Jahr 1852 wendete sich jedoch das Glück. Eine Serie von Erdbeben zerstörte die Infrastruktur Santiagos und brachte das öffentliche Leben und den Handel zum Erliegen. Zusätzlich brach auch noch eine Choleraepidemie aus, was die junge Familie dazu bewog, Kuba fürs erste wieder zu verlassen und vorübergehend zu den Eltern Facundos nach Sitges zurückzukehren.
Als Facundo und seine Frau Amalia wieder nach Santiago aufbrachen, ließen sie ihren Sohn Emilio in der Obhut eines Freundes aus Barcelona zurück, der sich um die Ausbildung des talentierten Jungen kümmern wollte. In Santiago hatten die Bacardis in den folgenden Jahren eine schwere Zeit. Viele Bewohner hatten die Stadt und die Region verlassen und die Geschäfte liefen schlecht. Im Jahr 1855 musste Facundos erste eigene Firma, trotz finanzieller Hilfe aus der Verwandschaft, liquidiert werden.
Der geschäftliche Niedergang bot Don Facundo, wie Facundo Bacardi von seiner Umgebung wegen seiner seriösen Art respektvoll genannt wurde, die Chance für eine Neuorientierung. In genau dieser Dekade des 19. Jahrhunderts stieg Kuba nämlich zum größten Zuckerproduzenten der Karibik auf. Zuvor hatte Haiti den Weltmarkt dominiert. Der Sklavenaufstand um die Jahrhundertwende hatte die Zuckerproduktion dort aber stark dezimiert, was in der Folge für andere Anbaugebiete mit ähnlichen klimatischen Bedingungen wie Kuba oder Jamaika die Tür zu den Märkten öffnete.
Im Gegensatz zu den französisch dominierten Karibikinseln hatte die spanische Hemisphäre bis dahin aber keine nennenswerte Rumproduktion vorzuweisen. Das wenige, was an aguardiente hergestellt wurde, hatte mindere Qualität und wurde eher medizinischen Anwendungen zugeführt, als dass es getrunken wurde. Mit verantwortlich für die schwache Entwicklung der Destillation auf Kuba waren sicher auch Dekrete der spanischen Krone, die die Herstellung von Rum lange Zeit untersagt hatten.
Als sich Don Facundo Bacardi mit der Herstellung von Rum zu befassen begann, kam er genau zur richtigen Zeit. In den Vereinigten Staaten, wohin bis dahin viel Molasse für die Rumproduktion exportiert worden war, schwenkte das Geschmackspendel mit dem Vordringen der Siedler nach Westen immer weiter in Richtung Getreidebrände um. Außerdem hatte Santiago aufgrund seiner geographische Lage gute Verbindungen zu den französischen Kolonisten der anderen Karibikinseln, von denen sich viele auch in der Stadt selbst niedergelassen hatten.
Einer dieser Bürger französischer Abstammung in Santiago, José Leon Bouteillier, war Mieter im Haus von Amalia Bacardis Patin Clara Astié und betrieb dort eine kleine Destillieranlage, mit der er Cognac und Bonbons aus den Zuckerresten der Destillation herstellte. Nach dem Tod von Amalias Patin kam dieses Anwesen in der Marina Baja Straße in ihren Besitz. Dies ermöglichte Facundo endlich, seine Pläne einer eigenen Rumproduktion in die Tat umzusetzen. José Boutellier und er kamen überein, dass Facundo als Teil eines neuen Mietvertrages die im Haus installierte Pot Still mitbenutzen könne. Das war die Geburtstunde der ersten Bacardi-Destillerie.
Weitere Artikel:
Wie Bacardi Rum entstand (Geschichte von Bacardi Teil 2)
Die Bacardi Cocktails (Geschichte von Bacardi, Teil 3)
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Erschienen in Mixology Issue 1/2009.
Autor: Lukas Reimer
Link: www.bacardi.com