Die Familie Bacardi stand in der Opposition zum kubanischen Diktator Batista, der 1952 die Macht übernahm. Wie viele andere Kubaner unterstützte sie Fidel Castro, da durch ihn eine Chance zur Re-Demokratisierung gesehen wurde. Doch die anfängliche Kooperation von Fidels Regierung mit der Wirtschaft des Landes war ein Täuschungsmanöver. Im Jahr 1960 begann der Exodus der Bacardis aus Kuba.
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war die Firma Bacardi damit beschäftigt, international zu expandieren. Neben Puerto Rico war auch Mexiko ein Ort, in den die Firma mit einer Produktionsanlage investierte. Die Anfänge dort verliefen schleppend, bis man die Bedürfnisse des lokalen Marktes besser verstand und Werbung sowie Verpackung des Rums besser darauf abstimmte. Diese Jahrzehnte waren überall auf der Welt geprägt von sozialen Unruhen.
Auch Bacardi blieb von ihnen nicht verschont. Auf Kuba kam der ehemalige Militär Batista an die Regierung und verbündete sich mit kommunistischen Gewerkschaftsgruppen, die die Firma Bacardi vehement attackierten. In diesen Konflikten ging Batista schließlich soweit, mit polizeilicher Gewalt die Kontrolle über die Destillerie zu übernehmen. Das oberste Gericht Kubas hob diese Entscheidung zwar sofort wieder auf. Aber von diesem Zeitpunkt an war klar, dass man von Seiten der Rummarke immer in Opposition zum späteren Diktator stehen würde.
Die Demokratie auf Kuba geriet in immer schwereres Fahrwasser. Im Jahr 1946 trafen sich alle damaligen amerikanischen Mafia-Größen der Vereinigten Staaten mit Duldung des Präsidenten in Havana. Korruption machte sich breit und eines Tages erschienen Agenten des Finanzministeriums mit der Drohung bei Bacardi, Steuern auf den Angels Share, die verdunsteten Alkoholmengen, zu erheben. Diese Forderung konnte aufgrund der guten politischen Verbindungen der Firma abgewendet werden.
Im Jahr 1952 übernahm der lange Zeit von den Vereinigten Staaten unterstützte Batista gewaltsam die Macht auf Kuba. Trotzder positiven wirtschaftlichen Entwicklung Kubas in dieser Dekade wurde unter seiner Regentschaft das politische System drastisch ausgehöhlt. In Fidel Castro begannen viele Kubaner, auch die Bacardis unter ihrem damaligen Präsidenten Pepin Bosch, die Chance für eine Re-Demokratisierung Kubas zu sehen. Wie fast die gesamte kubanische Geschäftselite unterstützte Bosch die Rebellen der "Bewegung des 26. Juli" unter Fidel Castro mit erheblichen Geldzuwendungen, wie er Anfang der 60er-Jahre in einem Interview mit der New York Times zugab.
Der amerikanische Journalist Tom Gjelten hat diese Zusammenhänge in seinem Buch "Bacardi and The Long Fight for Cuba" folgendermaßen beschrieben: "Wie andere vermögende Kubaner, die Castro unterstützten, bereute auch Bosch später, ihm geholfen zu haben, und äußerte sich ungern dazu. Genau so wenig fühlte Castro den Drang, zuzugeben, wie viel Hilfe seine Bewegung genau von den Geschäftsleuten angenommen hatte, deren Vermögen er später beschlagnahmte."
Im Januar 1959 wusste man noch nicht, wie sich die Dinge entwickeln würden. Die Revolution siegte und Bacardi begrüßte sie sogar mit einer Zeitungsanzeige, die den Rebellen dankte. Wie eng die Verbindung zwischen Bacardi und der Bewegung des 26. Juli war, zeigte schließlich im selben Monat die Heirat von Vilma Espin, der Tochter des langjährigen Bacardi-Vorstandes und -Teilhabers José Espin mit Raul Castro, dem Bruder Fidel Castros, der heute die Präsidentschaft Kubas inne hat. Fidel Castro bestand auch darauf, dass ihn der Bacardi-Präsident kurze Zeit später auf einer USA-Reise begleitete.
Schon bald aber zeigte sich, dass die Übergangsphase, in der Fidels Regierung der Wirtschaft des Landes signalisierte, mit ihr kooperieren zu wollen, ein Täuschungsmanöver war. Sukzessive begann schließlich die Verstaatlichung der Industriebereiche. Pepin Bosch ahnte, dass Bacardi nur eine Gnadenfrist blieb und ging mit seiner Frau ins Exil, als die Regierung ihn aufforderte, sich von einer Öl-Beteiligung zu trennen. Nicht alle in der Familie aber wollten die Realität wahrhaben. Daniel Bacardi, der die Brau-Aktivitäten der Familie Bacardi leitete, ließ sich lange von den Reformen des neuen Regimes täuschen, die für die arme Bevölkerung Kubas tatsächlich positive Effekte hatten.
Am 14. Oktober 1960 musste auch Daniel Bacardi einsehen, dass er sich getäuscht hatte. Per Dekret hatte Fidel Castro die Verstaatlichung der letzten großen kubanischen Firmen angeordnet. Gleichzeitig mit Bacardi wurde auch der größte Bacardi-Konkurrent, die José Arechabala S.A., die Havana Club Rum herstellte, unter Kontrolle des Staates gebracht. Der Exodus der Bacardis begann. Bis auf wenige Familienmitglieder, die sich hinter Castro stellten, verließen alle ihre Heimat und mit ihnen auch große Teile des Managements und der firmeneigenen Ingenieure.
Ab diesem Zeitpunkt sollte Puerto Rico zum Zentrum der Bacardi-Aktitvitäten werden. Pepin Bosch hatte in weiser Vorraussicht schon zu Zeiten des Diktatoren-Vorgängers von Fidel Castro, Batista, die Firma so aufgestellt, dass die Unternehmenseinheiten außerhalb Kubas vor Zugriff geschützt waren. Bevor er Kuba verließ, brachte er auch noch die Markenrechte in Sicherheit.
Bereits drei Tage nach der Verstaatlichung der kubanischen Produktionsanlagen, ging Bacardi von den USA aus auf allen Kanälen in die Offensive und verkündete, seine Rechte wahrzunehmen, sollte ein Händler oder Importeur Ware aus Kuba unter dem Markennamen Bacardi akzeptieren. In fünf Ländern kam es in der Folge zu Gerichtsverfahren, die alle zu Gunsten von Bacardi ausgingen. Das Erbe der kubanischen Familie war gesichert, auch wenn sie nicht mehr in ihrer Heimat leben konnte.
Bisherige Artikel:
Die Wurzeln der Familie Bacardi (Geschichte von Bacardi, Teil 1)
Wie Bacardi Rum entstand (Geschichte von Bacardi, Teil 2)
Bacardi Cocktails (Geschichte von Bacardi, Teil 3)
In Kürze folgend: Die internationale Expansion (Geschichte von Bacardi, Teil 5)
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Veröffentlicht in Mixology Issue 04/2009.
Autor: Lukas Reimer
Übersetzung: Alexander Zuckrow
Link: www.bacardi.com