Karibik, Rum und Kaperfahrt.

Von Daniel Khafif | August 29, 2011 um 16:00 | Keine Kommentar | Rum & Cachaça | Tags: , , ,

Das Golden Age der Buccaneers. Sie waren Guerillakrieger im Dienst der Majestät, Sklavenbefreier, Entdecker, Gauner und Rumtrinker. Eine kleine Kulturgeschichte der Freibeuter und Piraten, der Karibik und des Rum.

Alles begann mit Long John Silver. Diese Figur aus dem Roman Die Schatzinsel des wunderbaren schottischen Schriftstellers Robert Louis Stevenson galt seit seiner Londoner Buchveröffentlichung 1883 als romantischer Inbegriff des Piraten schlechthin: listig und lustig, einbeiniges Raubein, mit Augenklappe im Gesicht und plapperndem Papagei auf der Schulter, gesegnet mit einem Herz aus Gold. Buccaneers wird lapidar mit Pirat und Freibeuter übersetzt. Was ein Pirat war, wusste ich, doch was meinte das Präfix »Frei« vor dem »Beuter «? und dann las ich noch ein Comic über Flibustiere. Dieselbe Gegend (Palmen, Riffe, Strand), dieselben Typen (Perücken, Dreispitz, Säbel), aber wieder ein anderer Begriff. Flibustiere. Klingt zoologisch, meint aber vor allem die französischen Piraten, die ab etwa 1625 auf kleinen, aber schnellen und leichten Booten (frz.: Flibot) Raubzüge an den Küsten der Antillen unternahmen und dabei von Bucht zu Bucht schipperten, um ihre Boote rasch in Flussmündungen oder Coves zu verstecken und Proviant aufzunehmen.

Buccaneers – die neuen Seeräuber

Für größere Kaperfahrten wurden aber größere Mengen an Nahrung und Wasser benötigt. Englische und französische Flibustiere schauten sich auf Haiti und Jamaica ein Verfahren zur Konservierung von Fleisch ab, das die indigenen Ureinwohner praktizierten: So wurde auf einem Rost ( = Arawak: »Bukan« ) bei geringer Glut Fleisch von wilden Ziegen, Rindern oder eingeführten Schweinen langsam gedörrt, dann geröstet, sodass es trotz tropischer Sonne über lange Zeit nicht verdarb. Nach diesem Verfahren, das ihnen längere Strecken an Land wie zur See gestattete, nannten die Briten diese neuen Seeräuber »Buccaneers« = Bukaniere!

Die unterschiedlichen Namen definierten die Seeräuber: So waren Freibeuter im Auftrag für eine Nation unterwegs und Bukaniere für einen lokalen Kommandeur oder Gouverneur. Beide wurden mit offiziellen Kaperbriefen ausgestattet. Mit dem lateinischen Begriff »Pirat« (aus dem griechischen: peiran = wegnehmen), wurden Seeräuber bezeichnet, die nur unter eigener Flagge und auf eigenes Geheiß segelten und damit von allen Seiten verfolgt wurden. Für die im 17. und 18. Jh. Krieg führenden Europäer bedeuteten Bukaniere und Freibeuter eine low budget Variante, um fern der eigenen Gewässer eine Art Guerillakrieg zu führen. Die Freibeuter segelten auf eigene Verantwortung und eigene Gefahr, bekamen einen Teil der Prise und brauchten in Friedenszeiten nicht weiter versorgt werden.

Rum – das braune Gold

Ein wichtiges Zahlungsmittel war der karibische Rum besonders der Jamaica-Rum. Doch welche Rolle spielten dabei die Piraten der Karibik? Ein Blick zurück: Erst mit der Reconquista und der Eroberung Granadas 1492 kamen die Europäer überhaupt in Kontakt mit Rum, doch vermochten sie ihn mangels Kenntnis von Zuckerrohranbau nicht selber herzustellen – im Gegensatz zu den Arabern, welche Rum seit langem in ihren transsaharischen Territorien und den Inseln des Indischen Ozeans produzierten. Mit der Expansion nach Westen, ins Mittelmeer und auf die iberische Halbinsel gelang ihnen sogar die Kultivierung von Zuckerrohr in weit nördlicheren Gebieten.

Mit dem Ende der arabischen Hochkultur verschwand, wie so vieles, auch die Kenntnis über die Produktion von Zuckerrohr und Rum. Columbus hatte aber, ganz weitsichtig, die letzten Pflanzen nach seiner zweiten Amerikareise 1493 auf Hispaniola eingeführt. Doch erst sehr viel später, über Brasilien und Jamaika, sollte die bis dato einzige Zucker liefernde Pflanze ihren erfolgreichen Anbau in den neuen Kolonien der Europäer beginnen. Ab dem 17. Jahrhundert schließlich entwickelte sich die Idee, in größerem Maße Schnaps aus dem Süßgras zu brennen. Den ersten beurkundeten Hinweis auf den Namen finden wir um 1650 als »rumbullion« (engl. = Aufruhr, Tumult) und besonders seit dem 8. Juli 1661 von General Edward Doyley, dem ersten englischen Gouverneur von Jamaika, welches die Spanier mit der Eroberung von Admiral William Penn 1655 verloren. Ab 1667 wurde der Schnaps offiziell als »Ron« (kastillisch) bzw. »Rhum« (französisch) bezeichnet.

Jamaika, günstig unter dem Wind gelegen, mit vielen Buchten und Naturhäfen und mitten in der Karibik, vergrößerte den englischen Einfluss in der Neuen Welt: Die Kleinste der Großen Antillen war idealer Ausgangspunkt für Kaperfahrten auf spanische und französische Ziele. Während Franzosen und Spanier noch Cognac und Brandy in Eichenfässern in die Karibik transportierten, der schnell verdarb, begannen die Engländer nun mit der Produktion von Rum: Zuckerrohr wuchs überall in den Tropen, ließ sich ganzjährig ernten, gut destillieren und trotz der Hitze einfacher lagern. Rum aus der Karibik entwickelte sich für die britische Krone, wie später Gin aus Indien, zu einem wertvollen Gut, das auch in Europa erfolgreich verkauft werden konnte. Sowohl Freibeuter wie offizielle Marine zahlten einen Teil der Heuer durch Rationen von Rum aus. Vor allem der ehemalige Kaperfahrer Henry Morgan, (selbsternannter »Chefadmiral aller Bukaniersflotten« und Verfasserdes »Piratencodex«, erst auf Jamaika verhaftet, dann 1674 in London begnadigt und als Gouverneur von Jamaika in den Adelsstand erhoben),führte Rum als offizielles Zahlungsmittel für seine Flotte ein.

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Der Autor

Daniel Khafif

Daniel Khafif ist multipler Wort- und Kulturhersteller. Seine zweite Heimat ist Spanien und so gilt seine flüssige Liebe allen geistigen Erzeugnissen der südlichen Hemisphäre.

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