Haben wir es mit diesem neuen Produkt mit einer Schauergeschichte und viel Marketing-Seemannsgarn zu tun oder werden Bars und Rumliebhaber mit einer Tinktur beglückt, die das stetig wachsende Segment des Spiced Rum mit neuen Komponenten bereichert? MIXOLOGY ONLINE stürzt sich furchtlos in die Fluten auf der Suche nach der Wahrheit hinter all den Legenden.
Weiss, gereift oder gewürzt, Rum ist ein wahrer Aromenbotschafter und erfreut sowohl den Genießer als auch den Bartender, ob seiner vielfältigen Eigenschaften. Er fand schon als Zahlungsmittel Verwendung und hat die Seefahrtshistorie um viele Legenden bereichert. Teufelszeug und Inspirator großartiger Cocktailkreationen. Medizin und Seelenräuber. Rum ist ein wahrer Allrounder, und obwohl er nie aus der Geschichte der Trinkkultur wegzudenken war, erlebt diese Kategorie in jüngster Zeit einen neuen Höhenflug.
Trotz des stetigen Wachstums wird die Kategorie des gewürzten Rums von Bartendern noch sehr zurückhaltend betrachtet. Einige sehen hierin sogar eher eine Hausaufgabe und stellen sich ihre Rum-Derivate mit eigens für den Bedarf ausgewählten Gewürzen und Aromaten selbst her. Im Allgemeinen wird Spiced Rum als Additiv in Cocktails oder zum reinen Purgenuss ausgeschenkt – beispielsweise als Dessert-Rum.
MIXOLOGY MAGAZIN war im Februar in Köln in der Bar Ona Mor und veranstaltete ein Taste Forum (siehe Issue 2-2011) zum Thema Rum. Während dieser Zusammenkunft kamen wir erstmals – dank des Bareigners Alessandro Romano – in den Genuss von Kraken Rum, der damals gerade erst anfing, über die Niederlande auf den deutschen Markt einzusickern. In der allgemeinen Bewertung schnitt das Produkt ganz ordentlich ab, sodass es nun an der Zeit schien, dem Fabelwesen bis in die Tiefen zu folgen und ihm seine letzten Geheimnisse zu entlocken.
Die Kreatur
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Betrachtet man sich die Flasche, erschließt sich unmittelbar der außergewöhnliche Name, der diesem Produkt gegeben wurde. Die beiden gläsernen und zu Griffrundungen geschwungenen Augen erinnern ebenso an die eines Kraken wie seine dunkle Farbe an die Tinte des langarmigen Tiefseebewohners. Da diese in der Realität ja die Sinne des Angreifers benebeln und ihm die Sicht nehmen soll, baut sich bereits Spannung vor der ersten Verkostung im Redaktionsteam auf.
Der Hersteller spinnt die Assoziationen bei der Namensfindung noch weiter aus und spricht von einem Biest, das dem Kraken Rum die Attribute „stark, gehaltvoll, schwarz und sanft“, verliehen habe. Insgesamt kann man – auch in Verbindung mit der sehr ansprechenden Homepage – von einem gelungenen Corporate Design und einem charakteristischen Packaging sprechen.
Bisher war Kraken Rum in den USA ein Underground-Prokukt, das sich aber offenbar in kurzer Zeit viele Fans erobern konnte und in diesem Jahr mit einer millionenschweren Fernsehkampagne weiter angeschoben worden ist. Dave Steward, Business Development Director des britischen Distributeurs Marblehead Brand Development, der Kraken Rum zuerst nach Europa gebracht hat, erklärt selbstbewusst: “Kraken hat eine Geschichte zu erzählen, er schmeckt hervorragend und das Packaging hat eine starke Ausstrahlung auf experimentierfreudige Konsumenten. Er ist der erste schwarze Rum und wird die gängigen Muster sprengen und zu einer Neudefinition des Rummarktes führen. Jedenfalls in Großbritannien.”
Hinter Kraken verbirgt sich zwei Jahre in Bourbonfässern gereifter Rum aus den Karibikinseln Trinidad und Tobago mit 14 Gewürzen, unter anderen Zimt, Ingwer und Nelken.
Alessandro Romano von der eingangs erwähnten Bar Ona Mor berichtet, dass Kraken in seiner Bar ungewöhnlichen Zuspruch fand und in kürzester Zeit ausverkauft war. „Kraken Rum ist sehr süß, hat viele Aromen und ist sehr komplex. Wir haben Kraken aber nur pur verkauft und dort sehe ich auch sein Potenzial.“ Sein stolzer Preis engt allerdings den Verwendungsspielraum ein und so betont auch Romano: „Hier kann er sich natürlich nicht mit anderen Produkten wie Captain Morgan und Sailor Jerry Spiced Rum messen. Und was die Mixibilität angeht, würde ich Elements 8, der ja in einem ähnlichen Preissegment angesiedelt ist, vorziehen. Er ist etwas frischer und variabler zu handhaben.“ Der Hersteller empfiehlt Kraken auch als Longdrink mit Cola oder mit seinem Signature-Drink “The Perfect Storm” mit Bitters und Gingerbeer. Wir werden später noch darauf eingehen. Romano greift beide Empfehlungen auf und rät: „Mein Tipp zum Mixen ist eine Old Fashioned-Variante, in die Colakraut mit eingebracht wird.“
Ein Exot unter Artenschutz
Kraken Rum ist der am schnellsten wachsende Rum in Nordamerika. Als europäischer Schlüsselmarkt wurde Großbritannien auserkoren. Die Markteinführung dort sollte ursprünglich zur Jahreswende 2010/2011 stattfinden. Allerdings wurde die erste Ware, die schon versandfertig in den Lagerhallen lag, zerstört, als die Dächer wegen des strengen Winters in den USA unter den Schneelasten zusammenkrachten und nichts als Bruch übrig ließen. Somit fand der Launch in Großbritannien erst im Mai 2011 statt.
Um die Verfügbarkeit auf dem deutschen Markt ist es daher offenbar noch nicht wirklich gut bestellt. Das hat auch mit der überraschend hohen Nachfrage hierzulande zu tun, die von den Händlern bei ihren Orders unterschätzt wurde. Harald von Soest (Haromex Development) gibt gegenüber MIXOLOGY ONLINE auf Nachfrage zu: „Wir haben Kraken im Portfolio, haben uns aber in der Nachfrage getäuscht. Unser Kontingent ist derzeit ausverkauft, neue Ware ist aber schon in Amerika bestellt.“ Auf der Internetseite von Haromex ist Kraken noch nicht gelistet, was bei über 800 verschiedenen Rum entschuldbar ist und sicherlich nachgeholt wird.
Kevin Valentin (BarFish – Drinks & More) bestätigt das und setzt noch einen anderen Akzent: „Das Produkt ist erst seit 3 Wochen bei uns online und erfreut sich einer ungemeinen Nachfrage. Obwohl noch kaum ausführlich darüber berichtet wurde, könnte Kraken ein Bestseller in seiner Rubrik werden. Wir im Team mögen den Rum sehr gerne.“
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SKOERPER (9 months ago)
konnte den kraken kürzlich aus der genannten – und irgendwie gut zum produktnamen passenden – quelle bzw. deren aquarium ziehen und kurz antesten. mein fazit: gut, aber etwas dünn. für mich nix zum puren genuss und als mixzutat nicht so vielversprechend (die o.a. ergebnisse sprechen für sich). nach einem (gedanklichen) preis-leistungsvergleich mit anderen (ungewürzten) rums in dieser preisklasse (z.b. el dorado 12y) habe ich den vielarmigen – auch wenn er sehr nett verpackt ist – wieder ins becken geworfen.
mittlerweile ist auch eine 47%ige version auf dem U.K.-markt angekommen. das verspricht mehr rückgrad und eine zweite chance für den tintenspritzer… haromex, bitte bestellen!
Philipp Windgassen (9 months ago)
Ich stimme dem ganzen uneingeschränkt zu! Sehr interessant pur, zu wenig Charakter bei mischen. Wobei er sich mit Fritz Cola oder Afri Cola so halbwegs durchsetzen kann. Die Vielfalt geht zwar verloren, aber man merkt noch, dass es ein ungewöhnlicher Spiced Rum sein muss.
Ralf Schumacher (9 months ago)
Das Rezept für den Sirup ist mal in der Ona-Mor Group in facebook verschickt worden. Bei Bedarf am besten dort eine Anfrage schicken!
Der Cuba Libre Fashioned ist eine auf den Kraken angepasste Variante des “Viejo Libertad”:
1 Handvoll Kolakraut
2 dash Peychaud
1 dash Angostura
6cl Rum (jeweils der persönliche Favorit für Cuba Libre)
1 Barlöffel hausgemachter Old-Fashioned-Sirup
1 Barlöffel weisser Rohrzucker
1 Limettenzeste
Wer sonst Cola mit Vanilletendenzen favorisiert, kann mit einem dash Vanille-Bitter in diese Richtung trimmen.
Der Sinn dieses Drinks ist gerade die Vermeidung der bekannten dunklen Koffeinbrause, um mehr Aromen der Spirituose den nötigen Platz zu lassen. Da hat Fritz-Cola nichts drin verloren. Colakraut ist Zutat und sollte nicht als Deko verwendet werden (sonst liegt das Cola-Aroma über dem kompletten Drink). Eine Zeste macht hier deutlich mehr Sinn.
Viele Grüße
Ralf Schumacher
Alessandro (9 months ago)
Der Cocktail mit Fritz Cola ist nicht die Idee hinter dem Cocktail gewesen.
Zutaten für den Cuba Libre Fashioned sind eigentlich:
1 Handvoll Kolakraut
2 dash TBT Orange Bitter
2 Dash Angostura Bitter
5cl Kraken Rum
1 Barlöffel hausgemachter Old Fashioned Sirup.
1 Zitronensezte (Garnitur)
Viele Grüße,
Alessandro
neuwalker (9 months ago)
Das Rezept für den Cuba Libre Fashioned finde ich sehr interessant, aber was ist in Eurem hausgemachten Old Fashioned Sirup drin?
Ralf Schumacher (9 months ago)
Mein Beitrag weiter oben sollte eigentlich als normaler Beitrag hier am Schluss auftauchen und eine Antwort für neuwalker liefern, anstatt für Philipp Windgassen!