Der Vodka aus dem Hause Lantenhammer will im High-Class-Sektor ein Wörtchen mitreden und setzt zu 100 Prozent auf Kartoffeln. MIXOLOGY ONLINE sprach mit Destillateurmeister Tobias Maier über die Ausrichtung und die Geschichte hinter dem weiß-blauen Vodka und tauchte in das Innere des Destillates vom schönen Schliersee, um es unter die Lupe zu nehmen.
Der 43 Prozent starke Lederhosenträger kommt in einer für Vodka untypischen Flasche um die Ecke. Sie ist nicht durchsichtig, wie es normalerweise bei klaren Spirituosen der Fall ist, sondern dunkelblau überzogen, dünn und bauchig. Bei der Flasche, die Mixology vorliegt, handelt es sich aber nur um einen Prototyp. Das endgültige Design soll laut Maier deutlich heller werden. „Wir sind sehr traditionsbewusst, deshalb soll sie hellblau-metallic werden und den bayerischen Himmel symbolisieren.“ Der Heimatpatriotismus wird durch einen Holzschnitt, der in der Mitte der Flasche im Prägedruck aufgebracht ist, unterstrichen. Dort ist der Ausblick von der Vitalwelt Monte Mare auf den Schliersee verewigt worden. Damit wirklich niemand mehr an der Herkunft zweifelt, ist im unteren Teil noch ein weiß-blaues Fähnchen angebracht. Es bleibt festzuhalten, dass das Erscheinungsbild durchaus überzeugen kann, da es sehr hochwertig und durchdacht wirkt. Der „bayerische Bua“ hat also durchaus die Chance ein bisschen bayerischen Charme in die Backbars der Welt zu tragen.
Die Verantwortlichen hinter dem ersten bayrischen Vodka
Bavarka stammt aus dem Hause Lantenhammer. Die Destillerie, die am wunderschönen bayrischen Schliersee gelegen ist, war bisher für ihre Frucht- und Edelbrände, sowie den ersten oberbayerischen Single Malt Whisky Slyrs bekannt.
Das Know-how aus ca. 80 Jahren Firmengeschichte wird nun auch bei der Herstellung des Vodkas genutzt. Zur Veredelung des Destillates reift dieses ein halbes Jahr in besonders seltenen Steingutgefäßen, diese werden normalerweise für die hauseigen Fruchtbrände verwendet. Sie sollen laut Maier eine ähnliche Typologie wie Barriquefässer aufweisen: „Dies liegt daran, dass diese nicht ganz luftdicht verschlossen sind. Ebenso können Steingutgefäße an sich atmen.“ Dadurch will Lantenhammer auch ein Alleinstellungsmerkmal erreichen. „Damit sind wir sicher in Deutschland, wenn nicht auf der Welt die Einzigen, die ihren Vodka nur in diesen Gefäßen lagern“, gibt sich der Destillateurmeister überzeugt.
Aus Kartoffeln und Gebirgsquellwasser aus der Bannholzquelle am Fuße des Spitzingsees wird der Bayer siebenfach in einer Kolonnenbrennerei in München destilliert. Die dortige Brennerei ist aber nicht ganz so idyllisch gelegen wie der Hauptsitz von Lantenhammer, sie befindet sich am Ostbahnhof. Dieser ist für die meisten Münchener ein Begriff für billiges Nachtleben. Aber „sei’s drum“, wie man auf Bayerisch sagt. Laut Hersteller steht Bavarka Vodka für erstklassige, absolute Reinheit. „Für ein unverfälschtes Ergebnis setzen wir daher nicht auf die gängige Filtrationsmethode, sondern auf die aufwendige siebenfache Destillation. Diese ermöglicht die Abtrennung absolut aller unerwünschten Nebenbestandteile.”
Die Geschichte hinter dem Bayern
Der weißblaue Vertreter seiner Gattung liefert ein sehr schönes Beispiel für den immer besser werdenden Austausch zwischen Bartender und Spirituosenhersteller. Laut Maier waren bei der Entwicklung des Bavarka immer Mixologen aus dem Münchener Raum mit von der Partie. Eine beratende Rolle hat der Barzirkel München, vertreten durch Oliver von Carnap aus der Lux Hotel Bar und die Barschule München eingenommen. Von Carnap liefert zum Beispiel Informationen darüber, dass der Vodkamarkt deutlich von Weizendestillaten dominiert wird und deshalb entweder ein Destillat auf Roggen- oder auf Kartoffelbasis besseren Anklang in der Bartender Community finden würde. „Ich habe während des gesamten Projekts beratend zur Seite gestanden“, so Thomas Weinberger von der Barschule München, „also von der Idee bis hin zum Flaschendesign.“
Aus der Co-Produktion entstand ein Vodka mit viel Körper und Kraft
Aufgrund der Einflüsse aus der Barwelt entschied sich Lantenhammer dafür, einen kräftigen Vodka mit 43 % Vol. auf dem Markt zu bringen. Diese Aromatik erreichen sie laut Mayer, da sie zu 100 Prozent auf die stärkehaltige Knolle setzen und die schon beschriebene anschließende Lagerung in den Steingutgefäßen. Laut Hersteller soll der Bavarka Vodka einen ausgewogenen und gleichzeitig ausdrucksstarken Geschmack aufweisen. Deshalb soll er auch ihrer Meinung nach ideal für den puren Genuss, aber auch als Basis für klassische Cocktails wie Swimming Pool, Bloody Mary und Co. sein.
Weinberger und Oliver von Carnap regen dagegen an den Geschmack auf keinen Fall zu überlagern und bevorzugen 2 oder 3-teilige Cocktails. „Ich empfehle einen sehr trockenen Vodka Martini, damit der eigene Charakter des Bavarkas gut zur Geltung kommt, so von Carnap. Weinberger empfiehlt einen Vodka Gimlet.
Der „bayerische Bua“ im Glas
Die Zusammenarbeit scheint jedoch nicht bis in die Marketingabteilung des Hauses Lantenhammer vorgedrungen zu sein. Für die MIXOLOGY ONLINE Redaktion ist es kaum vorstellbar, dass ein klassischer Bartender einen süß-sahnigen Swimming Pool mit Bavarka Vodka mixen würde. Deshalb vertrauen wir auf unsere eigenen Kenntnisse und die Vorschläge der Münchner Kollegen, setzen uns auf die Terrasse und nehmen den Bayern aufs Korn.
Als Erstes wird er pur verkostet. In der Nase zeigen sich Fruchtaromen und Anistöne. Er weist eine für Vodka eher untypisch starke Viskosität auf. Es zeigen sich starke Kirchfenster am Glasrand, die sich lange halten. Beim Ansetzen des Glases wirkt das Produkt kurz astringierend, doch dann hält sofort eine fulminante Milde Einzug, trotz der doch kräftigen 43 Volumenprozent. Danach übernehmen Fruchtaromen das Kommando, gepaart mit einer angenehmen Süße. Diese verstärkt sich in einem Nachhall, der sehr ausgeprägt ist. Man kann festhalten, dass der Bayer einen sehr opulenten Geschmack hat. Bavarka bringt mal wieder Schwung in den Vodkamarkt, da er ungewöhnlich frisch ist und Substanz mitbringt. Alleinstehend ist der Bayer ein Genuss. Wir freuen uns schon, die Mixability zu testen.
Wie schlägt sich der bayrische Vertreter im Mix?
Dafür werden drei Cocktails gerührt. Dabei ist zu beachten, dass die süßenden Komponenten nicht zu hoch dosiert werden. Da die Komplexität verloren gehen würde, denn Bavarka wartet bereits mit der schon angesprochenen Süße auf. Einmal ein Vodka Martini, ein Vodka Gimlet und ein leider etwas in Vergessenheit geratenen Clubland aus dem Jahre 1937 von W.J. Tarling. Unser Meinung nach einer der besten Vodka Cocktails, die es gibt.
Im Martini zeigt sich nochmals die starke Viskosität des Produktes, am Cocktailspitz sind richtige Martinitränen zu sehen und der Vodka ist tatsächlich in Verbindung mit den paar Tropfen Wermut eine Wucht. Ähnliches zeigt sich beim Gimlet, die Ausstrahlung des Bayern ist stark zu spüren. Unser Tipp ist aber der Clubland. Durch den Bavarka gewinnt dieser Cocktail, der aus Vodka und weißen Portwein besteht nochmals an Rückgrat und wird zum Genuss. Nachdem uns alle drei Varianten die Kehle heruntergelaufen sind, ist die Meinung der Redaktion einstimmig: Bavarka eignet sich hervorragend zum Mixen. Da er seinen eigenen Charakter in den Drink einbringt.
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