Vodka aus Reis, geht das? MIXOLOGY ONLINE nimmt das Reisdestillat aufs Korn und testet den Japanischen Okuhida Vodka auf Herz und Nieren.
Für viele ist Vodka nach wie vor eine Spirituose aus Osteuropa, die aus Getreide destilliert wird. Dabei können für die Herstellung von Vodka die unterschiedlichsten stärkehaltigen Rohstoffe verwendet werden, seien es Trauben, Melasse oder auch Kartoffeln. Seinen Siegeszug trat das Wässerchen aber aus Polen oder Russland an, auf den genauen Ursprungsort soll hier nicht genau eingegangen werde, da die Fronten der beiden Kontrahenten ohnehin schon verhärtet genug sind. Aber mittlerweile ist das ehemalige Zarengetränk die meist verkaufte Spirituose weltweit und wird auch global an den unterschiedlichsten Orten der Welt produziert. So kommt beispielsweise Gorbatschow aus Deutschland, Eristoff aus Italien, Smirnoff aus den USA und Absolut aus Schweden. Gerade die beiden Letzteren haben es zu Weltruhm geschafft und damit bewiesen, dass der osteuropäische Ursprung der meist farblosen Spirituose mit einem Alkoholgehalt von mindestens 37,5 % keine große Rolle für den Erfolg darstellt und seine Fans mittlerweile auf der ganzen Welt zu Hause sind.
Denkt man aber an Japan und den flüssigen alkoholischen Genuss kommt einem nicht sofort der Vodka in den Sinn, sondern eher Sake, Shochu oder auch exzellente Whiskys, die ihr Zuhause in dem Land der aufgehenden Sonne haben. Aber dass es auch klare Vertreter mit exzellenter Qualität aus dem viertgrößten Inselstaat gibt, beweist das Haus Takagi Shuzo in der Präfektur Gifu mit seinem Okuhida Vodka. Die Flasche kam über den Umweg der Schweiz in die Redaktion von MIXOLOGY ONLINE geflattert. Markus Blattner aus der Widder Bar in Zürich machte uns auf den kräftigen Vertreter aufmerksam und schickte uns eine Flasche zur Verkostung vorbei.
Das Blau der Flasche zieht in die Tiefe
Die markante viereckige Flasche des Japaners ist tiefblau gehalten. Auf der Mitte der Flasche ist ein Reispapier aufgebracht, auf dem der Name des Vodkas in japanischen Schriftzeichen dem Betrachter entgegenscheint und noch eine kurze Produktbeschreibung in Englisch. Die Rückseite der Flasche ist übersät mit japanischer Schrift, die wir aber leider nicht entziffern können, da von der Redaktion niemand Japanologie in der Uni besucht hat. Zusammenfassend kann man sagen, das Packaging wirkt sehr edel und nicht überladen. Nur für den Flairbartender unter den Mixologen ist die Flasche vom Handling nicht zu empfehlen, da es durch seine quadratische Grundfläche nicht einfach zu greifen ist.
Informationen über den Okuhida Vodka zu finden gestaltet sich äußerst schwierig. Nach langer Suche im Internet und einem Telefonat mit Spirit Trade, dem Importeur des Destillates für die Schweiz, ist zumindest die grobe Herstellungsweise bekannt. Bei dem Vodka handelt es sich um kein neues Produkt, vielmehr kann er auf über 40 Jahre Geschichte zurückblicken. Reis bildet die Grundlage des Destillates. Nach dreimaligem Brennen lagert der Japaner für sechs Jahre und wird dann dreifach durch Birkenkohle filtriert, um die Reinheit des Destillates zu gewährleisten. Danach wird das Wässerchen auf 55 Prozent Trinkstärke reduziert und abgefüllt. Die Produktion des Reisvodkas ist streng auf 800 Flaschen pro Monat limitiert.
Die Spannung steigt, was können die 55-prozentigen Reiskörner im Glas?
Den höheren Alkoholgehalt spürt man bei der Purverkostung sofort in der Nase. Ein frischer Zitrusduft zieht in das Geruchsorgan gepaart mit starken Alkoholakzenten. Schickt man nun den Japaner die Kehle herunter, setzt sich am Gaumen eine Pfeffernote ab und auf der Zunge halt eine Süße gepaart mit einer samtigen Öligkeit Einzug. Der Abgang ist lang und kräftig. Die Redaktion ist sich sehr schnell einig, dass wir hier einen Vertreter des Vodkas im Glas haben, der nichts für ungeübte Trinker ist, die milden Vodka bevorzugen. Sondern man hat einen komplexen Vodka mit sehr viel Kraft und Rückgrat vor sich.
Dieses Rückgrat wollen wir nun im Mix testen. Dafür nehmen wir den Japaner für Longdrinkfans in einer simplen Mischung mit Tonic aufs Korn und testen ihn noch in zwei Cocktailvarianten. Einmal lassen wir den Rührlöffel für einen Vodka Martini kreisen und zum anderen für einen Clubland Cocktail in der Verbindung mit Vodka, weißem Port und Angostura Bitters, denn wir kürzlich auch mit dem bayrischen Bavarka Vodka testeten.
Wir schwingen den Rührlöffel
Es zeigt sich mal wieder, dass sich höherprozentige Spirituosen oft sehr gut zum Mixen eignen, da sie oft die Aromen besser tragen und vor allem im Fall von Vodka auch noch präsent sind, wenn sie vermischt werden. Im Martini geht der Wermut eine perfekte Symbiose mit dem kräftigen Reisvodka ein. Die Pfeffernoten der Purverkostung sind nicht mehr vorhanden und man halt einen sehr aromatischen und komplexen Martini Variante in der Hand, die durchaus mit einem Gin Vertreter mithalten könnte. Im Clubland, ein Rezept aus dem Jahre 1937 von W.J. Tarling zeigen sich wieder die Muskeln des Japaners, der sehr gut mit der Süße des Portweins und den würzigen Noten des Bitters harmonisiert. Ein super Aperitif der Lust auf mehr macht. In der Verbindung mit dem Tonic schlägt sich der Japaner sehr tapfer gegen die Chininnoten und kann sich geschmacklich gegen das Tonic behaupten.
Der Okuhida Vodka ist eine Bereicherung für das Vodkasortiment und wird durch sein authentisches Auftreten mit Sicherheit auch Konsumenten in Bars ansprechen. Durch sein Packaging und durch die Verwendung von Reis transportiert er das Land der aufgehenden Sonne perfekt ins Glas und durch seinen hohen Alkoholgehalt ist er auch noch dazu hervorragend zum Mixen geeignet. Leider hat dieses Produkt in Deutschland noch keinen Distributor. Hier haben uns die Schweizer etwas voraus, dort wird der Vodka exklusiv für Globus durch Spirit Trade importiert. Wer der japanischen Sprache mächtig ist, kann dem Okuhida Vodka auf der hauseigenen Internetseite bestellen, für die die diese Sprache nicht sprechen, wird es leider schwer, da die Homepage nicht in Englisch oder anderen Sprachen verfügbar ist. Also kann MIXOLOGY ONLINE nur an die Importeure aus Deutschland appellieren diesen exzellenten Vodka mit in ihr Sortiment aufzunehmen. Fans wird der Japaner mit Sicherheit finden.
Produktdaten Okuhida Vodka
Preis: ca. 25 €
Herkunft: Japan
Füllmenge: 0,720 l
Internet: okuhida.co.jp
Alkoholgehalt: 55 % Vol.
// Okuhida Vodka kaufen: Derzeit ist es leider noch nicht möglich, die sonst üblichen Verkaufsinformationen hier in voller Breite zu liefern, da Okuhida noch nicht im deutschen Handel verfügbar ist. //